Posted On Januar 18, 2012By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Am 2.2.12 steigt in Hamburg das Literaturfestival „Ham.Lit“, die dritte „Lange Nacht junger deutschsprachiger Literatur und Musik“– präsentiert u. a. von CULTurMAG. 15 Autorinnen und Autoren lesen parallel auf drei Bühnen, dazu gibt es zwei Konzerte. Wir stellen Ihnen in den kommenden Wochen einige der Mitwirkenden vor. Heute: Michael Weins (Das gesamte Lineup finden Sie hier). Mauern in den Köpfen – Heiner Boie hat Probleme mit Türen. Ungewöhnliche Probleme, die ihm den Verdacht nahe legen, dass bei ihm im Kopf etwas nicht stimmen könnte. „Lazyboy“ ist mit Sicherheit einer der
Read More Chronik eines unangekündigten Todes – Der 1981 geborene Kevin Power zertrümmert mit seinem furiosen Romandebüt jegliches Klischeebild der grünen Insel. „Die letzte Nacht des Sommers“ zeigt ein Irland fernab saftiger Kerrygold-Weiden und Tourismus-broschüren, blickt hinter die Fassade eines ritualisierten Trinkens, offenbart die Perspektivlosigkeit der Jugend und das Funktionieren alter Seilschaften des in der letzten Dekade wirtschaftlich boomenden Landes. Das Buch wäre uns beinahe durchgerutscht, aber was schert uns Aktualität … Frank Schorneck auf jeden Fall ist beeindruckt … Eskalation Ein junger Mann ist getötet worden in einer Sommernacht in Dublin
Read More Das Media-Markt-Paradies – Vor zwei Jahren meldete sich der Schweizer Autor Gion Mathias Cavelty, der Ende der 1990er Jahre in einer Romantrilogie die Literatur auf den Kopf stellte und schließlich radikal dazu aufforderte, endlich Nichtleser zu werden, nach neunjähriger Schreibpause mit einem furiosen Jenseitsroman zurück. Die „Andouillette“ war eine verquere Replik auf Dantes „Göttliche Komödie“, in der der Ich-Erzähler nach seinem Tod einige sehr merkwürdige Abenteuer zu bestehen hat und zu Erkenntnissen gelangt, gegen die Douglas Adams‘ Schaffungsmythen aus der Anhalter-Trilogie sich wie sachliche Reportagen lesen. „Die letztesten Dinge“ setzt
Read More Postkarten ohne Idyll – In Zeiten von Facebook mit einem „Postkartenroman“ zu debütieren, klingt ziemlich gewagt. Der 1977 geborene Marco Dzebro hat es geschafft, für solch ein anachronistisch klingendes Vorhaben einen Verlag zu finden: Den noch jungen Verlag Asphalt & Anders, der sich in der Eigendarstellung als „urban und rau“ beschreibt. Von Frank Schorneck. Als urban und rau ließe sich auch „Dorian“ charakterisieren, nur als Roman funktioniert dieses Buch überhaupt nicht. In einer Art Vorbemerkung wird den folgenden Texten eine fiktive Herausgeberschaft zugeordnet. Demnach habe der Autor Marco Dzebro in
Read More Von Melancholie durchwebt – Bislang ist die 1982 geborene Marie T. Martin in erster Linie mit extrem kurzen Texten in Erscheinung getreten. Sei es in Literaturzeitschriften wie Macondo, sei es mit den Kürzestgeschichten der wunderbar versponnenen Heftreihe „Die kleinen monochromen Freunde“, die sie gemeinsam mit der Illustratorin Ulrike Steinke bei Onkel & Onkel publiziert hat. Nun ist im poetenladen Verlag unter dem Titel „Luftpost“ ein Band mit einigen etwas längeren Geschichten erschienen, den Frank Schorneck genauer gelesen hat. Die Geschichten in „Luftpost“ haben es in sich: Marie T. Martin zeigt
Read More Der King lebt – Der zweite Roman der 1978 in Bochum geborenen Jana Scheerer hat ein Vermarktungsproblem: In einigen Buchhandlungen, u.a. bei einem großen Internet-Händler, wird „Mein innerer Elvis“ als Jugendbuch angeboten – dabei ist dieses turbulente literarische Road-Movie auch für Erwachsene eine ungemein witzige Unterhaltung. Die fünfzehnjährige Antje hört ausschließlich Musik von Elvis und ist überzeugt davon, dass ihr Idol noch lebt. Nicht nur deshalb ist sie eine Außenseiterin. Als ihre Familie eine USA-Reise unternimmt, hofft sie, ihren 16. Geburtstag in Graceland zu verbringen. Der Urlaub ist eine Qual,
Read More Liebe in Zeiten von Altersflecken – Das Debüt von Inger-Maria Mahlke erzählt eine der ungewöhnlichsten Beziehungsgeschichten der jüngeren Literatur; Frank Schorneck ist angetan. Der pensionierte Polizeibeamte Hermann Mildt nimmt widerwillig die in Not geratene Polin Jana Potulski für ein paar Tage bei sich auf. Sie hat ihn ein wenig überrumpelt, er will eigentlich seine Ruhe haben und ist extrem misstrauisch. Er glaubt kein Wort ihrer Geschichte, ist besessen von der ständigen Angst, von ihr ausgenutzt und ausgeraubt zu werden. Andererseits ist es auch nicht schlecht, eine Frau im Haus zu
Read More Alles Lüge! Mit Markus Berges wagt sich ein weiterer Sänger und Songwriter der deutschen Musikszene in die Welt der Literatur: Als Texter von Erdmöbel wird er auch von den Feuilletons geliebt, sein Umgang mit der deutschen Sprache, sein souveränes Einbinden auch sperriger Wörter in Songtexte werden allseits bewundert. Nun also ein Roman. Frank Schorneck ist mit em Ergebnis nicht vollkommen zufrieden. Dieser begleitet die 19-jährige Betti, die aus ihrem Heimatkaff in Westfalen aufbricht und zum ersten Mal allein verreist, um ihre langjährige Brieffreundin (der Roman spielt Anfang der 1990er-Jahre, als
Read More So was von geil – Wenn der Macher eines Hamburger Kult-Musikclubs einen Roman schreibt, in dessen Zentrum ein Hamburger Club-Betreiber steht, und wenn zudem der Roman mit viel Medienrummel auf den Markt geworfen wird, dann ist Skepsis angesagt. Ein Werbezitat von Udo Lindenberg lässt auch nicht wirklich Literatur zwischen den Buchdeckeln vermuten. Doch im Fall von Tino Hanekamp sollte man alle Vorbehalte über Bord werfen und sich hineinstürzen in das Partygetümmel eines Debüts, das an Rasanz seinesgleichen sucht. Der Erstling des Monats, vorgestellt von Frank Schorneck. Tino Hanekamp, 1979 in
Read More Posted On Februar 23, 2011By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Der Staub der Glasmurmeln – Allein für den Titel kann man das Debüt von Carolina Schutti lieben. Ihrem Roman stellt sie zwei Betrachtungen voran: Zum einen beschreibt sie, wie enttäuschend der Blick auf den feinen Staub von zertretenen Glasmurmeln sein kann, die das Geheimnis ihres Innenlebens nicht preisgeben; zum anderen beschreibt sie, dass, wer getragen wird, keine Glasmurmeln zertritt: „Wer getragen wird, hat einen Träger.“ Der Wunsch nach einem Träger, nach jemandem, der vor Verletzungen schützt und Verantwortung übernimmt, scheint auch Anna zu erfüllen. Nur scheinbar ist die 18-Jährige selbständig,
Read More Posted On Februar 9, 2011By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Echte Freunde – In ihrem Debüt „Durst ist schlimmer als Heimweh“ schilderte die aus Hamburg stammende Lucy Fricke die Verhältnisse in einer Jugendwohngruppe zwischen Drogenkonsum und sexuellem Missbrauch. Die Protagonisten ihres neuen Romans „Ich habe Freunde mitgebracht“ befinden sich in den Dreißigern, machen „was mit Medien“ und haben mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Dabei geht es ihnen aber nur vordergründig besser als den Jugendlichen von damals: Martha ist Radiomoderatorin bei einem Lokalsender und selbst, wenn sie von Entlassungen und Terroranschlägen berichtet, gibt es für den Comiczeichner Henning kaum etwas
Read More Posted On Februar 2, 2011By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Schulz hat den Blues – Mit der Hagener Trilogie hat der 1957 bei Stade geborene Hamburger Autor Frank Schulz ein Meisterwerk der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur geschaffen. Wie kaum ein anderer vermag er gesprochene Sprache in all ihren regionalen und emotionalen Nuancen in Lettern zu gießen, tiefgründigen Witz mit menschlicher Tragik zu verknüpfen und hunderte von Seiten ohne Längen zu füllen. Von Frank Schorneck Als die 1991 mit „Kolks blonde Bräute“ begonnene Trilogie 2006 mit „Das Ouzo-Orakel“ ihr Ende fand, stellte sich die Frage, wie Schulz an dieses furiose Großwerk anschließen
Read More Posted On Januar 19, 2011By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Wenn Sprache (aus)wandert – Die 1966 geborene Nina Jäckle hat sich in ihren bisherigen Romanen zu Recht den Ruf einer Autorin erworben, die ein besonders feines Gespür für Melodie und Rhythmus ihrer Prosa hat, die Möglichkeiten der Sprache auslotet, ohne dabei manieriert zu klingen. Frank Schorneck über zwei Bücher von Jäckle, die sich den üblichen Kategorien entziehen. Die Ich-Erzählerin im Roman „Sevilla“ hat es in ebenjene spanische Metropole verschlagen. Ihr früheres Leben, ihren Namen hat sie hinter sich gelassen. Zwei Tüten voller Geld sind alles, was an früher erinnert. Sie
Read More Posted On Dezember 15, 2010By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Am Ende der Worte liegt ein Haus am See – Der Calwer Hermann-Hesse-Preis, mit dem herausragende Literaturzeitschriften ausgezeichnet werden, wurde in diesem Jahr an den poet verliehen. Erwachsen ist das Magazin aus dem Internetprojekt poetenladen, das erst seit 2005 existiert, aber die Literaturszene ungemein bereichert hat. Neben dem Magazin bringt der poetenladen-Verlag nun auch vermehrt Einzeltitel auf den Markt. Das gute Gespür aus der Magazinarbeit stellt das Team um Andreas Heidtmann auch hier unter Beweis. Noch druckfrisch ist Katharina Hartwells Erzählband „Im Eisluftballon“. Katharina Hartwell, geboren 1984 in Köln, studiert
Read More Die Ton-Trägerin – Für ihren Auftritt anlässlich des Macondo-Festivals 2010 in Bochum hat die Buchpreisträgerin Melinda Nadj Abonji einen Ausschnitt aus ihrem Roman „Tauben fliegen auf“ gemeinsam mit dem Beatboxer Jurczok 1001 einstudiert. Der gleichmäßig schwingende Sprachfluss Abonjis wird zunächst dezent untermalt von Windhauch und fernem Eisenbahngeratter, auch die Violine unterstützt die Dramaturgie des Textes. Die Lesung wurde von Thomas Frank für den WDR mitgeschnitten; Macondo und CULTurMAG präsentieren exklusiv Auszüge aus der Veranstaltung. Melinda Nadj Abonji – Live (1) Während Deutschland sich angeblich abschafft, schafft die Schweiz demnächst aus,
Read More Posted On November 11, 2010By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Sascha Reh seziert in „Falscher Frühling“ eine Theaterfamilie. Frank Schorneck stellt Ihnen den gelungenen Debütroman vor.
Read More Was für eine Entdeckung! Die Kookbooks-Verlegerin Daniela Seel stellt wieder einmal ihr außerordentliches Gespür für neue literarische Stimmen unter Beweis und beschert uns mit dem Debüt der 1983 in Hannover geborenen Annika Scheffel einen der unkonventionellsten und überraschendsten Romane der letzten Zeit. Von Frank Schorneck
Read More Als Kristof Magnusson mit der Arbeit an seinem zweiten Roman begann, konnte er nicht ahnen, wie sehr er mit dem Thema den Nerv der Zeit treffen sollte. Von Frank Schorneck
Read More Für Herr Blanc wurde der 1978 in Winterthur geborene Roman Graf mit dem Studer/Ganz-Preis 2008 für das beste unveröffentlichte Prosadebüt ausgezeichnet – Frank Schorneck hat sich den Roman angeschaut.
Read More Oder: Ein Roman kann vieles sein. Oder: Trauen Sie nicht den Einordnungen, die die Verlage machen. Selber lesen macht klug, schon gar im Falle von Nathan Englander. Frank Schorneck erklärt, warum …
Read More Marc Mer nimmt Minimalismus ernst: In den vorliegenden rund 80 Kürzesttexten kommt er mit kaum mehr als zwei Handvoll verschiedener Wörter aus, die er in immer neuen Konstellationen zueinander verschiebt und auf wechselnde Bedeutungen abklopft. Von Frank Schorneck
Read More Brilliantes Werk über den irischen Befreiungskampf Als ob die grüne Insel nicht genügend einheimische Literaturnobelpreisträger vorzuweisen hätte, setzt die Irish Times Roddy Doyles neuen Romanhelden Henry Smart auf eine Stufe mit Oskar Matzerath. Doch zunächst beginnt Henry Smarts Geschichte auf einer ganz anderen Stufe: Auf einer bröckelnden Vortreppe im Dublin des beginnenden 20. Jahrhunderts – an seiner Seite die Mutter und über ihm der Nachthimmel, in dessen Sternen die Mutter Henrys tote Geschwister verkörpert sieht. Henry Smart – Sohn eines einbeinigen Türstehers und Auftragskillers – erzählt, wie seine Eltern sich
Read More Posted On Februar 8, 2010By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Magischer Realismus aus Deutschland – Stefan Petermann hat sein beachtenswertes Debüt im noch jungen asphalt & anders Verlag gegeben. Von Frank Schorneck
Read More Posted On Januar 18, 2010By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
John und Yoko, Bob und Sara, Dante und Beatrice, Andreas und Judith – in seinem verspielten Debütroman Wie im Siebenten lässt der 1978 in Graz geborene Andreas Unterweger seinen Ich-Erzähler Andreas Analogien zwischen berühmten Paaren der Kulturgeschichte und seiner eigenen Beziehung ziehen. Frank Schorneck ließ sich von dem Charme des Buches becircen.
Read More Murphys Irlandbild erstrahlt nicht in sattem Grün, sondern dekliniert Schattierungen von Grau. Falsche Freunde, Korruption und Gewalt lauern versteckt hinter der Fassade der Bürgerlichkeit. Frank Schorneck hat Murphys erfreulich unsentimentales, schwarzhumoriges Debüt gefallen.
Read More Federman ohne Worte Am 6. Oktober ist der amerikanische Avantgarde-Autor Raymond Federman im Alter von 81 Jahren im kalifornischen San Diego gestorben. Macondo-Herausgeber Frank Schorneck nimmt Abschied. Lieber Ray, es war Dein Verleger Stefan Weidle, der mir als erster von Deinem Tod berichtete. Ich war darauf gefasst, ich hatte eine solche Nachricht erwartet – und dennoch traf mich der Schock tief. Im letzten Sommer, kurz nach Deinem 80. Geburtstag, warst Du unser Gast in Bochum, stelltest Deinen Prosaband Mein Körper in neun Teilen vor. Obwohl die Abhandlungen über Deine Körperteile
Read More