Posted On Februar 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Nick McDonell: Zwölf

Drogen, Sex, Gewalt Still ist es um die jungen und jüngsten literarischen Wunderkinder geworden, mit denen sich die deutschen Verlage seit Benjamins Leberts „Crazy“ zu toppen versuchten. Neue Sensationsmeldungen kommen dagegen nun aus Amerika: So das Debut des 17jährigen Nick McDonell, das selbst die ehrwürdige New York Times als „so schnell wie Speed und so erbarmungslos wie Acid“ bejubelte. McDonell erzählt in „Zwölf“ von White Mike, einem jungen Drogendealer, der selber absolut clean ist und cool dem Nietzsche- Credo des „Amor fati“ folgt. Getrieben vom hektischen Rhythmus seiner Heimatstadt NewRead More
Die schwarze Materie der Gefühle Der junge Amerikaner Jonathan Safran Foer legt ein ebenso wagemutiges wie faszinierendes Debüt vor. Jonathan Safran Foer ist der Shooting-Star und der Hoffnungsträger der jungen amerikanischen Literatur: Annähernd 500.000 Dollar strich der 25jährige für sein in den USA schon 100.000 mal verkauftes Debut ein, das jetzt unter dem Titel „Alles ist erleuchtet“ auch auf Deutsch erschienen ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: „Alles ist erleuchtet“ ist ein verwegener, tief berührender und darüber hinaus auch erstaunlich weiser Roman. Er nimmt seinen Ausgang von einer Reise,Read More
Viel Lärm um nichts Völlig außer Acht lässt Pablo Tusset bei seinem wortreichen Bemühen, witzig und schockierend zu sein, den Spannungsaufbau seiner Geschichte. Pablo José Miralles, wegen seiner Körperfülle auch „Balu“ genannt, ist ein schlampiger Faulpelz mit steinreichen Eltern und einem rasend erfolgreichen Vorzeige-Bruder. Seine Zeit schlägt sich dieser Anti-Held von Pablo Tussets in Spanien sensationell erfolgreichen Debut-Roman mit nächtlichen Streifzügen durch Barcelona oder mit der Entwicklung einer fadenscheinigen „Theorie der Erfundenen Wirklichkeit“ um die Ohren. Als sein Bruder plötzlich spurlos verschwindet, versucht sich Pablo im Auftrag seiner Schwägerin alsRead More
Nihilistische Splitterbombe Wie ihr Leben sind Alina Vituchnowskajas Texte hoch energetisch, ungebändigt und mutwillig provozierend. Alina Vituchnowskaja ist eine schillernde Ikone der radikalen Moskauer Jugend und inszeniert ihr Leben als provokative Performance. Und wie das Leben der 29jährigen ist auch ihre Literatur – sie ist, wie es in einem frühen Manifest der russischen Futuristen heißt, eine schallende „Ohrfeige für den öffentlichen Geschmack.“ In den bruchstückhaften Gedichten, Prosa-Szenen, Tagebucheintragungen und Manifesten ihres Sammelbandes „Schwarze Ikone“ beschreit und beschreibt die 30jährige rücksichtslos eine postsowjetische Gesellschaft, in der das „schon immer geahnte Desaster“Read More
Ein deutsches Traumgespinst Georg Klein zeichnet in seinem neuen Erzählband mit schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum ein schillerndes Bild der Deutschen und des Deutschen. Georg Klein ist ganz ohne Zweifel einer der originellsten und stilistisch exquisitesten deutschen Gegenwartsschriftsteller: Unwiderstehlich zog er die Leser in „Libidissi“ und „Barbar Rosa“ unter dem Deckmantel des Agenten- bzw. Detektivromans in surreal verfremdete (Metropolen-) Landschaften, in denen es von grotesk-exzentrischen Charakteren und ungeheuerlichen Begebenheiten nur so wimmelte. Eben diese hohe schriftstellerische Kunst stellt der mit seiner Frau Katrin de Vries und zwei Kindern im windig-kargen Ostfriesland lebendeRead More

Posted On Februar 12, 2004 By In Bücher, Litmag

Stuart David: Wie Nalda sagt

Wunderbare Allegorie über das Glück „Wie Nalda sagt“ ist nicht nur die Geschichte eines liebenswerten Sonderlings, sondern auch eine großartige Allegorie über das Vertrauen und das Glück, das zum Greifen nah und doch so fern sein kann. Es gibt Bücher, die scheinbar unbeeindruckt von Zeit und Raum entstehen und dann fremd und faszinierend wie ein Edelstein aus fernen Welten in die Hände des Lesers fallen. So ein wunderbares Buch ist „Wie Nalda sagt“, das Debüt des jungen Briten Stuart David. Stuart David lässt seinen Protagonisten in direkter Ansprache des LesersRead More
Zwischen Avantgarde und Amor fou „Ein Tag mit Cravan ist wie ein Tauchbad in Säure“ – ohne Zweifel war Arthur Cravan einer der schillerndsten und faszinierendsten Gestalten der sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts formierenden Avantgardebewegungen: Der über 100 Kilogramm schwere 2 Meter-Mann war Poet, Box-Champion, Hochstapler, Herumtreiber und unwiderstehlicher Charmeur, dem die Frauen reihenweise verfielen – darunter auch die exzentrische englische Dichterin Mina Loy, die Cravan schließlich heiratet: „Ein Eintauchen ins Glück, wie es vollkommener nicht hätte sein können.“ In Form eines Briefromans zeichnet die junge irische Schriftstellerin AntoniaRead More
Wüste (Sprach-) Orgie Franzobel zeichnet in „Lusthaus“ bis zum parodistischen Salto Mortale ein bitterböses Panorama des „Menschlich Allzumenschlichen“. Dieses Buch ist ganz und gar unglaublich: Es ist in einem grandiosen Ausmaße monströs und morbid, wüst und wahnsinnig. Es ist ein wilder Rausch ohnegleichen, eine sinnliche Sprachorgie, ein barocker Bildertaumel, eine furiose Farce. Da reibt man sich die Augen, schüttelt den Kopf und kann es nicht fassen, zu welch obszönen Phantasmen, opulenten Bildern und magischen Metaphern das glühende Quecksilber der Sprache hier geronnen ist. Franzobel erweist sich einmal mehr als einRead More