All posts by Markus Pohlmeyer

Posted On Dezember 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2022

Markus Pohlmeyer: Gedichte – Herbst II

Herbst II 1 „Carpe diem“[1] Der Herbst ward still.Nichts weint, nichtsHofft mehr.DennEs istSo: Grün wirdGelb und Rot undSchwarz. Und die LuftBlau, grau, schwarz.Die Nacht:SternFolgt Stern.Der Wind: Hier,Dort. Wort, Ort.Nur einSpiel.Nichts istMehr so. SeiAuch duNunStill: Frag’Nichts, sieh hin! 2 Tibull an Nemesis Als ich kamSahst du mich nicht./?Als ich gingSahst du mich nicht./?Als ich starbWar nichts leerIn dir./?So ließ ich dir? nurDies Grab zurück,Aus Vers und Schmerz. 3 Fragmente Da ist nicht mehr viel. In ca. 30 Jahren würde die Weltbevölkerung auf10 Milliarden ansteigen Wer darf die Antarktis plündern? Kathol. KircheRead More

Posted On Dezember 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2022

Pohlmeyer: Wozu dichten? (8) – Vergil

Das beste Gedicht des besten Dichters Für Elin, eine begeisterte Imkerin I Bienen Vergil (70 – 19 v. Chr.) begegnete mir zum ersten Mal in der Oberstufe – und zwar mit dem ersten der Hirtengedichte(Eclogae/Bucolica), die Wilfried Stroh auch „‘Cowboy-lieder‘“[1] nennt. In der Welt des Kleinsten und der Kleinen entfalten sich Seelenlandschaften und geradezu kosmische Dimensionen. Schafe und Schäfer, unerreichte Geliebte, Bienen, Sterne und Pflanzen, wohin das dichterische Auge reicht. Klein und scheinbar nebensächlich, am Wegesrand, auf dem Feld, jenseits der großen Städte, Helden, Taten: angemessen für Apoll und Musen? Hier dieRead More

Posted On Dezember 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2022

10 Anmerkungen zu Star Trek „Picard“ (2)

Endlich Zeit, die Galaxis zu retten Markus Pohlmeyer zu einer neuen Staffel von Star Trek „Picard“ (2022) 1 Alles irgendwie bekannt, aber erfrischend arrangiert. Darum besser als die erste Staffel. 2 Zu Beginn bewegt sich Admiral Picard gefährlich nahe am Rand eines Abgrundes, in eine Herzensangelegenheit verstrickt zu werden; doch Q (deus ex universo) und eine Borg-Königin (dea in machina) betreten im richtigen Augenblick die Bühne. Wozu hat man alte Freunde? Pardon, Feinde. 3 Bleibe niemals mit einer Borg-Königin allein. Nie. Nicht. Niemals. Unter keinen Umständen. Und mag sie auch lächeln. Egal,Read More
Markus Pohlmeyer zum Zusammenhang von Kunst und Evolution Warum Dinosaurier? Darren Naish sammelt dafür vier Argumente: „[…] we like dinosaurs because, frankly, they’re neat-looking aninmals. […] we like dinosaurs because they’re super animals, above and beyond living creatures when it comes to mechanics, power, and abilities. […] a wilderness unspoilt by human action. […] Fourth, and finally, dinosaurs are the subject of all kinds of questions and controversies.“[1] Das Bild BAROSAURUS, DIPLODOCUS AND DRYOSAURUS[2] von John Conway (2017, siehe oben) ist ein Statement. So, unter anderen, habe ich mir immer die UrzeitRead More

Posted On Oktober 3, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2022

Markus Pohlmeyer: Herbst-Gedichte

Herbst – September 2022 1 Der Herbst tut weh, Tut mir weh,Zu viel des Todes,Gestirne auf und nieder,Etwas bleibt über den AbendUnd meine Zeit hinaus.Die Nebel verhüllen, ach, zu kurzDas schwer zu Ertragende,Bäume werden dunkler In ihren bunten Kleidern.Die kalten SternbilderFunkeln auf und nieder.Ist es gut? Wenn es so weh tut?Die Nacht, sie verletzt,Verletzt und beschützt mich,Am nächsten Morgen werde ichMeine Kleider gewechselt haben – ich.  2 SeptemberabendEin Primate – der das hier schreibt – saßFriedlich mit einer Anzahl von ManiraptorenAn einem Teich. Ein Hauch von Paradies,Keiner wollte den anderen fressen.„Quack! Quack!“Read More

Posted On September 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag September 2022

Markus Pohlmeyer: Elegie

1 Dem Großvater durfte man keine Fragen stellenEr wohnte im SchweigenDer Großvater kannte nur eine FrageWas gibt’s zum Essen?Der Großvater hatte keine VergangenheitNur Gegenwart Nur WirtschaftswunderEr kam zu allen Festen Ohne GeschenkeSchlug sich den Wanst vollDer Großvater hatte nur Hunger SonstHatte er nichts Vor allem keine Vergangenheit 2 Er ist der Größte, der größte der Allergrößten,Alles an ihm ist übergroß, er ist oben, so oben, dass alleUnten sind: Untertanen, Untertassen, Untermenschen.Konkurrenten werden gnadenlos ausgemerzt, ausradiert,Aussortiert. Und dabei hat er keine Schuld, oh nein,Es war ja alles formal korrekt. (Er istRead More

Posted On September 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag September 2022

Markus Pohlmeyer liest Ovid

Ovid – von der Liebe zu den Sternen:  Metamorphosen eines Dichters. Ein Essay von Markus Pohlmeyer Ovid (gestorben 18 n. Chr.?), ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Amores. Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Ars amatoria:  eines Lehrgedichts gelingender Liebe für Mann und Frau.  Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Metamorphosen. Ohne dieses Werk wäre europäische Kunst nicht denkbar und kaum verstehbar – das Kompendium antiker Mythologie schlechthin.  Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Amores: Die Erotik dieser Liebeselegien liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch in der verführerisch enthüllenden-verhüllten Sprache. Read More
„Dämmerung“ und „Ebenbild“. Eine Skizze Ein Essay von Markus Pohlmeyer. Mag sein, durch den Abstand der Jahre, begeistert mich die Serie Star Trek Enterprise (2001-2005) immer mehr – im Gegensatz zu den teilweise vernichtenden Kritiken, die ich gelesen habe. Nach nur vier Staffeln eingestellt (Ein ähnliches Schicksal traf die Originalserie.). Und zugegeben, ein leider dramaturgisch frontal vermasseltes Finale (bildlich: mit Warp 8 in ein klingonisches Schwert). In Kürze: Die Menschheit wagt unter der strengen Aufsicht der Vulkanier die ersten größeren Schritte in die Galaxie. Die Vulkanier treten als überstrenge, überbesorgte Über-Mentoren auf,Read More
1 Photosynthese und QuantenphysikLicht, Leben … Ich … Wir verstehen kaum die Poesie des Lebens,Aus der sich unsere Texte und Geschichten weben. Eine Supernova … und wir wurden denkenderSternenstaub, dass wir uns erforschten. Wie viele Multiversen habenUnsere Gedichte schon gebaut? Galaxien über Galaxien:Wie funkelnde Diamanten, auf schwarzen Samt, Texte am WebstuhlDer Zeit und Gravitation. Relativitätstheorie und ein Sternenabend:Meine Zeitmaschinen. Ich reise zurück, Woher ich kam. Gut, einen BlickNach Hause zu erhaschen. 2 Der Baum ist nicht Hitler-Deutschland,Die Schwalbe nicht Putin-Rußland,Das Kind nicht der Dreißigjährige Krieg,Und jenes lachende Mädchen nicht einRead More
Jurassic World: Neue Abenteuer oder Glücklich unter Dinosauriern. Ein Essay Vor kurzem entdeckte ich Jurassic World: Neue Abenteuer. Staffel 1-3. Dinoskrassherdamit. Fing harmlos an. Eine Gruppe von Jugendlichen darf ein neues Camp in Jurassic World ausprobieren: Darius, absoluter Dino-Fan; Kenji, nervenzersägender VIP; Ben, der selbst Angst vor der Angst hat und auch diese mit Desinfektionsmittel bekämpfen würde; Sammy, Top-Spionin, um ihre Familie zu retten; Yaz, Mega-Sportlerin; Brooklynn, Influencerin, die von und mit ihrem Handy lebt. Und es gibt zudem eine Brücke zu den neueren Filmen dieser Reihe: denn der genetisch manipulierte Indominus Rex erklärt denRead More
Zur Einleitung: Zusammen mit unserem Essayisten Markus Pohlmeyer (seine Texte bei uns hier) haben wir die Idee zu einer neuen Reihe entwickelt. Hier seine Skizze: Hölderlins Frage: „… wozu Dichter in dürftiger Zeit?“ (aus „Brot und Wein“) behält für mich in tragischer Weise – zeitgebunden-zeitlos – ihre Berechtigung und ist zugleich auch schon ihre eigene Antwort. Gerade in dürftiger Zeit dichten, als Widerstand (gegen Krieg, Diktatoren, Massenmörder etc. ad infinitum) und als Erinnerung (an das Schöne, Tröstende, Geheimnisvolle, an das Humanum im Menschlichen). Ich erinnerte mich an meine ersten Begegnungen mit Sappho und Archilochos.Read More
Reminiscence – ein neuer Orpheus, eine neue Eurydice Ein Essay von Markus Pohlmeyer I „Orpheus war der Mozart der antiken Welt. […] Hermes erfand die Lyra, Apollon verbesserte sie und Orpheus machte sie perfekt.“[1] Seine Sangeskunst soll Stein, Tier und Baum bewegt haben. Orpheus war mit Eurydice verheiratet, die tragisch ums Leben kam. Er reist in die Unterwelt, stimmt mit seiner Lyra die Totengötter um: Eurydice dürfe zurückkehren – aber nur unter folgender Bedingung, dass der Sänger sich auf dem Weg nach oben nicht umdrehe. Orpheus, zweifelnd, aus Liebe, dreht sich um:Read More
Zur Einleitung: Zusammen mit unserem Essayisten Markus Pohlmeyer (seine Texte bei uns hier) haben wir die Idee zu einer neuen Reihe entwickelt. Hier seine Skizze: Hölderlins Frage: „… wozu Dichter in dürftiger Zeit?“ (aus „Brot und Wein“) behält für mich in tragischer Weise – zeitgebunden-zeitlos – ihre Berechtigung und ist zugleich auch schon ihre eigene Antwort. Gerade in dürftiger Zeit dichten, als Widerstand (gegen Krieg, Diktatoren, Massenmörder etc. ad infinitum) und als Erinnerung (an das Schöne, Tröstende, Geheimnisvolle, an das Humanum im Menschlichen). Ich erinnerte mich an meine ersten Begegnungen mit SapphoRead More
– Ein Fragment. Die Profiteure Machen wir uns nichts vor. „So lange der Krieg als eine Möglichkeit überhaupt in Betracht kommt, d. h. also, so lange es Berufszweige gibt, die auf die Möglichkeit eines Krieges gestellt sind, ferner so lange es auch nur einen Menschen gibt, der durch den Krieg seinen Reichtum vergrößern oder solchen erwerben kann und der zu gleicher Zeit die Macht hat oder den Einfluß, einen Krieg herbeizuführen, genau so lange wird es Kriege geben.“[1] „Die Frühe Neuzeit kennt die Erfindung der kriegsentscheidenden Feuerwaffen, aber auch diejenigeRead More

Posted On April 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag April 2022

Markus Pohlmeyer: Cixin Liu „Supernova“

Vom Ende und Anfang der Welt Dargestellt in Spielszenen – Ein Essay. „Als es geschah, war die Erde ein Planet im Universum.“[1] Es? Und Planet im Universum? Was denn sonst? Banal … Oh nein. Denn „Supernova“ – die deutsche Übersetzung des ersten Romans von Cixin Liu (2003), dem Autor von ‚Trisolaris‘ – spielt ein erschreckendes Gedankenexperiment durch: Was wäre, wenn die Auswirkungen einer Supernova in unserer kosmischen Nachbarschaft die Erde erreichten und nicht nur das Klima veränderten,[2] sondern auch alle Menschen älter als 13 aufgrund der Strahlung zum Tode verdammten?Read More
Den Menschen, die ausUnd vor Russland fliehen I Ich war Einst Werde sein Einst Werde gewesen sein II Kierkegaard[1] Da spricht jemandIn seinem BuchVon einer Liebe,Die liebt mit demBewussten Risiko,Nie, nie erwidert werdenZu können, und dieNicht anders kann,Dass sie rein gar nichtsZurück will.So gibt es fürDas DuKeine größereFreiheit. III Vergil[2] Vergil, geleiteDu Meine SeeleDer du weinst mit Den ZerbrochenenUndDen Zerbrechenden Geleite du meine SeeleDurch die Tränen der WeltDurch Tränen um die Welt Mich IV Persius[3] Lehre mich diese Welt zerreißenMit Versen! Wer war denn so irre und gabIrren Atomwaffen, werRead More

Posted On März 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag März 2022

Markus Pohlmeyer: Das erste Mal Ich

Der Dichter Archilochos – Ein Essay Für Beate Fränzle I Fragmente Archilochos „[…] von Paros, griech. Lyriker, ca. 680-630 v. Chr. […] Es sind etwa 300 Fragmente erhalten. 1974 kam die sog. Kölner Epode (fr. 196a), die von sexuellem Erleben berichtet, hinzu.“[1] Und nun ein weiteres Zitat, von dem ich behaupten möchte, das fast alles von dem Folgenden ebenfalls auf Archilochos zutreffen kann: „Desorientierung, Auflösung des Geläufigen, eingebüßte Ordnung, Inkohärenz, Fragmentarismus, Umkehrbarkeit, Reihungsstil, entpoetisierte Poesie, Zerstörungsblitze, schneidende Bilder, brutale Plötzlichkeit, dislozieren, astigmatische Sehweise, Verfremdung …“[2] Worum geht es? Hugo Friedrich sucht in diesemRead More

Posted On März 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag März 2022

Markus Pohlmeyer: Das „Dune“-Universum

Erlösung und mehr? – Ein Essay „Kwisatz Haderach, der: Der ‚Verkürzer des Weges‘. Bezeichnung der Bene Gesserit für das ‚Unbekannte‘, für das sie eine genetische Lösung suchten: ein männlicher Bene Gesserit, dessen organisch-geistige Kräfte Raum und Zeit überbrücken sollten.“[1] „Die Religion stellt den Versuch des Erwachsenen dar, ein Kind zu bleiben. Sie ist das Sich-Einkapseln in die Glaubenswelt der Vergangenheit […]. Und immer wieder lautet ihr ultimativer, unausgesprochener Befehl: ‚Du sollst keine Fragen stellen.‘ Aber wir stellen Fragen […]. Denn die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, besteht darin, dieRead More
Rückkehr nach Corona III 1 Alles Reden kommt hierAn eine Grenze: PhotographienDes Hubble-Teleskops.[1]Nimm und schau. Welcher WegVon dort nach hier,In meine kleine Stadt, inMein Zimmer für mich selbst?Copernicus und Einstein,Papyrus und Buchdruck.Eine Reise dorthinDurch das SonnensystemZu fernen Galaxien,Zu tiefer Zeit,Blicke zurück in eine Vergangenheit,Als noch kein Alphabet erfunden,Kein Computer, kein Mensch. Auf nur einer einzigen SeiteAll die Punkte:Sind GalaxienMit Milliarden von Sternen,Mit Milliarden Planeten:Welche GeheimnisseWürden auf uns warten,Wenn wir nicht … Sieh’ doch, dort, damalsGravitationssuiten und SphärenklängeAus unwirklichen Farben. SymphonischeMonumente der Schöpfung, wenn es dennEine solche gegeben hat. Oder vielerSchöpfungen.Read More
Künstliche Intelligenz und Empathie Gedanken zu „Ich bin dein Mensch“[1] (2021, Regie: Maria Schrader) Alf Mayer zum Geburtstag gewidmet Es gibt in der Science Fiction eine Zeit für riesige Sandwürmer, finstere Aliens, gigantische Raumschiffe und sterbende Imperien. Und es gibt eine Science Fiction, die das alles nicht benötigt. Tom (von einem Menschen gespielt: Dan Stevens) ist ein Experiment, ist künstlich und noch verbesserungswürdig, wie sich bei der ersten Begegnung mit seiner Testperson, der Wissenschaftlerin Alma (Maren Eggert. Anmerkung: lat. alma mater = die gütige Mutter; auch eine Bezeichnung für Universität)Read More

Posted On Februar 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Februar 2022

Markus Pohlmeyer: Spider-Man Vol. 1

Eine Rezension David Mandel, Ralph Macchio: Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962–1964. Famous First Edition: Nummerierte Erstauflage von 5.000 Exemplaren. Ausgabe: Englisch. Verlag Taschen, Köln 2021. Hardcover, Format 28 x 39,5 cm, 4,83 kg, 698 Seiten, 150 Euro. Verlagsinformationen hier. Dieses Riesenbuch ist ein kleines Schatzkästchen – vor allem mit dem Wunder der ersten Spider-Man-Story aus ‚Amazing Fantasy 15 Aug.‘: „Es ist eindeutig eine der besten Herkunftsgeschichten in der Historie der Comics, niedergeschrieben auf gerade einmal 11 Seiten.“[1] Doch was ist das Neue? Kurz, was unterscheidet Peter Parker-Spider-Man beispielsweis von Clark Kent-Superman? Es „[…]Read More

Posted On Februar 1, 2022By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Februar 2022

Die Graphic Novel „Moby Dick“

Nach dem Werk v. H. Melville, Zeichnungen von B. Sienkiewicz, Textadaption: D. Chichester – B. Sienkiewicz, Bielefeld 2022 (SPLITTER). I Wie ein Werk zusammenfassen, das z.B. in der grandiosen Übersetzung von Friedhelm Rathjen[1] über 800 Seiten vorweist? Dies magisch-dämonische Labyrinth über einen gequälten Übermenschen und seiner Jagd auf einen gequälten Weißen Wal. Ein Seeungeheuer von einem Roman: wüst, wild und weit wie das Meer. Welt in Literatur und zugleich Weltliteratur. Unter anderem. „Die ganze Menschheit scheint durch dieses Buch zu ziehen; Moby-Dick erscheint wie ein Enzyklopädie von ‚Helden, Heiligen, HalbgötternRead More

Posted On Dezember 31, 2021By Markus PohlmeyerIn Highlights, Highlights 2021, News

Markus Pohlmeyer: Variatio

Nach dem Hören von Beethovens Diabelli-Variationen, interpretiert von Igor Levit 1„Hänschen kleinGing alleinIn die weite Welt hinein“ 2Seltsam,Wie dies schierUnendliche AllSich so klein macht …Was?Ich bin nur einStadtmäuschenIn irgendeinem HinterhofDer Galaxis.Träume mich zu denSternen, meineSeele wird weit,Bricht auf.Neugierig, mutig,Ein wenig versöhnt.Stolz darauf,Nicht den SpeerAufgehoben zu haben,Sondern den Vers.Der mich fand,Als ich alleine war,All-eins. 3Oh weite, weite Welt:So wünschenswert?Wild, wüst undWahnsinnig du,Aber durchausNicht uninteressant. 4Alleine geh’nDurchDiese Corona-ZeitDie Nacht mitIhren kaltenSternen undVerstummten FernenDie weite Welt da untenSie istEng geworden 5AngstKriecht durch den Alltag Hinter die Masken: Kenne ich nochDein Gesicht? 6Zu vieleRead More

Posted On Dezember 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2021

Markus Pohlmeyer: Gedichte

Rückkehr nach Corona 2 1 November. Allerseelen. Es dunkelt. Regen.Regennasse Blätter in wirbelnden WellenÜber eine dunkelnde Straße. Auf seinem FahrradEin Kind, das durch dieses Meer surft.Fliegende, dunkle Dokumente des Sterbens.Allerheiligen. Ich stehe alleine, schaue zu,Und bin noch hier, auch nachdem schon Kind undFahrrad, Tag und Gedicht verschwunden sind. 2 Früher hielt ich das BöseFür irgendeine brillante Dämonie,Heute meistens nur fürEinen seltsamen Mix ausNeid,Dummheit undInkompetenz. 3 Die Erde: ein feuriger Eisball,Pangäa zerbricht und die Hoffnung,Kometeneinschlag: bildgewaltige Resignation.Homo raptor hat den Homo sapiens … 4 Juhu, wieder daaa! (War nie weg.)Ach, IhrRead More

Posted On Dezember 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2021

Gedanken zu Isaac Asimovs „Foundation“

Markus Pohlmeyer begegnet einem Klassiker der Science Fiction Es gibt seltsame Wege, bis du ein Buch findest oder bis das Buch dich findet. In der Oberstufe schwärmte ein guter Freund mir etwas von einem ganz dicken Science Fiction-Wälzer vor. Weltraum, Psychohistorik, Untergang eines Imperiums. Okay, irgendwann im Studium kaufte ich mir endlich Asimovs „Foundation“. Sprung ins Jahr 2021, da entdeckte ich in einer Serien-Zeitschrift die Ankündigung einer gleichnamigen Verfilmung – mit einem phantastischen Bild dazu, das mich packte. Geheimnisvoll. Wieder okay, du musst jetzt den Roman suchen. Nun, nach dreiRead More

Posted On November 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag November 2021

Markus Pohlmeyer: 11/21 (Gedichte)

Rückkehr nach Corona 1 Erinnerung Unsere Städte waren Lärm.Es kehrte zurück, wasWir draußen vernichtet hatten: Stille,Unterbrochen nur vomRauschen eines Blattes, vonDes Vogels Sang, vom:Und dem LichtDes Mondes. AllesSo Still. Jetzt kehren wir zurück,Lärmend. 2 Venedig, memoria Wir tanzten.Die Stadt standWie auf einem Spiegel.Als der Mond seineMelancholiaIn die WasserGleiten ließ: LichtperlenAn meinen schwarzen Händen. 3 Nachdenklich Selbst die Leere zwischenPlaneten, Sternen und Galaxien,Die Leere selbst in den AtomenIstVoller Geometrie 4 Haiku Sommerabend –Dieser Schwarm Dohlen:Wehende Blätter im Wind. Ich musste lernen,Dass Raum zeit istUnd Zeit raum. In Ellipsen kreisenDie Planeten geradeUmRead More