Kolumnen und Themen Category

Posted On April 24, 2013By Frank GoehreIn Kolumnen und Themen, Litmag

Frank Göhre: Marrakesch (Teil 1)

Hotel Marrakesch Eine Zeitreise. Von Frank Göhre Es ist durchgehend geöffnet. In den frühen Morgenstunden haben allerdings nur die Orangensaftverkäufer zu tun. Ein großes Glas Saft kostet 4 Dirham, etwa 40 Cent. Danach kann man auf der Terrasse des Café de France Platz nehmen und Kaffee und Croissant ordern, le petit-dejeuner, auf dem „Logenplatz an Afrikas berühmtester Straßenbühne“. Der Blick auf den Djemma el Fna am Morgen. Hubert Fichte korrigiert sich: „Djemma el Fna heißt gar nicht Der Platz der Gehenkten. Djemma heißt Die Moschee, Die Versammlung. Also vielleicht DerRead More
Aleks Scholz ist Autor und Astronom. In seiner Kolumne „Lichtjahre später“ erklärt er regelmäßig alles, was wir über das Universum wissen müssen. Seit Januar 2013 befindet er sich auf einer Irrfahrt über den Nachthimmel. Heute: Nebeljäger. Die Nebel-Spinnerei Die nördliche Hemisphäre hat ein Problem: Es mangelt ihr an Nebeln. Sterne gibt es genug, Planeten auch, aber Nebel kann man lange suchen. Anzahl der Nebel, die mit bloßem Auge sichtbar sind: zwei. Andromeda und Orion, beides winzige Flecken, unscheinbare Features, die allenfalls als Accessoire in Mythen oder als Fußnote in wissenschaftlichenRead More
Citizen-Stranger in a Strange Land: On Being a Foreign Correspondent at Home  By Thomas Adcock NEW YORK, near America In days of yore, when people used stamps and stationery and fountain pens to communicate via public post, my dear friend Gisbert Haefs addressed letters to me in care of a place he christened “New York, near America.” He was confident that mail from Bonn would accordingly reach me, here in my ugly-beautiful city along the eastern coast of the United States. It always did. Thus did Herr Haefs, my comradeRead More
Rädchen in der Syntax Matthias Göritz Spiegelschlaf Vorgestellt von Martin Piekar Spiegelschlaf Doch wovon sprechen wir? Ohne dass du es merkst bist du ins Gehäuse der Syntax getaucht, kleines Rädchen nur, eine Feder, zu winzig Für handelsübliche Schrauben – Fühlst du’s? In einem Moment verlierst du die Sicherheit, im nächsten die Wurt, und dann, ganz am Ende, steckst du fest, nackt, oder besser: entkleidet. In Haut findest du dich im Spiegel wieder, dem altertümlichen Buch, mit dem einst Hexenprozesse, Völkermorde ganze Historien begannen. Spuck’s aus. Deine Worte versinken, dein MundRead More
Er könnte schon noch besser sein – Ein paar persönliche Anmerkungen zum Symposium „Krimis machen 1“. Von Ulrich Noller Autoren, Kritiker, Buchhändler, Literaturwissenschaftler, Lektoren, Verleger – gut hundert Krimimacher trafen sich am 12. und 13. April im Literaturforum des Berliner Brecht-Hauses zum Symposium „Krimis machen 1“, um über Gegenwart und Zukunft der Kriminalliteratur zu diskutieren. Ulrich Noller war dabei. Ein persönlicher Bericht. Alles gut, beim Krimi made in Germany. Das war so das Grundgefühl, mit dem man als Teilnehmer des Symposiums „Krimis machen 1“ am vergangenen Sonntag zurück nach Hause fuhr.Read More
Chee­rio! Darauf lohnt es sich anzustoßen. Mit „Dämmerung in Mac’s Place“ liegen nun alle vier McCorkle- und Padillo-Romane von Ross Thomas auf Deutsch vor, sorgfältig übersetzt und vor allem vollständig, bei der Editionsvergangenheit der früheren Ausgaben bei Ullstein ein leider notwendiger Hinweis. Der inzwischen zwölfte Band der Maßstäbe setzenden Ross-Thomas-Edition im Alexander Verlag Berlin ist einmal mehr ein Grund, sich vor Verleger und Herausgeber Alexander Wewerka zu verneigen. Nach dem Trio der Artie-Wu-und-Quincy-Durant-Fälle nun also ein vollendetes Quartett – wenn das kein Anlass für eine Lokalrunde ist. Am Tresen u.Read More
Einer der Presseleute bei Blanvalet/Limes/Penhaligon/Social Media etc. ist beim CULTurMAG, wenn überhaupt, eher durch nicht weiter bemerkenswert schlechtes Benehmen aufgefallen. Jetzt hat Sebastian Rothfuss allerdings unter Bloggern eine Debatte losgetreten. Zoë Beck hat sich seinen Leitfaden für Blogger genauer angeschaut und findet: Sollte man drüber reden … „Schicken Sie mir ein Buch, ich bin Blogger.“ Letztens gab es ein wenig Ratlosigkeit, weil Sebastian Rothfuss, der bei Random House u. a. für Blanvalet die Pressevertreter betreut und sich um den Bereich Social Media kümmert, einen Leitfaden für Blogger herausgegeben hat. „Einschüchternd“,Read More
Lesen Sie heute den zweiten Teil (zu Teil 1) von Thomas Adcocks Reflexionen über die Hinrichtungspraxis in den USA – und dazu ein kleines, korrektes Narrativ: Der Fall von Joseph Amrine! Execution, American-Style ‘Tectonic Shift’ in Execution Policy By Thomas Adcock By October 2009, the frequency of death sentences began a clear plunging trend, even in the execution-friendly South. That month as well, the American Law Institute disavowed its fifty-year-old policy framework addressing executions—the Model Penal Code of 1962. The policy was deemed a failure “in light of the currentRead More
Faszination des Schreckens – Der „Dark Tourism“ wird immer populärer – aber auch schriller. Zahlreiche wissenschaftliche Studien und Reportagen wurden dazu veröffentlicht. Zeit für eine Bestandsaufnahme, findet Peter Münder. Mit den üblichen von Millionen Touristen besuchten Reisezielen wie Venedig, Paris, Neuschwanstein oder Disneyland hat der britische TV-Komiker Dom Joly, der seine Kindheit im zerbombten Libanon verbracht hat, nichts am Hut. Er reise lieber abseits ausgetretener Pfade dorthin, wo es weder Starbucks-Filialen noch MacDonalds gebe, erklärt er im Nachwort zu seinem 2010 erschienenen scharfsinnig-satirischen Reportageband „The Dark Tourist“. Also besichtigte erRead More
Wie die repressive Toleranz das Kabarett lächerlich macht – Seit geraumer Zeit bemerke ich bei mir einen wachsenden Widerwillen gegen das kabarettistisch-satirische Gewese im deutschen Fernsehen. Immer öfter bleibt ein fader Nachgeschmack zurück, nachdem man sich von „Neues aus der Anstalt“, „Mitternachtsspitzen“ & den zahllosen anderen kabarettistischen Veranstaltungen gleichen oder ähnlichen Typs zum (Ver)Lachen der laufenden politischen Ereignisse & ihrer Protagonisten hat animieren & traktieren lassen. (Manchmal hat es den Anschein, als bestehe das TV-Programm der Öffentlich-Rechtlichen nur noch aus Krimi-Tatorten & Kabarettsendungen). Von Wolfram Schütte Besonders das Bayerische FernsehenRead More
Einer der eher unangenehmen Aspekte der USA ist die Neigung, Leute hinzurichten. Unser USA-Korrespondent Thomas Adcock beschäftigt sich im Zuge seiner präzisen USA-Analysen heute und in der nächsten CrimeMag-Ausgabe mit dieser Art staatlicher Gewalt – historisch, aktuell und im internationalen Kontext. Execution, American-Style How the Government Commits Pre-Meditated Homicide By Thomas Adcock THACA, N.Y. The American experience in capital punishment is a kaleidoscope of legislative vogue, adaptive judicial wisdom, religion (stern and merciful), political passion and race—played out against the backdrop of “evolving standards of decency,” a debatable progressive impulseRead More
Was für ein kolossaler Kerl! Ein offener Brief an den Chefredakteur des deutschen „Lettre International“. Von Wolfram Schütte Lieber Frank Berberich, was kann man denn noch machen – nachdem Ihnen Arno Widmann eben via „Berliner Zeitung“/FR (27.3.13) in seinem öffentlichen Liebesbrief schon alles gesagt hat, was einem selbst als „Lettre“-Abonnent (ab ovo) auf der Zunge liegt? Nach 100 Ausgaben in 25 Jahren, von denen man keine als Leser mit roten Ohren, entzündeten Augen & elektrisierten Nerven (ob der Vielfalt der Themen, dem Reichtum literarischer Formen & der schieren Masse desRead More

Posted On April 3, 2013By Joe Paul KrollIn Kolumnen und Themen, Litmag

Essay: Joe Paul Kroll auf Spurensuche

Friede den Hütten, Krieg den Konsumpalästen: Der Kaufhausbrand als politisches Symbol – Am 2. April 1968 legten Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein Brände in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Diese Brandanschläge gelten als Gründungsakt des bundesdeutschen Terrorismus. Nach Vorläufern und Spuren in Kunst, Literatur und politischem Aktivismus fragt Joe Paul Kroll. „Spezifica des Warenhauses: die Kunden fühlen sich als Masse; sie werden mit dem Warenlager konfrontiert; sie übersehen alle Stockwerke mit einem Blick; sie zahlen feste Preise; sie können ‚umtauschen‘.“[1] I. Das Kaufhaus ist ein zentraler, symbolträchtiger OrtRead More
Für ein neues Romanprojekt ist der südafrikanische Autor Andrew Brown im Süd-Sudan unterwegs. Für CrimeMag hat er zwei Miniaturen aus dem tödlichen Wahnsinn geschrieben, deren zweiten Teil wir Ihnen heute präsentieren, hier gehts zu Teil 1. Malakai Transition Camp It is not an unusual story in South Sudan. Francis tells me that when he was eight years old, the Sudan People’s Liberation Army (SPLA) abducted him together with many of his class-mates from school. An early morning ambush captured many young boys as they entered the school grounds, and withinRead More

Posted On März 30, 2013By Christopher G. MooreIn Crimemag, Kolumnen und Themen

Christopher G. Moore: Views from Bangkok

Manchmal ist es nützlich, einen lakonischen Reality-Check zu machen, um Literatur und Wirklichkeit sinnvoll sortieren zu können. Christopher G. Moore über einschlägige Fakten: The Rate of Murder You’ve decided to write that crime novel. The one book once released into the world will liberate you from the day job, put you on Charlie Rose, the NYT bestseller list, interviewed by the Wall Street Journal and the Financial Times, and stacks of invitations to the best parties in New York, London and Paris. You’ve heard that international settings are in vogueRead More
Vom „Übermut der Ämter“ (Hamlet) – Die fatale & fortgesetzte Arroganz des Münchner Oberlandesgerichts. Von Wolfram Schütte Wenn es bloß lächerlich & borniert wäre, könnte man von einem Schildbürgerstreich oder einem wiehernden Amtsschimmel reden – wenn nun das Münchner Oberlandesgericht für den Prozess gegen das NSU-Mitglied Beate Zschäpe die zur Verfügung stehenden Presseplätze strickt nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben hat & gar nichts dabei findet, dass keine türkische Zeitung einen Platz abbekommen hat – obwohl acht der mutmaßlich zehn von den Neonazis Ermordeten aus türkischen FamilienRead More
Aleks Scholz ist Autor und Astronom. In seiner Kolumne „Lichtjahre später“ erklärt er regelmäßig alles, was wir über das Universum wissen müssen. Seit Januar 2013 befindet er sich auf einer Irrfahrt über den Nachthimmel. Heute: die Präsepe-Geschichte. Das Bienenstock-Narrativ Der Himmel ist ein Meta-Hologramm: Ein Bild, das je nachdem, durch welche Brille man es anschaut, neue Dimensionen zeigt. Betrachtet man den Himmel mit Hilfe von großen Teleskopen und Präzisionsinstrumenten, dann entsteht aus der zweidimensionalen Sphäre das dreidimensionale Universum. Verwendet man eine Infrarotkamera, dann kommen Wolken zum Vorschein, die nur wenigeRead More
Für ein neues Romanprojekt ist der südafrikanische Autor Andrew Brown im Süd-Sudan unterwegs. Für CrimeMag hat er zwei Miniaturen aus dem tödlichen Wahnsinn geschrieben, die wir Ihnen heute und nächste Woche präsentieren … A layer of AK-47 “I’m pushing on with this thing that people call life.” Aisha says it with a smile, a flash of white teeth showing before she takes a generous gulp of her beer. She has a turn of phrase that can wrench your heart from your chest. We are sitting at the Bedouin Bar inRead More
Der Unvergleichliche Ein paar (persönliche) Jean-Paul-Notizen zu seinem 250. Geburtstag am 21. März. Von Wolfram Schütte 1. Der erste Exzerptenband ist dem 15-jährigen (Jean Paul) so wichtig, dass er einen Schreiber aus Schwarzenbach namens Wolfram beauftragt, den Titel „Verschiedenes aus den neuesten Schriften, Erster Band. Schwarzenbach an der Saale – 1788“ in Schönschrift auf den Umschlag zu schreiben. (Pfotenhauer: „Jean Paul“, München 2013, S. 34) * 2. Jedes Buch, das etwas taugt, spielt mit seinem Leser (TWA) „Es war im Jahr 1763, wo der Hubertsburger Friede zur Welt kam undRead More
Am Mittwoch hatte sich unser USA-Korrespondent Thomas Adcock mit den selbstmörderischen Aspekten von Dummheit unter den Republikanern beschäftigt. Heute liefert er ein paar Beispiele – wanted! – die dümmsten Kongressabgeordneten: The 10 Dumbest Members of the U.S. Congress … and a (very) few of the hundreds of stupid things they’ve said by Thomas Adcock VIRGINIA FOXX — North Carolina Rep. Foxx was unmoved by the 1998 murder of University of Wyoming student Matthew Shepard, who was tortured, pistol-whipped, and nailed to a fence post to die—because he was gay, accordingRead More

Posted On März 16, 2013By Christopher G. MooreIn Crimemag, Kolumnen und Themen

Christopher G. Moore: Views from Bangkok

Seit einigen Wochen beschäftigt sich Christopher G. Moore mit Affekten und ihren gewalttätigen Folgen. Auch heute geht es um „anger & crime“. Anger and the medical solution As a crime fiction writer, anger is an emotion that figures into the emotions of the characters in a narrative where people are threatened, intimidated, disrespected, frustrated, or their worldview/belief system is attacked or challenged. Anger is on the A-list of negative emotions. If anger were an actor, he would never be out of work. Drama is basically what authors and film directorsRead More
  ELEPHANT GRAVEYARDS: The Caucus Room restaurant in Washington [photo at left, from fall 2012] was once popular with leaders of the Republican Party, affectionately symbolized by the elephant in nineteenth-century newspaper illustrations drawn by German-born political cartoonist Thomas Nast. Not far from the restaurant—in the rotunda of the Smithsonian Museum of Natural History—is a work of taxidermy popular with Republican tourists: a huge armature of wood and metal lathe, stuffed with clay and girdled in the two-ton hide of a dead male African rogue elephant. Suicide by Stupidity: HowRead More

Posted On März 9, 2013By Christopher G. MooreIn Crimemag, Kolumnen und Themen

Christopher G. Moore: Views from Bangkok

Christopher G. Moore über den Zusammenhang zwischen Wut und Verbrechen – in Thailand und überall auf der Welt … Anger fueled Crime I am trying to make sense of an impression that Thais are becoming angrier, and with more violent results than a quarter of a century ago. Stories in the news, from first hand observations and from friends can distort reality. What I have confidence in is the idea that levels of anger correlate with crime. Anger rarely brings out the best in us; quite the opposite, it isRead More
Aleks Scholz ist Autor und Astronom. In seiner Kolumne „Lichtjahre später“ erklärt er regelmäßig alles, was wir über das Universum wissen müssen. Seit Januar 2013 befindet er sich auf einer Irrfahrt über den Nachthimmel. Heute gehts Richtung Osten. Die Milchstraßen-Reconaissance Allmählich verlassen wir Orion, die blinkende Monsterstadt am Winterhimmel. Wir bewegen uns in Richtung Osten. Das nächste Ziel ist das Sternbild Krebs, eine unscheinbare Ansammlung von Sternen am Frühlingshimmel. In der Mitte des Krebses steht Präsepe, die Krippe, der Bienenstock, ein Sternhaufen, nur halb so weit von uns entfernt wieRead More
Verhaltene Begleitmusik zu einem Rettungsszenario – Klinische Euphorie nach der Hochzeit der FAZ mit der FR: Ein Kommentar von Wolfram Schütte. Schon immer, seit ich ihn zum ersten Mal vor mehr als 50 Jahren gehört hatte, hat mich der O`Neill-Titel „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ fasziniert. In den letzten Jahren schien es mir, als sei die tief melancholische Beschreibung eines absehbaren Endes die Zustandsbeschreibung des Weges, den die „Frankfurter Rundschau“ seit Beginn des neuen Jahrtausends genommen hatte, in denen erst die SPD-Holding DDVG allein, dann zusammen mit derRead More
1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang: Ab Juni erscheint bei CULTurMAG wöchentlich für ein Jahr Michael Zellers SEH-REISE in zweiundfünfzig Ausfahrten, ein „Tagebuch in Bildern”: Betrachtungen zu Kunst und Leben, von den ägyptischen Pharaonen über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute: Alexej von Jawlenski: Große Meditation V. (Alle Folgen hier). Einunddreißigste Ausfahrt Bei diesem Bild, der „Großen Meditation V“ des Alexej von Jawlenski, stößt mein ästhetisches Sehen an seine Grenze. Ohne das, was ich über die Umstände seiner Entstehung weiß, bliebeRead More