Posted On Februar 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Weimarer Pop Wenn ein 22jähriger Debutant einen Berlin-Roman vorlegt, der schnell in die dritte Auflage geht und von den Großmeistern der Literaturkritik besprochen wird, dann riecht das verdächtig nach einem aktuellen popkulturellen Phänomen. Doch das dieses kein Markenzeichen allein unserer Zeit ist, zeigt das bereits 1930 erstmals erschienene „Fertig mit Berlin?“ von Peter de Mendelssohn – einen Autoren, den viele wohl eher noch als großen Zeitungsmann und als Thomas-Biograph denn als Schriftsteller kennen. Der jetzt im kleinen Elfenbein-Verlag neu aufgelegte Metropolen-Roman erzählt die Geschichte einer späten Jugend und gibt Einblick
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Wunderbare „short cuts“ Christina Chiu hat ihre short cuts mit traumwandlerischer Sicherheit und vielen Überraschungen komponiert und zieht den Leser tief in die Lebens- und Liebesgeschichten ihrer Protagonisten Christina Chiu könnte zu den aufregendsten Entdeckungen der noch jungen literarischen (Herbst-) Saison zählen: In ihrem Debut erzählt sie in elf kunstvoll miteinander verbundenen „short cuts“ aus dem Leben von drei chinesischen Familienclans, die zwischen Hong Kong und New York beheimatet sind – ihr Ton ist dabei ebenso melancholisch wie hochpoetisch: „Versprengte Wolken treiben dahin wie traurige Gefühle.“ Der Erzählkosmos der als
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Parforce-Ritt durch Amerikas (Alb-) Träume Rick Moodys Sammelband bietet einen grandiosen, äußerst abwechslungsreichen Parforce-Ritt durch das amerikanische Leben in all seinen bunten und öden Facetten Als Romancier ist Rick Moody ein Meister der Trostlosigkeit und durchmisst seine Sujets konsequent bis an die Grenzen des Erträglichen: So in „Ein amerikanisches Wochende“, wo er das erbarmungslose Porträt einer Mutter-Sohn-Beziehung zeichnet; und so auch in dem jetzt wieder neu aufgelegten Debut-Roman „Garden State“, in dem der 40jährige lakonisch vom ziellosen Leben einer jugendlichen Clique in einem tristen Vorort in New Jersey erzählt. In
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Grandioser Kunst-Krimi „Ungeheuer ist viel – doch nichts ungeheurer als der Abgrund, der das Gewesene vom Verstehen trennt“ Dieser dunkle Sinnspruch führt in das tiefe Zentrum eines ganz und gar außergewöhnlichen Kunst- und Kriminal-Romans, der in höchst raffinierter Komposition ein kulturgeschichtliches Panorama von der Frührenaissance bis zur Gegenwart spannt und dabei von der ersten bis zur letzten Seite bannt. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine spontane Wette des niedersächsischen Oberstudienrates Dr. phil. Wernfried Hübschmann mit der exzentrischen Musikwissenschaftlerin Antonietta Riccioli: Es geht darum, das verschollene Requiem Guillaume Dufays – eines der
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Heroische Ironie Auch wenn Großmeister Thomas Pynchon auf der Rückseite des Covers das Erzähltalent von Jim Knipfel in hohen Tönen lobt, sind die Aufzeichnungen aus dem Untergrund – der eigenen Seele, Amerikas – keine literarische Offenbarung „Sehen wir unserem Verhängnis lachend entgegen“ – unter dieser Maxime treibt Jim Knipfel wie ein gezündeter Knallfrosch durch das Leben und schöpft es konsequent bis zur selbstzerstörerischen Neige aus. Das Verhängnis trägt dabei den Namen „Retinitis pigmentosa“ und bewirkt, dass sich Jim Knipfels Netzhäute „wie zwei Alka Seltzer“ auflösen. Doch in dem selben Maße,
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Die Leere hinter den Bildern Michael Lindberg ist der posthumane Prototyp für das 21. Jahrhundert: Er ist Inhaber einer erfolgreichen Produktionsfirma am Hackeschen Markt in Berlin und hat sein Leben dank eines konsequenten Selbst-Managements fest im Griff. Vorbei sind die Utopien und Sinn-Debatten der 68er, entgegen Adornos Diktum geht es nun ganz genau darum „das richtige Leben im falschen“ zu führen: „Ich-Technologie, die Welt ist ein Bausatz, spielen wir Playmobil.“ Michael Lindberg ist der Protagonist von Norbert Krons Debut-Roman „Autopilot“. Lakonisch und mit einer feinen ironischen Grundierung führt uns der
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Ausbruch in den „Raum der Stille“ Tiefes, tranceartiges Glück und schwarze Melancholie wechseln sich auf dieser Reise ab Den Alltag hinter sich lassen, die Lasten der Zivilisation abwerfen und endlich wieder einmal zur Ruhe und zu sich selber kommen – wer träumte nicht davon? In ihrem neuen Buch präsentiert Sigrid Damm zusammen mit ihrem Sohn, dem Fotografen und Künstler Hamster Damm, die Ergebnisse eines exemplarischen Feldversuches: Sieben Tage wanderten beide unabhängig voneinander und autark durch die Einsamkeit Lapplands, durch einen schier unendlichen „Raum der Stille“. Die „Tage- und Nächtebücher aus
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Hoch konzentrierte Prosa-Montagen Ulrich Peltzer gilt seit seinem 1987 veröffentlichten Debut-Roman „Die Sünden der Faulheit“ als einer der vielversprechendsten und ambitioniertesten Autoren in der jungen deutschen Literaturszene. Doch auch nach zwei weiteren, von der Kritik gelobten Romanen und diversen Literaturpreisen ist er bis heute eher ein Geheimtipp geblieben – und das ist auch kein Wunder, denn der 1965 in Krefeld geborene und mit 18 Jahren nach Berlin übergesiedelte Autor serviert dem Leser kein leicht verdauliches Fast food mit künstlichen Geschmacksverstärkern, sondern kernige Kost, die gut gekaut und wohl verdaut sein
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In den Schluchten Istriens In Veit Heinichens fesselndem Debut „Gib jedem seinen eigenen Tod“ lachte noch die Sonne über Triest und mit seinem Comissario Laurenti tauchte der Leser tief ein in das mediterrane Azur von Himmel und Meer. Im zweiten Fall von Laurenti fegt nun die ungemütliche Bora Nera über Triest und bringt Schnee und Schafskälte. Doch nicht alleine das Wetter schlägt dem sympathischen Comissario schwer auf das Gemüt: Auch seine Frau hat ihn verlassen und sein Sohn Mario treibt sich in gefährlicher Gesellschaft herum – schlechte Vorzeichen für knisternde
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Packender Psycho-Schocker Für diesen neuen Thriller von Mo Hayder sollten Sie sich unbedingt zwei bis drei Tage frei nehmen – denn freiwillig legt man es kaum vorher aus der Hand, als bis die letzte der 500 eng beschriebenen Seiten atem- und fassungslos verschlungen ist. Dazwischen liegt ein packender Horrortrip, der mit einer nie nachlassenden, fast schmerzhaften Hochspannung in die dunkelsten Abgründe des menschlichen Seins führt. Mo Hayders Kriminal-Fall ist im Süden Londons angesiedelt, am Rande des Brockwell-Parks, in direkter Nachbarschaft zum Stadtteil Brixton. Hier wird die Familie Peaches in ihrem
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Auf dem Wellenkamm der Zeit In unserer schnelllebigen Zeit sind die Schreckens- und Untergangs-Szenarien zum Jahrtausendwechsel schon fast wieder vergessen. In seinem Roman „Desaster“ legt Bruno Richard nun einen apokalyptischen Remix dieser vorgeblichen Zeitenwende vor – mit rasanten Breaks und harten Schnitten vor der schillernden Kulisse Berlins trendig inszeniert. In einer Welt, die zwischen Wahn und Wirklichkeit changiert und wenig sichere Orientierung bietet, sieht sich auch Bruno Richard nicht veranlasst, dem Leser einen roten Faden an die Hand zu geben. In abrupten Szenenwechseln jagt er durch die kontrastreichen Stadtteile und
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Go East Der 1966 geborene Stephen Sullivan legt in seinen beiden Abenteuer-Novellen los wie die Feuerwehr und entzündet ein sprachgewaltiges Feuerwerk voller Witz, Trash und Philosophie. „Go West“ hieß das Credo der hoffnungsvollen Siedler zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Nordamerika. „Go East“ könnte das Credo einer Generation heißen, die im Stillstand der Postmoderne aufgewachsen und von einem „vagen Gefühl der Rastlosigkeit“ und der „reizbaren Ungeduld“ zum Aufbruch getrieben wird. Zwischen seinem Schulabschluss und dem Eintritt ins richtige Leben entschließt sich so auch der Ich-Erzähler in Stephen Sullivans beeindruckendem Prosa-Debüt
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Nachdenkliches Debüt Christof und Paul sind durch eine lange gemeinsame Kindheits- und Jugendzeit in einem kleinen Winzerdorf sowie ein tragisches Ereignis tief verbunden – nach Jahren, in denen sie sich aus den Augen verloren haben, treffen sie in Berlin wieder zusammen. In den Stunden diese Treffens, bei einem „großen Roten“ aus dem Weinkeller, lässt Markus Orths in seinem Roman-Debüt nun die Geschichte einer Freundschaft wieder auferstehen und leuchtet dabei die existentiellen Fragen von Sinn, Schuld und Liebe aus. Spröde und sperrig kommt Markus Orths Prosa zunächst daher und gleicht sich
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Literatur als Fokus der Existenz Ohne Zweifel zählt Franz Kafka zu den wichtigsten Vertretern der literarischen Moderne und unüberschaubar ist das Meer von Aufsätzen, Kommentaren und Monographien zu seinem Werk – vergebens suchte man aber erstaunlicherweise bisher eine fundierte deutschsprachige Biographie. Diese Lücke schließt nun der Literaturwissenschaftler und Autor Reiner Stach: Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erschien beim S. Fischer-Verlag der erste Teil einer auf drei Bände angelegten, voluminösen Kafka-Biographie. „Die Jahre der Entscheidungen“ lautet der Untertitel des ersten Bandes und Stach öffnet die biographische Blende im Jahre 1910 – zeitgleich
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Packendes Kino für den Kopf Kem Nunn sorgt für packendes Kino im Kopf: Mit wenigen Prosastrichen lässt er bildmächtige, uramerikanische Szenarios und Mythen auferstehen. In seinem im Original bereits 1984 erschienen Debut „Wellenjagd“ liegt so eine einsame, in der Hitze flimmernde Tankstelle in der Wüste, alte Männer nuckeln lethargisch an ihren Budweisern und ein Junge schraubt an seiner 36er Harley Knucklehead. Die Zeit steht still, die Sonne tanzt auf glänzendem Metall. Dann kommt ein Fremder. Er bringt eine Nachricht für den jungen Ike Tucker: Seiner Schwester, die das Wüstenkaff auf
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Ein Kanon im Remix Wir leben in einer unübersichtlichen Zeit, in der die Informationsfluten ständig weiter anschwellen und die letzten wegweisenden Leuchttürme schon längst versunken sind. Dankbar greifen wir daher nach Strohhalmen die ein wenig Halt und Orientierung zu bieten versprechen – und dementsprechend hat die Kanonbildung auch in der Belletristik wieder Konjunktur: Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki versammelt unter dem nicht unbescheidenen Titel „Der Kanon“ die Creme de la Creme der deutschen Romane von Goethe bis Musil und seine Kollege Joachim Kaiser stellt in seinem „Buch der 1000 Bücher“ Werke vor,
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Keine Hoffnung auf Erlösung Tim Staffels Romane kreisen ebenso manisch wie provokant um end- und eiszeitliche Gewalt- und Terror-Szenarien, die er mit einer tiefen Sehnsucht nach Liebe und Heimat kontrastiert. Nach der Apokalypse in „Terrordrom“ und dem Bürgerkriegs-Panorama in „Heimweh“ rücken in „Rauhfaser“ nun die (virtuellen) Medienwelten hart in den Erzähl-Vordergrund. Tim Staffels Ich-Erzähler Paul lebt mit der Lebensversicherung seiner früh verstorbenen Eltern in den Berliner Tag hinein und lässt sich über einen Beamer von „Achtunddreißig Programmen plus Premiere World“ tätowieren: In einer „Endlosschleife“ fressen sich Kosovo, Intifada, Neofaschisten und
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Packende Schöpfungskraft „Von mir ist nur der Blick auf die Dinge in diesem Buch“ – mit diesen Worten verblüfft Zsuzsa Bank all jene, die das Debut der 1965 geborenen Frankfurterin als „ungeheuer authentisch“ und als „wie wirklich erlebt“ gelesen und genossen haben. „Der Schwimmer“ heißt der Roman, für den die hoffnungsvolle Nachwuchsautorin den diesjährigen Aspekte-Literaturpreis verliehen bekommen und schon einige lobpreisende Besprechungen geerntet hat. Vor der Folie des Ungarn-Aufstandes 1956 erzählt Zsusza Bank in „Der Schwimmer“ von einer „Restfamilie“, die ohne ein Wort von der magnetisch vom Westen angezogenen Mutter
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Rosskur des Bösen Andrew Vachss weiß, wovon er schreibt: Der 1944 geborene Amerikaner hat Stationen als Sozialarbeiter, als Leiter eines Hochsicherheitsgefängnis für jugendliche Straftäter und als Jurist durchlaufen: Gewalt und Verbrechen stellten sein alltägliches Brot dar. In „Born Bad“ bietet uns Andrew Vachss so auch ein grelles Kaleidoskop des Bösen in all seinen Formen: Wir begegnen Massenmördern, Psychopathen, Spielern, Huren, korrupten Cops, Losern und Verdammten. In der titelgebenden Auftaktstory präsentiert Vachss das Psychogramm eines Massenmörders, der seinen Opfer – ausschließlich Frauen – das Herz herausschneidet. Die Ermittler arbeiten zusammen mit
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Achterbahnfahrt mit Leerlauf In den USA wird Jeffery Deaver schon seit Jahren als „Meister der Zeitbomben-Spannung“ gehandelt, der seine Plots gnadenlos mit überraschenden Wendungen und fulminantem Finale vorantreibt. Als Auftakt einer Reihe um seine junge Ermittlerin Rune ist jetzt auch der bereits 1989 entstandene Krimi „Manhattan Beat“ auf deutsch erschienen. Wie von Deaver nicht anders zu erwarten, setzt „Manhattan Beat“ ungemein packend ein: Aus der Innenperspektive führt er in einem Hotelzimmer den schwer bewachten Kronzeugen Gittleman vor Augen, der sich zum ersten Mal seit Monaten „in Sicherheit“ fühlt. Doch er
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Drogen, Sex, Gewalt Still ist es um die jungen und jüngsten literarischen Wunderkinder geworden, mit denen sich die deutschen Verlage seit Benjamins Leberts „Crazy“ zu toppen versuchten. Neue Sensationsmeldungen kommen dagegen nun aus Amerika: So das Debut des 17jährigen Nick McDonell, das selbst die ehrwürdige New York Times als „so schnell wie Speed und so erbarmungslos wie Acid“ bejubelte. McDonell erzählt in „Zwölf“ von White Mike, einem jungen Drogendealer, der selber absolut clean ist und cool dem Nietzsche- Credo des „Amor fati“ folgt. Getrieben vom hektischen Rhythmus seiner Heimatstadt New
Read More Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Die schwarze Materie der Gefühle Der junge Amerikaner Jonathan Safran Foer legt ein ebenso wagemutiges wie faszinierendes Debüt vor. Jonathan Safran Foer ist der Shooting-Star und der Hoffnungsträger der jungen amerikanischen Literatur: Annähernd 500.000 Dollar strich der 25jährige für sein in den USA schon 100.000 mal verkauftes Debut ein, das jetzt unter dem Titel „Alles ist erleuchtet“ auch auf Deutsch erschienen ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: „Alles ist erleuchtet“ ist ein verwegener, tief berührender und darüber hinaus auch erstaunlich weiser Roman. Er nimmt seinen Ausgang von einer Reise,
Read More Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher
Viel Lärm um nichts Völlig außer Acht lässt Pablo Tusset bei seinem wortreichen Bemühen, witzig und schockierend zu sein, den Spannungsaufbau seiner Geschichte. Pablo José Miralles, wegen seiner Körperfülle auch „Balu“ genannt, ist ein schlampiger Faulpelz mit steinreichen Eltern und einem rasend erfolgreichen Vorzeige-Bruder. Seine Zeit schlägt sich dieser Anti-Held von Pablo Tussets in Spanien sensationell erfolgreichen Debut-Roman mit nächtlichen Streifzügen durch Barcelona oder mit der Entwicklung einer fadenscheinigen „Theorie der Erfundenen Wirklichkeit“ um die Ohren. Als sein Bruder plötzlich spurlos verschwindet, versucht sich Pablo im Auftrag seiner Schwägerin als
Read More Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Nihilistische Splitterbombe Wie ihr Leben sind Alina Vituchnowskajas Texte hoch energetisch, ungebändigt und mutwillig provozierend. Alina Vituchnowskaja ist eine schillernde Ikone der radikalen Moskauer Jugend und inszeniert ihr Leben als provokative Performance. Und wie das Leben der 29jährigen ist auch ihre Literatur – sie ist, wie es in einem frühen Manifest der russischen Futuristen heißt, eine schallende „Ohrfeige für den öffentlichen Geschmack.“ In den bruchstückhaften Gedichten, Prosa-Szenen, Tagebucheintragungen und Manifesten ihres Sammelbandes „Schwarze Ikone“ beschreit und beschreibt die 30jährige rücksichtslos eine postsowjetische Gesellschaft, in der das „schon immer geahnte Desaster“
Read More Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Ein deutsches Traumgespinst Georg Klein zeichnet in seinem neuen Erzählband mit schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum ein schillerndes Bild der Deutschen und des Deutschen. Georg Klein ist ganz ohne Zweifel einer der originellsten und stilistisch exquisitesten deutschen Gegenwartsschriftsteller: Unwiderstehlich zog er die Leser in „Libidissi“ und „Barbar Rosa“ unter dem Deckmantel des Agenten- bzw. Detektivromans in surreal verfremdete (Metropolen-) Landschaften, in denen es von grotesk-exzentrischen Charakteren und ungeheuerlichen Begebenheiten nur so wimmelte. Eben diese hohe schriftstellerische Kunst stellt der mit seiner Frau Katrin de Vries und zwei Kindern im windig-kargen Ostfriesland lebende
Read More Posted On Februar 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Wunderbare Allegorie über das Glück „Wie Nalda sagt“ ist nicht nur die Geschichte eines liebenswerten Sonderlings, sondern auch eine großartige Allegorie über das Vertrauen und das Glück, das zum Greifen nah und doch so fern sein kann. Es gibt Bücher, die scheinbar unbeeindruckt von Zeit und Raum entstehen und dann fremd und faszinierend wie ein Edelstein aus fernen Welten in die Hände des Lesers fallen. So ein wunderbares Buch ist „Wie Nalda sagt“, das Debüt des jungen Briten Stuart David. Stuart David lässt seinen Protagonisten in direkter Ansprache des Lesers
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