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Posted On August 16, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Marisa Madieri: Wassergrün

Grenzgebiet Eine Erinnerung an die Kindheit und das Leben in der verworrenen Grenzregion im äußersten Nordosten Italiens und Nordwestens von Kroatien. Marisa Madieri zeigt uns am Beispiel ihrer eigenen Familiengeschichte, wie fragwürdig eindeutige nationale Zuordnungen von Menschen sind, die Opfer von politischen Neuordnungen in traditionellen Grenzgebieten werden. Auf den ersten Blick könnte man „Wassergrün“ schnell in das Genre derjenigen Bücher einordnen, die von Schriftstellerinnen über ihre Kindheit an der Schwelle des eigenen Älterwerdens geschrieben werden. Das Buch wimmelt von Verwandten ersten und zweiten Grades, von ‚Wahlverwandten‘ und Freunden, mit denenRead More

Posted On August 1, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Porträts / Interviews

Predrag Matvejevic im Porträt

Ein Liebhaber des Mittelmeeres Geboren wurde er im bosnischen Mostar. Seine Mutter war Kroatin, sein Vater Ukrainer. Viele Jahre hat er in Paris slawische Literatur gelehrt, heute lebt er als italienischer Staatsbürger in Rom. Seine Heimat ist das Mittelmeer, und an dessen Ufern fühlt er sich zu Hause. Vielleicht liegt es an der geographischen Ferne zum mediterranen Raum, dass Predrag Matvejevic‘ im deutschen Sprachraum noch weitgehend unbekannt ist. Die zwei einzigen ins Deutsche übersetzten Bücher sind inzwischen nur noch antiquarisch zu erwerben. Das Mittelmeer ist verführerisch. „Wenn wir von menschlicherRead More

Posted On August 1, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Rettet die Körpersprache!

Von Carl Wilhelm Macke In einem Wartesaal des Hauptbahnhofes in Neapel. Der Zug Richtung Rom, nach Bologna, nach München, fährt erst in zwei Stunden. Draußen geht wieder einer jener Sturzbäche nieder, die auch im Sommer nicht untypisch sind für diese am Meer entlang wuchernde Hafenstadt. Einen kurzen Ausflug in das Zentrum von Neapel, in die verwinkelten Gassen der „Bassi“, über die der jenseits Italiens fast schon vergessene Eduardo de Filippo seine farbigen Volksstücke schrieb und einige der schönsten Filme mit Totò spielen, mehr lässt der prasselnde Regen nicht zu. AlsoRead More

Posted On Juli 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

M. Cassini (Hg.): Auf der Suche nach Amerika

Die neue Generation Quer durch Amerikas (Seelen-)Landschaften führen uns 19 starke Short Stories einer neuen Generation amerikanischer Schriftsteller. Mit Jeffrey Eugenides, Jonathan Safran Foer oder David Foster Wallace sind große Namen ebenso dabei wie neu zu entdeckende, z. B. George Saunders, Judy Budnitz oder Amanda Davies. Der Sound der Stories, die in New York, in den einsamen Weiten des mittleren Westens, in heruntergekommenen Vorortgegenden Floridas oder ortlosen „überdachten Einkaufszentren“ spielen, ist von leichter Lethargie und Melancholie gezeichnet. Es scheint etwas unwiderruflich verloren im Leben dieser Generation: die Seele, der SinnRead More

Posted On Juli 7, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

P. Flores dArcais: Die Demokratie beim Wort nehmen

Demokratie? Nein, danke. Man muss schon auf beiden Ohren taub und blind sein, um das verbreitete Desinteresse an der politischen Demokratie nicht wahrzunehmen. Die Zahl der Nicht-Wähler steigt von Wahl zu Wahl. Der Verdruss über ‚die da oben‘ und ihre ‚Diäten‘ ist riesig. Der Glaube, dass man mit den langsamen demokratischen Entscheidungsprozessen die wirtschaftliche Krise bewältigen, die Arbeitslosigkeit abbauen, die Umweltverschmutzung verringern, die Renten sichern kann usw. usw. schwindet mit jeder Legislaturperiode. Zwar sind es – noch – nur wenige, die ihre Hoffnung auf einen ‚Führer‘, wenigstens einen ‚starken Mann‘Read More

Posted On Mai 29, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Rujana Jeger: Darkroom

Ein Leben in Splittern Rujana Jeger seziert das traurige Lebensgefühl einer von Krieg und Umbrüchen geschüttelten „Generation X“ auf poetische und obszöne Weise. „… Das Leben ist wie ein Darkroom, sagt Kristijan. Du weißt nie, wer dich wie fickt und wen du wie fickst. Aber es ist zu aufregend, als dass du einfach so rausgehen könntest.“ Auf der Folie des zerfallenen und vom Krebsgeschwür des Krieges durchzogenen Jugoslawiens setzt die 1968 in Zagreb geborene und heute in Wien lebende Rujana Jeger ein (ihr?) Leben aus kleinen Splittern, Szenen und FragmentenRead More

Posted On Mai 29, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Henry Miller: Frankreich. Land der Erinnerung

Beschwörende Hommage Mit seinem 1934 in Paris erschienenen und in Amerika lange Zeit indizierten Roman „Wendekreis des Krebses“ begründete Henry Miller seinen literarischen Ruhm. Ekstatisch, tabulos, intellektuell, obszön und poetisch erzählt der puritanisch erzogene Amerikaner hier von seinen glühenden Pariser Tagen und Nächten. In seinem neu übersetzten Erinnerungsbuch „Frankreich“ können wir ihn nun aus rein autobiographischer Perspektive noch einmal in diese bewegte und bewegende Zeit begleiten. Niedergeschrieben wurden diese Erinnerungen während des Zweiten Weltkriegs, quasi im amerikanischen „Exil“, denn „Frankreich war für mich Mutter, Geliebte, Heimat und Muse“ geworden, „eineRead More

Posted On Mai 29, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Der Schneider von Ferrara

Der Schneider von Ferrara Man achte immer mehr auf die kleinen Dinge, zum Beispiel auf einen Knopf. Ich suchte unlängst in Ferrara nach einem Schneider. Mit dem Fahrrad hin und her durch die Gassen des Centro Storico fahrend, fand ich endlich eine kleine Werkstatt in der Via Ripagrande. Ich fragte den Schneider, ob er an meiner Jacke eine kleine Reparatur vornehmen könne. Höflich, aber auch etwas geschäftsmäßig kühl, begann er sofort mit seiner Arbeit. Während er die Jacke in die Hand nahm, ließ ich meine Augen durch den kleinen RaumRead More

Posted On Mai 24, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Axel Marquardt: Rosebrock

Auf Odyssee im Bergischen Nachdem es lange, zumindest in Buchform, still war um den famosen Humoristen Axel Marquardt, dessen absurde Geschichten und Gedichte in den achtziger Jahren eine Heimat im Haffmans Verlag hatten, meldete er sich im vergangenen Jahr mit einem wundervoll leichten Sommerroman wieder auf der literarischen Bühne zurück. Anselm im Glück bot – ausgehend von einer düsteren Hafenspelunke in Hamburg – ein furioses Roadmovie voller Finten und Hakenschläge über Norditalien und Monte Carlo nach Sylt. Berthold Rosebrock, der titelgebende Held in Marquardts zweitem Roman, treibt sich in einemRead More

Posted On Mai 17, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Joachim Fest: Im Gegenlicht

Eine Welt von gestern So kritisch, oft auch pessimistisch das Buch von Joachim Fest über Italien ist, so veraltet viele seiner Beobachtungen in diesem Land sind – es nimmt einem nicht die Lust am Reisen. Auch deshalb lohnt es sich, „Im Gegenlicht“ zu lesen und nach Italien zu fahren. An Reiseführern durch der Deutschen angeblich beliebtestes Ferienland Italien mangelt es wahrlich nicht. Und darüberhinaus sind die Aufzeichnungen von Joachim Fest bereits vor gut zwei Jahrzehnten zum ersten Mal veröffentlicht worden. Aber trotzdem verdient es das Buch noch einmal besprochen zuRead More

Posted On Mai 17, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Minderheitensprachen

Feines Aroma des Besonderen Plädoyer zur Verteidigung der europäischen Sprachenvielfalt Wir kennen das: da sitzt man irgendwo, vielleicht an einem Urlaubsort, zusammen und will mit seinen unbekannten Nachbarn ein Gespräch beginnen. Er, der Herr zur Rechten, so stellt sich schnell heraus, ist ein Finne. Sie, die Dame zur Linken, stammt aus Spanien und wir, na ja, versuchen uns radebrechend in englischer Sprache mit den Nachbarn rechts und links zu verständigen. Man spricht über dies und das, das Wetter natürlich, über die Tour de France vielleicht, dass die Welt immer mehrRead More

Posted On Mai 12, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Das Gewissen ihrer Zeit

Qualitätsjournalismus In einer Anthologie werden große deutschsprachige Journalisten von Lessing bis Herbert Riehl-Heyse als Vorbilder für den heutigen Journalismus vorgestellt. „Der Journalist schreibt auf Wasser und ist flüchtig wie ein Schmetterling.“ Wenn dieser Satz, den der legendäre italienische Journalist Indro Montanelli immer gerne zu zitieren pflegte, uneingeschränkt richtig ist, dann könnte es eine Sammlung mit Porträts bedeutender Journalisten eigentlich nicht geben. Aber es gibt eben auch Publizisten, deren Lebenswerk einen Schmetterlingsflug überdauert und die nicht nur auf Wasser geschrieben haben. An sie will die Sammlung von Porträts erinnern, die ursprünglichRead More

Posted On Mai 12, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Fouad Allam: Der Islam in einer globalen Welt

Differenzierter soziologischer Ansatz Reaktionen ‚des Islam‘ auf die ökonomische und politische Neuordnung der Welt unter besonderer Berücksichtigung der Situation in den westeuropäischen Metropolen. Veröffentlichungen über den Islam in allen seinen Varianten haben derzeit Hochkonjunktur. Und wenn man sich die katastrophalen Folgen der vollkommen ignoranten Außen- und Militärpolitik der Bush-Regierung anschaut, ist das Interesse an fundierter Aufklärung über die ‚islamische Welt‘ auch sehr berechtigt. Vorherrschend sind dabei aber Untersuchungen über den ‚Islam als Weltreligion‘ oder einseitig über den ‚islamischen Fundamentalismus‘. Das Buch von Foud Allam aber wählt einen anderen, eher soziologischenRead More

Posted On Mai 10, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Dragan Velikic: Dossier Domaszewski

Die Häfen der Erinnerung Adam kehrt anlässlich eines Klassentreffens zurück in seine kroatische Heimatstadt Pula und wird mit der Lebensgeschichte eines Menschen konfrontiert, der zeitlebens imaginäre Häfen erbaute. Wie bei jeder Wiedersehensfeier einer alten Schulklasse wird auch Adam Vasic bei seiner Rückkehr in die Stadt seiner Schulzeit von alten Erinnerungen an Kindheit und Jugend geradezu überschwemmt. Vom Bahnhof herkommend eignet er sich die im „Speicher des Vergessens“ früher so vertraute Heimatstadt wieder an. Er blättert langsam „im Katalog seines eigenen Lebens“. Sein Vater, seine Mitschüler, seine ersten Lieben werden vorRead More

Posted On Mai 3, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen, Litmag

Partei der Schönheit

Der italienische Paradiesvogel Vittorio Sgarbi kämpft gegen die Hässlichkeit Ein Gesellschaftsspiel: man sitzt in einer Runde von Freunden italienischer Kultur. Isst eine gute Pasta, trinkt einen noch besseren Wein. Zwei, drei der neuesten Berlusconi-Witze werden erzählt. Die Stimmung lässt einen angenehmen Abend erwarten. Doch dann fällt vielleicht nur nebenbei der Name Vittorio Sgarbi und schon lodert das Feuer auf. Una vergogna, eine Schande wettert die eine Tisch-Fraktion. Immerhin, er versteht etwas von der Renaissance, hält die andere Fraktion dagegen. Keine Frage, der Mann polarisiert wie kaum ein zweiter in derRead More

Posted On Mai 3, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Marcus Jensen: Oberland

Kopflos vorwärts zurück Als Schelmenroman bezeichnet der Klappentext das neue Opus von Marcus Jensen und diese Einstufung ist ebenso passend wie völlig unzureichend. Jensens Erstling Red Rain aus dem Jahr 1999 konnte bereits begeistern als wortgewaltiger literarischer Amoklauf zur damals anstehenden Jahrtausendwende-Hysterie. Was er uns aber nun mit Oberland präsentiert, sprengt alle Erwartungen – und zum Teil auch Lesegewohnheiten. Zehn Jahre hat der 1967 geborene Autor an diesem Mammutwerk gebastelt und gefeilt, herausgekommen ist ein prächtiges Tryptichon über Leben und Tod ebenso wie eine Reise in die deutsche Befindlichkeit (undRead More

Posted On April 27, 2004By Jan KarstenIn Bücher, Litmag

Im Gespräch: Kay Sokolowsky über Harald Schmidt

CULTurMAG traf den Journalisten und „Schmidt-Experten“ Kay Sokolowsky und wollte wissen, ob wir in Zukunft auf den Fernseh-Künstler Harald Schmidt verzichten müssen oder ob wir ihn bald bei einem anderen Sender wiedersehen. Die überraschende Neuigkeit bot eine gute Gelegenheit nachzufragen, worin denn eigentlich die Methode von Schmidts genialer Satire besteht. Das Gespräch führte Jan Karsten. Über Harald Schmidt zu sprechen ist nicht leicht, weil der sich jeder Festlegung blitzgescheit entzieht. Über Harald Schmidt ein Buch zu schreiben ist noch viel schwieriger. Kay Sokolowsky hat es trotzdem getan. „Late Night SoloRead More

Posted On April 27, 2004By Jan KarstenIn Kolumnen und Themen, Litmag

William Gaddis im Porträt

A Vision Of Disorder „Zwei Krankenschwestern unterhalten sich. Sagt die eine: Schon gesehen? Der auf Zimmer dreizehn hat das Wort Rumbalotte auf seinem Johannes tätowiert. Sagt die andere: Quatsch Rumbalotte, es heißt Ruhm und Ehre der baltischen Flotte.“ (Aus: „The Recognitions) Ja, die Details des Lebens können einem schnell entgehen, ein jedes Ding hat viele Perspektiven. William Gaddis’ Romane zum Beispiel: Meisterwerke der Vielschichtigkeit, allesamt noch immer unterschätzte Meilensteine der amerikanischen Literatur. Allerdings hat er auch nur fünf Bücher geschrieben, sein letztes ist nun gerade auf Deutsch erschienen. Teil 1:Read More

Posted On April 26, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

dbc pierre: Jesus von Texas

„Ärger rockt, verdammt!“ Nach einem Leben, das sich selber schon wie ein Roman liest, legt der Amerikaner dbc pierre mit 42 Jahren ein adrenalinhaltiges Debut zwischen Pulp und Fiction vor, dass nicht nur wegen seiner Auszeichnung mit dem renommierten Booker-Price aufhorchen lässt. Zwanzig Jahre lang hat dbc pierre – ein Pseudonym für „Dirty but clean Peter“, wie der Klappentext uns verrät – „ein selbst zerstörerisches Leben jenseits aller Legalität“ geführt. Drogen- und spielsüchtig häufte er einen immensen Schuldenberg an, wurde angeschossen, verunglückte schwer mit dem Auto und versuchte sich erfolglosRead More

Posted On April 22, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Irvine Welsh: Klebstoff

Vital, vielstimmig und laut „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh entwirft das Gesellschaftspanorama eines schottischen Vorstadtghettos. Wer den schottischen Schriftsteller Irvine Welsh schon einmal live erlebt hat, der weiß: dieser kräftige, glatzköpfige Mann mit dem verschmitzten Grinsen ist kein Autor, der Bücher schreibt, um Botschaften zu verbreiten oder sich in Milieus reinrecherchiert, um gesellschaftspolitische Thesen zu illustrieren. Dieser Mann schreibt, um zu schreiben, aus Leidenschaft, um in seinen Texten zu leben und sein Leben in Sprache zu fassen. Wenn er vorliest, taucht er in seine Texte ein, so tief, dass er mit seinenRead More
Die spöttischen Heuchler Stellenweise gut – Frédéric Beigbeders Jugendroman. Wer „39,90“, Frédéric Beigbeders Feldzug gegen die Werbebranche, gelesen hat, kennt ihn schon. Wer nicht, wird ihn kennenlernen: Marc Marronnier, den koksenden Creative-Director, den versnobt-arroganten Erfolgsmenschen, „den Typen, der Sie von Sachen träumen lässt, die Sie nie haben werden: Immerblauer Himmel, nie flaue Frauen, perfektes Glück, photoshop-retuschiert, der heute die Modells castet, von denen Sie morgen einen Ständer kriegen.“ Steht er in „39,90“ bereits mitten im Leben (bzw. am Abgrund des Zynismus), bekommt er im gerade in Deutschland erschienenen „Memoiren einesRead More

Posted On April 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Amélie Nothomb: Metaphysik der Röhren

Wenn Babys sprechen könnten „Metaphysik der Röhren“ wird zu einer genussvollen Lektüre, sobald man die auf den ersten Seiten etwas mühsam entwickelte Grundidee geschluckt hat. Amélie Nothombs absurde „Autobiographie“ der frühsten Kindheit. Was denkt ein Kind in jener Phase des Lebens, an die man sich später nicht mehr erinnern kann? Wie erlernt ein Mensch die Sprache? Wie sieht sie aus, die Welt eines 0 bis 3-jährigen Kindes? Bestimmt nicht so, wie Amélie Nothomb, Meisterin der außergewöhnlichen Perspektive, sie in „Metaphysik der Röhren“ beschreibt. Denn diese fiktive „Autobiographie“ der Jahre NullRead More

Posted On April 19, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Scott Snyder: Happy Fish

Poesie des Absturzes Schön, traurig, komisch, zärtlich und brutal – die Stories des jungen Amerikaners Scott Snyder sind von funkelnden Gegensätzen durchzogen und schlagen den Leser in ihren eigenwilligen Bann. Lakonisch erzählt Scott Snyder in seinem bemerkenswerten Debut acht Geschichten von skurrilen Helden, die immer in Gefahr sind, sich zum Narren zu machen oder die Kontrolle zu verlieren. Sie sind geschlagen mit einer unglücklichen Liebe, haben den „Eindruck nicht an der richtigen Stelle zu sein“ und stehen immer etwas abseits des Erfolgs. Das Glück ist für sie nur ein vagesRead More

Posted On April 8, 2004By Jan KarstenIn Bücher, Litmag

Ray Loriga: Schlimmer gehts nicht

Auf der Höhe der Zeit, mit dem Sinn fürs Wesentliche Ray Lorigas Roman ist überraschend, plastisch und kraftvoll. „Man kann ja nicht sein ganzes Dasein damit verbringen, seiner Mutter keine Schwierigkeiten zu machen“ – und Elder Bastidas versucht das auch gar nicht. Die meisten Dinge sind ihm egal, den Rest hasst er und die wenigen Sachen, die er mag, sind Boxen, Fußball und Massenmörder. Er ist Mitte Zwanzig und erledigt – trotz guter Ausbildung auf teuren Schulen – Jobs, „die ein Stück Käse verrichten könnte ohne sich intellektuell zu verausgaben“.Read More

Posted On April 8, 2004By Jan KarstenIn Bücher, Litmag

Jean-Claude Izzo: Total Cheops

Leidenschaftliches Portrait der Stadt Marseille „In Marseille muss man sogar kämpfen um zu verlieren.“ Um so mehr, je weniger man zu verlieren hat. Manuel, Ugo, und Fabio haben nichts zu verlieren. Sie sind Einwandererkinder, unerwünscht im eigenen Land, aufgewachsen in einem Klima aus Gewalt, Unterdrückung und Armut. Sie prügeln sich, saufen, koksen, hören Musik und träumen von einer Zukunft, die sie nicht haben. Aber auch die schönste Freundschaft zerbricht einmal: Manuel und Ugo werden kriminell, der sensible Fabio wird ausgerechnet Polizist. Doch kein besonders guter. Mehr Sozialarbeiter als Law-and-order-Cop durchstreiftRead More

Posted On April 8, 2004By Jan KarstenIn Bücher, Litmag

Kevin Canty: Into The Great Wide Open

Geschliffener Erzählstil Ein sehr ambivalentes Lese-Erlebnis, bei dem man den lebendig gezeichneten Figuren zwar rasch nahe kommt, aber auch schon bald wieder enttäuscht wird – nicht zuletzt, weil zu wenig, eigentlich gar nichts, passiert. Und ohne Handlung bleibt nur das: Zwei leuchtende Charaktere in einem mittelmäßigen Roman. Kevin Cantys erster Erzählband hieß „A Stranger In This World“ und erschien in Deutschland als „Mondschein und Aspirin“. Cantys erster Roman heißt nach einem Tom Petty Song „Into The Great Wide Open“ und behält glücklicherweise diesen Titel. Wahrscheinlich hätte der Verlag ihn sonstRead More