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Eine Rezension „Tot sein will ich – ganz ehrlich:das seufzte sie heftig unter Tränen und verließ mich.“[1] I Dies 2021 erschienene griechisch-deutsche Sappho-Edition von Anton Bierl, die auch neuere Fragmente präsentiert, wird begleitet durch ausführliche Anmerkungen, welche zugleich einen Einblick geben in den Überlieferungsmodus und die Rekonstruktionsmethoden antiker Texte: „Im Jahr 2004 wurde aus Mumienkartonage der Kölner Sappho-Papyrus (frühes 3. Jh. v. Chr.) gewonnen und publiziert.“[2] 448 Seiten – ein großes kleines Reclam-Buch –, das mag beeindruckend klingen, ist aber gleichermaßen ein sichtbar gemachter Schmerz, denn beim Durchblättern lassen viele,Read More

Posted On Mai 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Mai 2021

Markus Pohlmeyer: Corona 11

1 AmbiguitasUnd selbst wenn der Teufel dieWiederherstellung der GrundrechteFordern sollte, würde ich ihm zustimmen:Der Sache nach, auch wenn mir sehr bewußt ist,Dass er immer eine andere Agenda hat. 2 ChiasmusManche opfern bewusst ihr Leben für Demokratie.Andere geben mal so ihre Demokratie auf, nur um zu überleben. 3 Hyperbaton Verantwortungs-Das wird doch schon längst jemand gemacht haben müssen?Da wäre doch ein anderer/eine andere zuständig gewesen!Das hätte doch schon längst jemand anderes zuständig gemachtHaben gewesen sein müssen. „Ich dachte, da hätte jemand mitgedacht.Oder die Arbeit erledigt.“ Es muss einfach transparenter werden, dieseRead More
„Ein Myrrhenbeutelchen ist mir mein Geliebter,das zwischen meinen Brüsten ruht.“[1] In dieser Liedersammlung kommt das Wort Gott nicht vor. Oh, dieses Wort mag zwar nicht vorkommen, Gott aber schon, denn Gott ist überall in der Liebe.[2] Und wer hat überhaupt diese Gedichte geschrieben? Auch Frauen? Warum nicht. „Siehe, du (bist) schön, meine Freundin,siehe, du (bist) schön.Deine Augen (Blicke) (sind) Tauben.Siehe, du (bist) schön, mein Geliebter,ja lustvoll.Ja, unser Lager (sei) frisches Grün […].“[3] Dass dieser Text mit verteilten Rollen, männlichen und weiblichen Stimmen, vorgetragen werden kann, liegt geradezu im dialogischen CharakterRead More

Posted On April 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag April 2021

Markus Pohlmeyer – Corona X

(… klingt fastwie Akte X) 1 Auf demAlten Friedhof,Am Mittag Mein SchattenWandernd mitDen SchattenDer Bäume Hinter unsDie Sonne 2 Die ZeitErinnert sichAn die Toten,Verwundert,Als wäre sieEin TeilVon ihnen Gewesen. IchWundere michÜber das Leben,Verwundet,So als ob esMeines wäre.Allzu vertraut,Um das FremdeDarin zu vergessen.Wunder und Wunde. 3 Testen live Lange, lange Schlange; ich armes SchweinMit Schwerbehinderung; kein Stuhl.Los, mit Handy sich anmelden … okay, mein HandyKann das nicht, außerdem gibt es hier keine Verbindung.Fazit: Pech gehabt. Und was eine Kollegin erlebte: von A nach BGeschickt, von B zu C durch die halbeRead More

Posted On April 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag April 2021

Markus Pohlmeyer zum 75. eines Helden

Lucky Luke – Ein Dank zum Jubiläum Zum 75-jährigen Jubiläum von Lucky Luke liegt nun Band 100 vor: „Die Ursprünge. Western von Gestern“[1]. Aus dem Buchrückentext: „Mit seinem 1946 erschienen Western-Comic ‚Arizona 1880‘ schrieb der damals noch junge Künstler Morris Geschichte […].“ Neben dieser Geschichte bietet der vorliegende Band noch ‚Die Goldmine von Dick Digger‘. Anlass für mich, einige Streifzüge zu unternehmen. Denn immer wieder waren und sind es die parodistischen, phantastischen und nicht unintelligenten Details, warum Lucky Luke mich schon seit meiner Schulzeit fasziniert. Freestyle: Prediger: „Werft die MedizinbeutelRead More

Posted On April 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag April 2021

Markus Pohlmeyer & die Dinosaurier

Fliegende Wunder, fliegende Albträume – Flugsaurier in der Paläoart „Water Ballet In The Seas of Kansas“[1] (1935) von C. Knight zeigt, wie ein riesiger Mosasaurus Jagd macht auf eine Meeresschildkröte (Archelon). Und am Himmel, majestätisch segelnd, eine Gruppe Pteranodon. Damals irgendwie das Non-plus-Ultra dessen, was fliegen kann. Sprung nach 2021. Es war wieder einmal einer dieser Zero-Sozialkontakt-Corona-Tage … und ich blätterte durch ein neueres Dinosaurier-Buch, das sehr interessant aufgemacht schien. Es bietet nicht nur eine Zeitleiste, wann bestimmte Tiere lebten, sondern auch wo. Nämlich immer dort, wo sich gerade dieRead More
Green Winter, all Traffic. I Redakteur: Nur skizzenhaft.Autor: Ich habe leider keine Zeit.Redakteur: Es kann auch fragmentarisch sein.Autor: Ich schaffe es leider nicht.Redakteur: 1-2 Seiten. Eher die Meta-Ebene.Redakteur: Brummelbrummelumpf.Redakteur: Hihihiii. II Dem Homer will voll krass Komplexität. Anders gewendet: In der Illias steigt Homer mitten irgendwo im Geschehen ein und endet irgendwo. In der Odyssee – von dem gleichen coolen Typen geschrieben, den die Tradition Homer nennt – erleben wir sogar Rückblenden, als Zurückholen, Hineinholen einer mythischen, vielleicht sogar märchenhafte Welt in die gnadenlos reale Welt von Schiffbruch, Verlust undRead More

Posted On März 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag März 2021

Markus Pohlmeyer: Corona-Zyklus IX

1 Corona ZwingtUnsHinter Masken Reißt sie zugleichDer gesamtenGesellschaft VomGesicht (Was früher wieGeschmiert lief oderWegefaket wurde, dasRächt sich brutal: DieseNegativ-AuslesenNachOben Die in BürokratienTransparent-blindeStatthabendeSerienmäßig gesteigerteProduktion von OhnmachtUndVertuschung Freiheit fürLehre und Forschung?Totgespart. Geiz seiSo was von geil.Hat sich ja jetztRichtig gutIn der PandemieAusgezahlt. Fabrikation vonDementia digitalis[1] bzw.Beförderung des Weltunwissens:Strom kommt aus der Steckdose.Die Kuh aus der MilchUnd dem Supermarkt.Und wenn ich spazieren gehe,Muss ich aufpassen, nicht vomRand der Scheibe zu fallen.Wäre sowieso wichtiger, dieRichtige Meinung zu haben. Und der Liebe GottKnipst abends dieSterne an. Krass,Wie viele Follower Der hat … PS: Vielleicht könnteRead More

Posted On März 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag März 2021

Kathleen Weise „Der Vierte Mond“

Einsamkeit, selten so packend Eine Rezension von Markus Pohlmeyer Es gibt so Bücher, da fasziniert schon das Cover. Hier im Hintergrund Jupiter, majestätisch, davor einer seiner Monde; dann eine mit Kratern übersäte Eislandschaft; im Vordergrund, klein: vier Astronauten. Etwas weiter in der Mitte, unter dem Titel, ein geheimnisvolles Leuchten.  Aus dem Buchrückentext: „Wir schreiben das Jahr 2104. Bei einer Erkundungsmission auf dem Jupitermond Kallisto kommt es zur Katastrophe, als der Orbiter Eurybia abstürzt. Ein Astronaut stirbt, und unter der Crew bricht ein mysteriöses Fieber aus.“[1] Doch dieses Science Fiction-Abenteuer beginnt kurz nach derRead More

Posted On Februar 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Februar 2021

Markus Pohlmeyer: Corona VIII

1 Zu erzählen? Immer weniger …Die Tage: monoton, monochrom. Nichts mehr von Gott zu erzählen,Von Liebe oder Kunst? Nichts? Wir sind nun Inzidenzwerte, Zahlen.Exponentiell. Potentiell tödlich. 2 Adieu Gewohnheit, vorausZu planen: Tage,Wochen und Monate,Jahre und Jahrzehnte. Adieu. Zahllose Alltage einst  In  garantierterSelbstverständlichkeitVerdrängten Sterbens. Durcheinander gewirbelteMoleküle. Eintagsfliegen.Sternenstaub. Träume –Nur von wem? 3 Zum Gelingen von MetaphernWir fahren auf Sicht. I Nun gut, manche machen aberErst die Scheinwerfer an,Nachdem der Unfall schonLängst passiert ist. II Und es konnte ja niemand ahnen,Dass ein Winter kommt. Nein,Das konnte niemand ahnen,Oder dass Menschen öffentlicheVerkehrsmittel benutzenRead More

Posted On Februar 1, 2021By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Februar 2021

Helden und Mythen

Markus Pohlmeyer über „Helden“ von Stephen Fry Stephen Fry, ja der Stephen Fry, über Theseus: „Es ist der Archetyp der Kinderbücher, der Bücher für junge Erwachsene und – machen wir uns nichts vor – für Möchtegern-Erwachsene wie wir. Ein mysteriös abwesender Vater. Eine liebende Mutter, die dich ermutigt zu glauben, du seiest etwas Besonderes. Der Auserwählte. ‚Du bist ein Zauberer, Harry!‘ Dieses Zeugs.“[1] Fry erwischt uns Leser und Leserinnen, groß und klein, bei unseren Wünschen und Phantasien allein durch die Drehung des Personalpronomens „die dich ermutigt“ statt die ihn, Theseus, ermutigt … Adieu Harry (oderRead More
Kaum Zeit zum Luftholen Markus Pohlmeyer bespricht für uns den neuesten Band der Reihe Wie schon oft von mir bemerkt: Lucky Luke entwickelt sich immer mehr zu einem Zitatenuniversum. So auch der neue Band Nr. 99: „Fackeln im Baumwollfeld“. Vermutlich ist mir ein Großteil der Anspielungen auf die US-amerikanische Geschichte entgangen. Schon beim Titel dachte ich an die Serie „Fackeln im Sturm“ (ab 1985). Lucky Luke wird zum Erben einer Baumwollplantage in Louisiana; und wir, die Leser und Leserinnen, reisen mit ihm in eine befremdliche Welt, die Jolly Jumper amRead More

Posted On Dezember 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2020

Markus Pohlmeyer: Corona-Zyklus VII

Mit Erinnerungen an alte Zeiten, die ein wenig golden waren, auch bei aller Wehmut … 1 Lauschte Beethovens Harfen-Quartett – und im WaschraumRumpelnd mein Trockner. Ach, himmlischer Alltag. Ich kann michNicht erinnern: was habe ich all die Milliarden Jahre davorGetan? Geträumt? Was? Dieses Universum? Es scheppert der Trockner am helllichten Tag: ‚klipp, klapp‘.[1] 2 Schauspiel in einem AktBasel, ein Kaffee, 2019 Freund: „Diese Torte schafft normalerweise niemand!“Dichter: „Wow, das Äquivalent eines Neutronensterns, nur aus Schokolade …“(Seufzer)Freund: „Die haben sogar da drin noch drei Schwarze Löcher versteckt. TEXT TEXT TEXT … (erschrocken) Wo ist der KuchenRead More

Posted On Dezember 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2020

Markus Pohlmeyer: „Game of Thrones 8“

Ein kleiner Rettungsversuch  I Zugegeben, ich war nie wirklich begeistert von „Game of Thrones“.[1] („Der Wüstenplanet“-Zyklus und mittelhochdeutsche Epen schienen mir da um Lichtjahre besser.) Aber ich muss nun etwas zur letzten Staffel schreiben. Es gab und gibt zahlreiche Kritik am Finale. Vielleicht sah ich dieses anders, weil ich keine messianischen oder überhaupt irgendwelche Erwartungen an diese Serie anlegte, die übrigens alle Konzepte von Messias-Figuren illusionslos durchstreicht. Zusammengefasst: Wie ich einer der wenigen war, den die Staffeln 1-7 kaum begeisterten, so scheine ich nun einer der wenigen, der von Staffel 8 begeistert war.Read More

Posted On November 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Markus Pohlmeyer: Corona-Zyklus VI

ERSTER TEIL Variation Ein schönes GrüßenZum AbschiedeDieser bunten WälderIn einem ParkSah ich noch KinderSpielen heiter undUnbeschwert Ich War auch einmal soGlücklich Der Winter fand inDem Park Nur noch leere Plätze Sah Im aufgewühlten SandEinen alten Ball Voller Schmutz IchIn schwarzen Ästen hingSchwer der graue Himmel AufgewühltMeine Bettdecke,So leis’,Leise,Zogst duDie TürZu … Irgendwie duftenDie Farben des HerbstesBesonders. Und dieGrauen Wolken sind nochKein Grabtuch. Das LichtGeht durch mich hindurch,Als wäre ich transparentesGlas. Wenn wir die Abstände in einem AtomBetrachten, sind wir nurLeerer Raum – soWie eine gotische Kathedrale.Wir lesen den Stein wieUnsere Gesichter – aberVerstehen wir noch? WäreDas des EvangeliumsRead More
Buddha im Garten Eden Eine Rezension von Markus Pohlmeyer Aus der Fülle spannender und phantastischer Geschichten aus diesem Sammelband[1] – Was passiert z.B., wenn eine Horde durchgeknallter Roboter ein Hotel auf einem Uranus-Mond renovieren will? Oder wenn ein Roboter aus Liebe den Peiniger der geliebten Frau eliminiert? Wenn die Welt nur noch eine via KI geschlossene Schleife darstellt, deren Produkt und Produzent ein und dasselbe Ich ist? – also, aus der Fülle spannender und phantastischer Geschichten in diesem Sammelband möchte ich besonders zwei auswählen: I „Mission: Rettung der Menschheit“ von LiuRead More
Corona-Gedichte 4 (corona, lat.: Kranz, Zuhörer) 1Flut und Ebbe zerreibenDen MondWie einen KieselsteinIm Bach der Nacht Diese seltsame AffenhandDie den Stundenzeiger Der JahreszeitenDigitalisiert und berechnetWie viel Profit bestimmteWaffen denn brächten Die für ihre tödliche Siege sichKränze aufsetzt und sich Von einer Corona beklatschen lässtDie das HierZerstört um es in virtuellenParadiesen neu zu erlügenDie sich im Spiegel sieht und  Sich Sinn erbetteltVon ihren gespiegelten GötternOder sei es nur von einerNoch so bescheuertenVerschwörungstheorie. Flut und Ebbe zerreibenDen MondWie einen KieselsteinIm Bach der Nacht. 2„Lug und Trug!“Schimpft eine ElsterÜber uns Dädalus-Menschen.Doch sie selbst ist eine Meisterin desTäuschens. LauerndRead More

Posted On Oktober 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2020

Markus Pohlmeyer und die Super-Enten

Am Ende steht ein Neubeginn Vermischte Leseeindrücke von „Der neue Phantomias auf der Lauer„  „Der neue Phantomias auf der Lauer“ [1] zeigt eine Super-Ente am Rande ihrer Möglichkeiten: Phantomias/Donald Duck bekommt keinen Schlaf, wird ständig im Stich gelassen, muss gegen alles (Un)Mögliche kämpfen – und findet sich auch noch wieder in einem Krieg Außerirdischer, der in der Dinosaurierzeit seinen Anfang nahm. Und paradoxerweise muss er sich selbst bei einer Geiselnahme als Phantomias spielen. Dazu eine undurchsichtige Familiengeschichte. Warum das alles? Everett Ducklair, (genial, allmächtig, undurchsichtig, ambivalent, hat telepathische Fähigkeiten), der ehemalige BesitzerRead More
Wir gratulieren Markus Pohlmeyer zum 100sten Text für CM – neee, das ist falsch: Wir gratulieren uns, dass wir 100 Pohlmeyer-Texte bringen durften! Hundert Texte zwischen Antike und Donald Duck, 100 Texte über die Fundamente unserer Zivilisation. 100 Texte unterhaltsamer Gelehrsamkeit. 100 Texte zur Populären Kultur – und ja, auch Homers Epen sind Populäre Kultur, so wie Lucky Luke. Und der Schrank ist noch lange nicht leer, auch nach dem zweiten Hundert nicht. Aber ob wir dafür wieder acht Jahre brauchen? Müsste auch in fünf gehen …. In diesem Sinne:Read More
Corona-Gedichte 4 1…ist so still. Da!Mauersegler sirren,Rasende,Schwarze FunkenÜber rötlicheDächer hinweg. Stille. In purpurnenSchleiern wogtEin weißerMond vorbei.Alle Farben desSommers, desAbends: lila, Rosa, helles Blau,Dunkleres BlauKommen, schwinden.Der Mond Leuchtend: vonHier einGlühwürmchenIm Baum der Nacht.Aber auch Schatten,Kraternarben,Fossilien aus ZeitGravitationEnergieMasse. Sein Licht wandert,WandertDurch ein finsteresTal zu mir. MeineNeuronen übersetzen,Suchen Bilder, deuten:Die Nacht nahm fastAlles, alles. Jetzt bin ichAllein mit dem Mond. Es ist so still. Zerstörung machte ihn,Diese karge, ferne,Schönheit. Ein Flüstern,Ständig, stille Sätze,Traumartig,Reiht Kosmos An Kosmos, Dichten meine Seele,Sich auflösend, zuSammeln sich, Als wäre ich dort … 2Dichter, das bin ich also,Oder auch nicht.Werde es von TagRead More
Ein Essay von Markus Pohlmeyer „Pastewka“ begleitete mich mit Lachen nachdenklich durch die bisherige Corona-Krise. Die 8. Staffel führt den beliebten Komiker Bastian Pastewka in ungeahnt hohe Unbeliebtheitswerte der Öffentlichen Meinung. Interessant, wie oft die Darstellung von Pastewka-Begebenheiten in verschiedenen Medien einer ganz bestimmten, tendenziösen Interpretation unterliegt, die ich als Zuschauer so ganz anders gesehen habe und nur unter ‚dumm gelaufen‘ verbuchen würde. Trotzdem, auch Bastian ist ein Meister der Um-Interpretationen und des Ich-war’s-Nicht. Für ihn nimmt aber seine mediale Präsenz (bzw. besser: Repräsentation) eine Dynamik an, die er nichtRead More
Corona-Gedichte 3 IGestern zum Friseur. Beim Warten saß mein KörperSo, dass die vielen Spiegel vorUnd hinter mir meinen Rücken mich sehen ließen und wie ichEine Maske trage. Und das wiederum Zahllos gespiegelt. Und sah Mich gleichzeitig, wie ich michAlltäglich nie sehen kann. Und vervielfältigt durch OptikBilder auf Bilder In Bildern: Machen das nicht auch meine Gedichte mit meiner Seele?  IIIrgendwie fühle ich mich wie eine komplexe Gleichung:Irgendwie scheint alles imaginär und dazu seltsam real-reell.Ständig, stündlich sitze ich an Turing-Maschinen, die so tun, Als wären sie Menschen – und: oder als ob meinImaginäres Ich für sie ein Mensch wäre. Nun,Read More

Posted On August 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag August 2020

Bestie Mensch: Die TV-Serie „Spartacus“

Wieder eine von Menschen gemachte Hölle auf Erden Ein Essay von Markus Pohlmeyer Von schier unerträglicher Härte scheint mir die Serie „Spartacus“[1], die sich, trotz ihrer ästhetisierenden Darstellung von Gewalt, zu einem Plädoyer gegen Sklaverei entwickelt – von der ersten Folge an. Die geradezu zelebrierte Grausamkeit der Gladiatorenspiele wirkt wie ein Verfremdungseffekt, zeigt aber in den Arenen und auch in privaten Bereichen eine gesellschaftliche Enthemmung, die Sklaven nur noch als Dinge (lat. res) verwendet: als Arbeitskräfte, Tötungsmaschinen zur Unterhaltung, für sexuellen Missbrauch.  „Ursprünglich stammt die Zombievorstellung aus Haiti. Ein Zombie ist ein Sklave,Read More

Posted On August 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag August 2020

Wiederbegnung mit „Rom“

Die Würfel sind gefallen Ein Essay von Markus Pohlmeyer Vor kurzem fing ich an, nach Jahren ROM wiederzusehen.[1] Jetzt, im Abstand, fiel mir noch stärker die Fülle der Details auf. Und es war überhaupt nicht langweilig, das Ende der alten und freien Republik noch einmal aus dieser Perspektive zu betrachten, obwohl die historischen Ereignisse ja schon feststanden. Aber der Weg dahin bzw. wie ein möglicher Weg dahin erzählt wird, das macht ROM absolut ungewöhnlich. Ich werde hier vor allem nur mit dem arbeiten, auf welche Weise diese Serie den Übergang zum Cäsarentum/Kaisertum präsentiert undRead More

Posted On August 1, 2020By Markus PohlmeyerIn Crimemag, CrimeMag August 2020

Markus Pohlmeyer: „Ars poetica“

Dichten? Nein. Ja. Zu Ulla Hahn und Horaz. Achtung, Vorleser! Unbestreitbar von literaturtheoretischer Wichtigkeit und mit einer breiten Rezeption die Poetik des Aristoteles[1], aber die des römischen Dichters Horaz ist voller Witz, Ironie, charmanten Frechheiten – zum Schmunzeln, zum Genießen, viel zu lernen. Surreal und höchst selbstkritisch. Aber was ist das? „Was die eigentliche Originalität der Ars Poetica gegenüber den anderen antiken Poetiken ausmacht, ist die Übersetzung von Dichtungstheorie in praktizierte Dichtung […].“[2] (Gott bewahre, ein Literat schreibt schön und angenehm und in Versen über Literaturtheorie … heute undenkbar?) Oder ganz einfach: einRead More
Einsamkeit in Zeiten von Corona  (Inspiriert von einer Zeile bei Tomas Tranströmer) 1Vor Deiner Tür Schlange stehenAber unsichtbarBin ich habe Keinen KörperGleich dem Winde Nur ein Hauch Ich … ich weine, Du hörst es nicht. Zu viel Lärmen derAnderen Wartenden 2Das Glück, Vergessen zu werden,Dies Unglück. Die Gnade, Vergessen zu können. Der Schmerz,Vergessen zu haben. 3Dieser Schock, dass Wälder, Alleen, Seen,Meere und Wolken, SonnenuntergängeUnd Morgennebel, Schmetterlinge undNachtigallen die gleichen GefühleAuslösen wie Menschen. Dass ZahlenMein Universum beschreiben. 4Eine vollkommene Schönheit sehen …Und darüber nur ein unvollkommenesGedicht schreiben können. 5Selbst die Toten Vergaßen meiner:Wo gingt ihr hin?  Oft gehe ich allein über den Alten Friedhof. Als obRead More