
Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …
… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.
Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren.
CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen
Chatwins (Berlin),
Wendeltreppe (Frankfurt)
und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg)
auf interessante Neuerscheinungen hin.
Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun.
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Claudia Denker, Chatwins, Berlin:
Auf einmal werden Erinnerungen an die eigene Jugend wach. Dieses Buch wird sehr wahrscheinlich am Ende des Jahres auf meiner Top Ten landen: »Kala« von Colin Walsh (Gutkind Verlag). Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich beim Lesen ab. Am Ende ist endlich das Rätsel um das Verschwinden des jungen Mädchens Kala vor 15 Jahren gelöst. Ihre Freunde Joe, Helen und Mush klären uns auf. Großartig übersetzt hat diesen wunderbaren und spannenden Roman Andrea O’Brien, die auch eine weitere April-Neuerscheinung in ihren Fingern hatte. Ein neuer Krimi von Candice Fox liegt hier vor mir: »Outback Killers« (Suhrkamp). Klingt mal wieder dramatisch – und nichts von der Autorin ist schlecht.

Bereits gelesen habe ich »Noch fünf Tage« von Helena Falke (Suhrkamp). Eine vergiftete Spitzenköchin, die noch nicht ganz tot ist, möchte schnellstens herausfinden (in fünf Tagen eben), wer ihr Mörder ist. Ein raffinierter Krimi, nicht nur für Feinschmecker.
Ich mag ja die ruhigen Kriminalromane von Matthias Wittekindt, und es kommt ein neuer im April: »Die Tote im Hafen« (Kampa), ich bin sehr gespannt. Außerdem bin ich ihm dankbar, denn am 15. April findet wieder ein Krimi-Talk »Abweichendes Verhalten« im Studio 24 in Berlin statt, und Matthias stellt den Roman von Colin Walsh (s.o.) vor, deshalb habe ich ihn gelesen.
Bereits lieferbar ist Band 5 um Inspektor Dieuswalwe Azémar, »Erschütterungen« von Gary Victor, sein erster Roman in kreolischer Sprache (Litradukt, deutsch von Peter Trier). Den muss ich mir noch besorgen.
Schluss mit Krimi. Passt aber trotzdem – mein U-Bahn-Buch ist momentan Ronen Steinke: »Meinungsfreiheit. Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen« (Berlin Verlag)- Ein kompliziertes Thema verdammt gut erklärt – und danach dann Hartmut Rosa:»Situation und Konstellation« (Suhrkamp). Ich glaube, danach bin ich schlau genug für die nächsten Krimis.
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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:
Hier kommt meine Ausbeute:
– Gary Victor, Erschütterungen (Ü: Peter Trier), Litradukt 2026, 94 S., 13 Euro:
Inspektor Azémar macht sich auf die Jagd nach den Mördern der Tochter seiner Freundin. Voodoo, Ritualmorde und reichlich Zuckerrohrschnaps. Doch – zum Pech für seine Gegner – für einen Alkoholiker schießt Azémar sehr präzise. Auf weniger als 100 Seiten ein beeindruckender Bodycount. Ich bin mir zwar sicher: In Haiti will ich weder tot noch lebendig über dem Zaun hängen. Aber ein ganz starkes Buch ist das trotzdem.
– Daniel Faßbender, Heaven’s Gate, Diogenes 2026, 304 S., 19 Euro:
Dieses deutsche Krimidebüt hatte ich bisher souverän ignoriert, hielt ich es doch für einen der höchst überflüssigen Destinations-Krimi. Aber weit gefehlt! Faßbenders Geschichte um den selbsternannten Privatschnüffler und Surfer Caruso ist eine klasse Geschichte, die unbedingt nach Fortsetzung schreit.
– Ken Jaworowski, What about the bodies (Ü: Lea Dunkel), Pendragon 2026, 320 S., 24 Euro:

Die drei Geschichten von Carla, Reed und Liz verzahnen sich miteinander. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Bei allem guten Willen geht fast alles schief. Ein traurig-schöner Kriminalroman aus dem amerikanischen Hinterland mit unvergesslichen Personen.
– Michael Idov, Das Riga-Komplott (Ü: Stefan Lux), Suhrkamp 2026, 330 S., 17 Euro:
Ein Anschlag auf das Büro der CIA in Riga. Ein Milliardär verschwindet, seine Tochter macht sich zusammen mit Agent Ari Falk auf die Suche nach ihrem Vater quer durch Europa. Ein starker Agenten-Thriller eines amerikanischen Autors mit lettischen Wurzeln.
– Claire Caland, Die Geschichte des Krimis (Ü: Harald Sachse), illustriert von Sandrine Kerion, Splitter 2026, 216 S., 29,80 Euro:
Dieser Sachcomic ist Pflichtlektüre und garantierter Augenschmaus für alle Krimi-Begeisterten. Eine opulente Chronologie des Genres, in der allerdings der deutschsprachige Kriminalroman ganz außen vor bleibt. Trotzdem eine klare Empfehlung. – Siehe auch die Besprechung von Thomas Wörtche in dieser Ausgabe, d. Red.
Frohe Ostern wünsche ich aus dem Buchladen Osterstraße, wo gerade ganz schnöde per Post vom Kulturkämpfer Weimer unsere Urkunde für den „Deutschen Buchhandlungspreis 2025“ eingetroffen ist.
Torsten Meinicke
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Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:
Mary Roberts Rinehart: Die Villa am Meer (Oktopus)

Liza Marklund: Das kalte Moor (Atrium)
P.G. Pulixi: Wenn Katzen reden könnten (Kampa)
Jill Johnson: Nachtschattengewächse (Atrium)
Alexander Oetker: Strandgut (Hoffmann & Campe)
Garry Disher: Zuflucht (Unionsverlag)
und ansonsten viele Grüße und schöne Ostern an alle
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Tipps aus der Redaktion:
(TW) Soziologie kann so spannend sein. Das zeigt Hartmut Rosas Studie „Situation und Konstellation“ (Suhrkamp). Es geht um unsere Handlungsspielräume, unsere Urteilskraft, unsere Selbstbestimmung, wenn wir auf formalisierte und formatierte Strukturen treffen. Vom VAR bis zu behördlichen Formblättern, die keinen Platz für Ermessensspielräume haben. Eben – fluide Situationen prallen auf fixierte Konstellationen. Beschreibt unsren Alltagsfrust sehr präzise. Analytisch brillant, sehr vergnüglich geschrieben.

(TW) Ronen Steinke, Jurist und Journalist bei der SZ, und eh einer der interessantesten Köpfe des Landes, nimmt das Thema „Meinungsfreiheit“ auseinander und kümmert sich insbesondere darum „Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen“ (Berlin Verlag). Ein wichtiges Vademecum, wenn´s mal wieder hysterisch und ideologisch wird, im Diskurs.
(AM) Jetzt im April erscheint bei Criterion eine von Regisseur John Boorman höchstpersönlich überwachte 4K-Digital-Restauration von „Point Blank“ (1967, 92 Minuten), einem der berühmtesten Gangsterfilme aller Zeiten mit Lee Marvin in der Hauptrolle. Bis heute die beste Parker-Verfilmung. Zum Bonusmaterial gehören ein Boorman-Interview mit Geoff Dyer, Audiokommentar von Steven Soderbergh und ein Gespräch mit Jim Jarmusch. Dietrich Leder hat bei uns einmal den Gangster Parker als Filmhelden porträtiert.












