Ehefrust und Liebeslust Tim Binding räsoniert in „Cliffhanger“ über fehlgeschlagene Beziehungen und Mordversuche. Die meisten Leser finden das Buch saukomisch. Viele Kritiker auch und der Verlag erst recht. Sie kriegen sich sogar kaum noch ein. Das ist Jörg von Bilavsky schlicht schleierhaft … Was tun, wenn die Ehefrau nervt? Scheiden, Schweigen oder Schubsen. Der 50-jährige Taxiunternehmer Al Greenwood entscheidet sich für Letzteres. Gelegenheit und Gegend sind günstig. Schließlich lebt er mit seiner Gattin in einem Haus direkt am Ärmelkanal. Genauer gesagt unweit einer abgrundtiefen Klippe, die zum Spazieren wie zum
Read More Alle kennen wir ihn, Paco Ignacio Taibo II und seine monumentalen Kriminalromane aus Mexiko. Einer seiner besten, "Vier Hände", erscheint jetzt in Spanien als Comic. Francisco J. Ortiz hat ihn gierig verschlungen. Die Rezension hat Doris Wieser aus dem Spanischen übersetzt.
Read More Posted On Januar 8, 2009By Tina ManskeIn Musikmag
Direkt aus dem Wunderland – Mia singt gerne und authentisch über Herzschmerz und Liebeskummer, findet dafür aber ganz neue Worte und Szenen. Von Tina Manske Mia Vigar bringt uns mit ihrem Debütalbum das erste fantastische Highlight dieses jungen Jahres. (Eine EP mit dem Namen „Nice Girls“ ist bereits im Jahr 2003 bei Twisted Nerve erschienen.) „True Adventures Happen Inside Your Head“ ist voller schräger Melodien, feenhafter Soundschleier, träumerischer Gitarren- und Keyboardsounds und wird getragen von Mias Stimme, die zwischen frecher Göre und elfenbeinweißer Prinzessin pendelt. Ihr eigenwilliger Sound hat ihr
Read More Fremdsprachige Buchtitel werden oft nicht übersetzt, sondern überdichtet. Hartleys Roman trat als "Der Zoll des Glücks" vor deutsche Leser, das war 1955 und wir lassen es lieber unkommentiert. Jetzt heißt die Neuausgabe wie das Original "The Go-Between", und mit Recht. Kein Begriff könnte plastischer ausdrücken, was der Protagonist Leo Colston tut: Er geht zwischen einem Mann und einer Frau hin und her. Von Gisela Trahms
Read More Der Wurstler Ist es der Hass auf Literatur oder auf das Leben, das einen Menschen zum Brandstifter werden lässt. Clarkes „Leitfaden zum Abfackeln von Schriftsteller-Residenzen“ weiß auf beides keine richtige Antwort. Von Jörg von Bilavsky Wenn der liebenswürdig schrullige, mitunter exzentrische Harry Rowohlt ein Buch übersetzt, dann muss es ein außergewöhnliches sein. Zumindest ein außergewöhnlich Schräges. Denken wir nur an die herrlich grotesken Werke Flann O’Briens, Robert Crumbs oder David Sedaris’, die der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt entdeckt und ins Deutsche übertragen hat. Brock Clarkes „Leitfaden“ ist vielleicht stilistisch
Read More Was haben wir uns schon geärgert – wenn irgendetwas einfach nicht stimmt, in Roman, Fernsehen, Hörspiel und Film! Pistolen als Revolver bezeichnet werden und umgekehrt oder jemand in Sekunden zu Tode gewürgt wird. Abhilfe schafft damit ab heute in unregelmäßiger Folge Christine Lehmann.
Read More 1942. Graf Dracula alias Vlad lebt. Oder so. Die Nazis sind entzückt, die Brits wollen auch profitieren und im Grunde ging es im Zweiten Weltkrieg nur um so etwas: Blut, Wölfe und geile Uniformen. Oder so. So könnte man zumindest den Comic "Ich bin Legion" verstehen. Muss man sogar, befürchtet Thomas Wörtche.
Read More Am 31.12. 2008 ist Donald E. Westlake in San Tancho (Mexico) gestorben. Er gehörte, wie Georges Simenon, zu der seltenen Spezies von Autoren, bei denen die erkleckliche Quantität der Produktion nicht automatisch zum Qualitätsverlust führt. Jan Christian Schmidt und Claus Kerkhoff haben ihn porträtiert.
Read More Thomas Kastura und Ulrich Noller sind sich zwischen den Jahren in die Haare geraten: über Kasturas neuen Roman "Das dunkle Erbe", übers Lokale im globalen Kontext, über Schriftstellerphrasen und Kritikerfloskeln, über junge wilde und gereift gesetzte Schreibweisen. Aufgezeichnet von Ulrich Noller .
Read More Posted On Januar 1, 2009By Tina ManskeIn Musikmag
Blues-, Folk- und Countryduo – Keine Minute, die man auf dieses Minialbum verwendet, ist verschwendet. Von Tina Manske ‚Zwischen den Jahren‘ hat man ja meist – entgegen aller Vorsätze – wenig Zeit, Musik zu hören – das weihnachtliche Festessen will verdaut sein, und die Silvesterfete wirft ihre Schatten voraus in Form von Uneinigkeit und Planungsnotständen. Doch all das ist ja jetzt vorbei und wir können uns langsam wieder an die großen Platten rantrauen. Langsam! Daher gibt es in dieser Woche als Tipp eine großartige EP von Isobel Campbell und Mark
Read More Letzte Woche hatte Ulrich Noller das neue Buch von Thomas Kastura, "Das dunkle Erbe", unter Beschuss genommen. Heute sind die Rollen anders verteilt, das Gespräch geht weiter. Aufgezeichnet von Ulrich Noller.
Read More Posted On Dezember 29, 2008By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Pletzinger packt seinen Roman voll mit Querverweisen (ohne ihn zu überfrachten) und nimmt alle erzählerischen Hürden mit Bravour. Von Frank Schorneck
Read More Dass heute gute Zeiten für Lyrik herrschen, weil gute Gedichte entstehen, wird oft und lobend anerkannt. Jedoch: „wir wollen weniger gepriesen und häufiger gelesen sein“, wünscht sich wohl mancher Autor (frei nach Lessing). Und nicht nur häufiger, sondern mit Genuss und innerem Gewinn – dies ist das Ziel der Reihe „Neuer Wort Schatz“, die jede Woche ein Gedicht vorstellt. Lesen Sie mit!
Read More Ulf Stolterfoht: lyrikbedarf 2: thesaurus (9). – Sieh mal, der Verschwindibus! Ein schwarz gekleidetes Männlein aus dem Stummfilm, blass und blasser und schließlich durchsichtig werdend, und dann ist er durch die Wand davon, man weiß nicht wie. Gruß und Kuss, Verschwindibus! Und das wars dann.
Read More Durchs Butzenfensterchen – So interessant die Geschichte Gsellmanns und seiner wundersamen Maschine auch ist, SO möchte man sie garantiert nicht erzählt bekommen, findet Tina Manske. Im Jahr 1958 fährt ein Bauer namens Franz Gsellmann aus der österreichischen Provinz nach Brüssel zur ersten Weltausstellung nach dem Krieg. Die Reise kostet den armen Mann drei Tage Zeit und eine Unmenge Geld, aber er muss sie antreten, denn in der Zeitung hat er das Bild des Wahrzeichens der Ausstellung gesehen: das Atomium. Seit diesem Zeitpunkt weiß er, dass das das Ding ist, nach
Read More „Hilfe! … Er bringt sie um..."
(Friedrich Ani: "Wer tötet, handelt", aus der Reihe „Der Seher“)
Read More Mord auf dem Mond, "Nachtkrater" von Christine Lehmann. Aha, Science Fiktion! Ach was, Krimi, ganz und gar klassisch und auch noch komisch. Glauben Sie nicht? Doch, doch … Ein Vorschlag von Thomas Wörtche
Read More Weihnachten ist das Fest der Liebe … auch im Tierreich. Oder nicht? Thomas Wörtche hat das Buch Im Fadenkreuz des Schützenfisches von Markus Bennemann studiert, das laut Untertitel über „Die raffiniertesten Morde im Tierreich“ unterrichtet. Ganz schlimm, die Viecher …
Read More Posted On Dezember 19, 2008By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Einen Tag in Moskau, der russischen Metropole, dem Moloch, in dem Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Einsamkeit so nahe beieinander liegen, schildert Jewgenij Grischkowez in seinem Debütroman, den Karsten Herrmann gelesen hat.
Read More Posted On Dezember 18, 2008By Thomas WoertcheIn Musikmag
Alles Cover-Versionen – im Jazz würde man sagen: Standards. Und an Standards erweist sich das Können und die Kunst von Musikern, die ihren Authentizitätsnachweis schon längst bei den Buchhaltern der Kritik hinterlegt haben. Von Thomas Wörtche
Read More Posted On Dezember 18, 2008By Tina ManskeIn Musikmag
Swing Royal im Admiralspalast – Sie sind alle drei noch Teenager und treten live zusammen mit ihren Eltern auf – ist das uncool oder was? Von wegen, meint Tina Manske. Guten Zeiten, die man vergangen wähnt, kann man entweder nachtrauern oder sie neu aufleben lassen. Letzteres macht die Veranstaltungsreihe „Swing Royal“ im Admiralspalast. Da sieht man plötzlich Pettycoats, weite Anzughosen, Cocktailkleider, Perlenketten und Haartollen en masse – selten fühlt man sich in Jeans und Pulli so miserabel angezogen wie hier. Von Pagenköpfen aus den 20er-Jahren bis hin zu Rockabillies, an
Read More Konstantin Ames: eune zîtung. – Es geht um Amerika, um den Kapitalismus, und auf sehr trickreiche Weise. Wie klingt denn „shington“? Nicht fast so koreanisch wie „Pjöngjang“? Und was macht das in Klammern eingeschobene, bestimmt nicht aus dem Zeitungstext stammende „fischtag“?
Read More Heftige Liebeserkrankung – Jochen Schmidt nimmt uns hautnah mit in Gefühlszustände, die wir alle kennen, und tritt dabei dem Klassiker unbelastet von zu viel Hintergrundwissen entgegen. Von Tina Manske Im Jahr 2006 unternahm Jochen Schmidt, bekannt insbesondere durch seine Tätigkeit bei der von ihm mitbegründeten Berliner Lesebühne („Chaussee der Enthusiasten“) das Experiment, täglich 20 Seiten der Recherche von Marcel Proust zu lesen und darüber zu schreiben, ganz so, als wäre er der erste Leser, also ohne Rückgriff auf irgendwelches Wissen aus der Sekundärliteratur. Daraus entstand zunächst ein Blog. In leicht
Read More Posted On Dezember 15, 2008By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik
Geschmack von Brot und Jenever Endlich liegt nun auch eine deutsche Übersetzung von Gedichten eines der derzeit wichtigsten Lyrikers der Niederlande vor. Von Carl Wilhelm Macke. Verwunderung und Erstaunen. Da liest man in einer neueren Geschichte der niederländischen Literatur, dass die Gedichte von Rutger Kopland bereits in fast alle Weltsprachen übersetzt worden seien. Nur im Deutschen, immerhin die Nachbarsprache der Niederländer, waren sie bislang noch nicht lesbar. Dank der nicht genug zu lobenden Edition Lyrik Kabinett bei Hanser unter der Federführung von Michael Krüger, Raoul Schrott und Ursula Haeusgen ist
Read More Der Roman enthält wenig narratologische Kniffe wie Perspektivenwechsel, Vor- und Rückblenden oder harte Schnitte. Braucht er auch nicht. Der Leser kann sich bei dem großteils chronologisch gestalteten Plot ganz auf Roseros wunderschöne Prosa einlassen, die Matthias Strobel überzeugend ins Deutsche übertragen hat.
Read More Ob etwas komisch oder bloß witzisch oder lustisch ist, das macht schon einen gewaltigen Unterschied, findet der Co-Gründer und Redakteur der Literaturzeitschrift Am Erker (www.am-erker.de) Joachim Feldmann.
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