Posted On November 26, 2007 By In Bücher, Litmag

Giacomo Cacciatore: Der Sohn

Das unsichtbare Böse Cacciatores Prosa ist von höchster Sinnlichkeit und steckt voller Gerüche, Bilder und unverbrauchter Metaphern. Es ist 1978, kurz vor der Fußball-WM im heruntergekommenen Palermo: Der zehnjährige Giovanni fährt mit seinem Vater durch die Viertel, besucht Geschäfte mit ihm und trifft seine Freunde in Cafés. Er träumt von dem gerade gesehenen Fernseher, der die Welt in Farben explodieren lässt. Kurze Zeit später steht ein solches Wunderding im Wohnzimmer der Familie – ohne Bezahlung. Der Vater, der Polizist, ist Mitglied der Familie und sein Wahlspruch lautet: „Wenn man dasRead More
Alles Aktion Mit Klagen und Jammern kann man die Welt nicht verbessern. Man benötigt dazu auch gut sortierte Adressenlisten wie sie vorbildlich in einem Handbuch von ‚Greenpeace’ präsentiert werden. Wichtigstes Utensil eines Klempners ist ein gut sortierter Handwerkskasten. Ein Politiker muß nicht immer mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen, aber er sollte es schon in seinem Büro stehen haben. Und wer sich in „NGO’s“, zu Deutsch, in ‚Nicht-Regierungs-Organisationen’ engagiert, sollte in Zukunft das „NGO-Handbuch“ von ‚Greenpeace“ stets in seiner Nähe haben. Zur Veränderung der Welt, so ein Credo allerRead More
Europäer, Weltbürger und ein Deutscher auf Widerruf Die Erinnerungen eines großen Hörfunkjournalisten an seinen Lehrer und Mentor Hans Mayer als ein Dokument einer im Verschwinden begriffenen deutschen Bildungswelt. Jüngst hat die Bayerische Akademie der Schönen Künste dem Schriftsteller Yves Bonnefoy und dem Übersetzer Friedhelm Kemp, zwei großen ‚Alten’ der deutschen wie der französischen Literatur, den „Horst-Bienek-Preis“ für Lyrik zuerkannt. Beide seien, so hieß es in der Begründung „Leuchttürme aus vom Verschwinden bedrohten Bildungswelten“. Auch der nüchtern aufgemachte Band mit Texten von Hanjo Kesting über den 2001 verstorbenen Germanisten Hans MayerRead More
Nur Lesen ist schöner Pierre Bayard gibt eine gelehrte Anleitung zum gelehrten Nichtlesen Erst einmal: Wer dieses Buch nicht oder nur flüchtig gelesen hat, kann absolut mitreden. Sofern er sich bereits in seinem Titel wiedererkennt. „Wie man über Bücher redet, die man nicht gelesen hat.“ Denn jedem Literaturinteressierten ist dieses Phänomen aus eigener Erfahrung bekannt. Schließlich ist die Zahl der Bücher, die man in seinem kurzen Leben wirklich lesen kann unendlich viel kleiner als das reichhaltige Angebot der Bibliotheken und Verlage. Und jeder Literaturliebhaber wünscht sich ja nichts sehnlicher, alsRead More
Komm ins Offene, Freund… Gegenwärtig ist das „68er-Bashing“ beliebt und verspricht große Auflagen. Der schmale Band „Brief an D.“ von Andrè Gorz ermutigt aber dazu, auch eine ganz andere Sichtweise auf die ‚sechziger Jahre’ des vergangenen Jahrhunderts zu werfen. Von Carl Wilhelm Macke Soll man diesen schmalen Band, der ohnehin schon als ‚Geheimtipp’ von Mund zu Mund, von Mailbox zu Mailbox gereicht wird, noch einmal besprechen? Soll man die Lektüre eines so intimen und bewegenden Dokuments des Abschieds anderen ans Herz liegen, wo sie es doch ohnehin schon gelesen oderRead More

Posted On November 7, 2007 By In Bücher, Litmag

E. L. Doctorow: Der Marsch

In seinem Roman Der Marsch zeichnet E. L. Doctorow ein komplexes Panorama des amerikanischen Bürgerkriegs, der eine neue nomadisierende Zivilisation hervorbrachte. Von Jörg AubergRead More
Weltbürger sein Sich dem Anderen und Fremden neugierig zu öffnen ist für Appiah nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern immer auch eine intellektuelle Herausforderung. Und es reicht ihm nicht, nur freundlich gegenüber den Armen in aller Welt zu sein. Als die Studenten in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts für das Proletariat und die Weltrevolution auf die Straßen gingen, wünschte sich ein Politikprofessor in Heidelberg nichts sehnlicher als ein Bürger zu sein. Es sei an der Zeit, so schrieb Dolf Sternberger damals, „den Begriff des Bürgers zu rehabilitieren, damit nämlich derRead More

Posted On Oktober 29, 2007 By In Bücher, Litmag

Don DeLillo: Falling Man

Postmoderner Chronist der Zeitenwende(n) Einen Roman über die tausendfach medial in das Bewusstsein eingebrannten Terroranschläge vom 9/11 zu schreiben, ist eine literarische Herausforderung mit vielen Fallstricken und Untiefen – Don DeLillo meistert sie in „Falling Man“ souverän und unterstreicht seine Vorrangstellung in der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Don DeLillo spürt in seinem Roman der durch die Terroranschläge eingeläuteten Zeitenwende nach und zeigt ihre traumatisierenden Auswirkungen auf den einzelnen Menschen, die Familie, die amerikanische Gesellschaft und die globalisierte Welt. Alles wird ab diesem zum Symbol gewordenen Datum an einem „Danach“ gemessen und zugleichRead More