Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.
Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren.
CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen
Chatwins (Berlin),
Wendeltreppe (Frankfurt)
und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg)
auf interessante Neuerscheinungen hin.
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Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun.
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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:
Es gibt nicht viele Neuerscheinungen im Dezember, aber ein sehr schönes Paket gibt es zu verschenken. Eine Neuübersetzung des Romans von John le Carré: »Tinker, Tailor, Soldier, Spy« (Ullstein, deutsch von Peter Torberg) und dazu: »Ein diskreter Spion«, John le Carrés Briefe, herausgegeben von seinem Sohn Tim Cornwell, selber Verlag, selber Übersetzer – einmal reingelesen, ich war verloren – Termine abgesagt.
Ein neues Buch von Heinz Strunk ist da – »Zauberberg 2« (Rowohlt), für mich ein Highlight, bisher hat mich kein Roman von ihm enttäuscht.
Und weil es nicht so viel Neues gibt, hier einfach ein paar Verschenktipps aus dem Buchhandel:
»Denkpause«, ein Abreißkalender mit Zitaten aus dem Archiv von Radioeins. Sehr schön typographiert, für jeden Tag ein Satz von einem Künstler, Musiker, Philosophen, aber auch von Donald Duck:»Mein Wahlziel: gesetzlicher Mittagsschlaf nach dem Frühstück bis zum Abendessen« (seltmann)
Reinhard Kleist: »Low. David Bowie’s Berlin Years«, eine Graphic Novel aus dem Carlsen Verlag, für Fans von Bowie und Berlin
Noch einmal Berlin – Anne Kanis, eine Schauspielerin, die schreiben kann: »Auf Erden« (Goya), das Buch hat mich sehr berührt. – Es geht um Verlust, Erinnerungen an eine wilde Jugend nach dem Mauerfall, sehr emphatisch und wunderschön erzählt.
Und nun wiederhole ich mich, weil es einfach ein tolles Geschenk ist:
»Sind Antisemitisten anwesend« (Herausgegeben von Lea Streisand, Michael Bittner und Heiko Werning, Satyr Verlag), Satiren, Cartoons und Geschichten gegen Judenhass. Die Buchpremiere hier in Berlin musste mit Security stattfinden. Es ist gottseidank nichts passiert. Mit dieser guten Nachricht wünsche ich schöne Weihnachtstage!
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Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:
Hier kommen die Tipps aus der Wendeltreppe
Alexandra Benedict: Das mörderische Christmas-Puzzle (Tropen)
Mark SaFranco: AmeriGone (Pulp Master)
Satu Rämö: Hildur – Der Schatten des Nordlichts (Heyne)
Hakan Nesser: Ein Brief aus München (btb)
William Martin: Dezember 41 (Hoffmann & Campe)
Wir wünschen eine schöne Zeit, schöne Feiertage und alles Gute,
Jutta und Hilde
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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:
Meine kriminell guten Weihnachtsgeschenk-Tipps:
Ken Bruen, Scharfe Munition (Ü: Karen Witthuhn), Polar 2024, 203 S., 17 Euro
Endlich ist er da, der letzte Roman der tollen Inspektor-Brant-Reihe! Wenn man auf Brant, das Raubtier auf zwei Beinen, schießt, sollte man das gründlich tun. Was in diesem Fall nicht geschieht. Und Brant hatte schon vorher schlechte Laune, denn gerade ist sein Lieblingsautor Ed McBain gestorben. Schnell ist Brant – zur Erleichterung des Pflegepersonals – wieder aus dem Krankenhaus raus und durchstreift sein Londoner Revier auf der Suche nach dem Täter. Mit dabei sind natürlich auch Brants schwuler Kollege Porter Nash, seine Schwarze Kollegin Falls und sein griesgrämiger Chef Roberts. Ken Bruens Romane glänzen durch Tempo und schwarzen Humor. Ein Lob gebührt der Übersetzerin, die den Straßenköter-Sound des Originals kongenial übertragen hat.
Jake Lamar, Das schwarze Chamäleon (Ü: Robert Brack), Edition Nautilus 2024, 324 S., 22 Euro
Reginald T. Brogus, ein ehemaliger Militanter der Black Panthers, ist mittlerweile Professor an der Provinzuniversität Arden in Ohio und hat sich politisch zum rechten Lautsprecher gewandelt. In seinem Büro findet er eine junge Studentin vor: weiß, tot, mit einem Schlips erdrosselt. Brogus gerät in Panik, vermutet eine späte Rache des FBI, will untertauchen und bittet seinen ebenfalls Schwarzen Kollegen Clay Robinette um Hilfe. Doch der hat sein eigenes Problem mit dem Fall, denn die ermordete Studentin war seine Geliebte. Doch wer war der Mörder? Es folgen Ränkespiele im Universitätsmilieu, Schwarzer Humor (im doppelten Sinn des Wortes) und ein wahrhaft furioses und überraschendes Finale. Wokeness-Debatten gab es schon in den 1990er-Jahren. Klare Leseempfehlung!
Giancarlo De Cataldo, Schwarz wie das Herz (Ü: Karin Fleischanderl), Folio 2024, 251 S., 22 Euro
Valentino Bruio ist ein überschaubar erfolgreicher Anwalt in Rom. Die Anwaltskammer will ihn auch
loswerden. Und Bruio hat wirklich keine Lust, sich auch noch mit den Sorgen eines Schwarzen Illegalen zu beschäftigen, der sein verschwundenes Kind sucht. Doch als dieser wenig später ermordet aufgefunden wird, packt Bruio das schlechte Gewissen und er beginnt zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen ihn schnell in höchste Kreise der römischen Gesellschaft und zu deren üblen Geschäften. Schnell wird es (lebens-)gefährlich für ihn, doch zu seinem Glück steht ihm die Schwarze Community Roms zur Seite.
Giancarlo De Cataldo, Richter im Hauptberuf, zeigt die dunklen Seiten der italienischen Metropole und steht konsequent an der Seite der Opfer des Systems.
Matthias Wittekindt, Hinterm Deich. Ein Fall von Kriminaldirektor a. D. Manz, Kampa 2024, 302 S., 19,90 Euro
Der (fiktive) Ort Sandesiel an der deutschen Nordseeküste. Hier tritt der 19-jährige Polizeianwärter Manz 1964 seine erste Praktikumsstelle an. Sehr viel passiert hier nicht. Okay, ein schwerer Autounfall mit Todesfolge, eine traumatisierte junge Frau auf einem Bauernhof und ertrunkene Schafe dann schon. Doch der junge Manz ermittelt akribisch, umgeben von knorrigen und maulfaulen Menschen von der Küste. Matthias Wittekindt macht aus wenig Krimihandlung viel. Tolle Dialoge und Landschaftsbeschreibungen sind dem Autor wichtiger als Mordserien und das Suhlen in Gewaltorgien. Die Lektüre der Manz-Romane (es gibt noch vier weitere) lohnt sich sehr, denn mit der üblichen Regio-Krimi-Dutzendware haben diese Romane nichts zu tun.
Ross Thomas, Die Narren sind auf unserer Seite (Ü: Gisbert und Julian Haefs), Alexander Verlag 2024, 580 S., 20 Euro
Lucifer Dye ist in einem Bordell in Shanghai aufgewachsen, wird später Geheimagent, sitzt dann in einem Hongkonger Knast und erhält nach seiner Entlassung den Auftrag, in der (fiktiven) korrupten texanischen Stadt Swankerton aufzuräumen. Und Lucifer Dye macht sich umgehend an die Arbeit: illegales Glücksspiel, bestechliche Cops, Fake News im Lokalblatt, Mafiaclans und windige Immobiliengeschäfte. Lucifer Dye hat einiges zu tun.
So einen wahnwitzig coolen und elegant geschriebenen Plot konnte sich nur der amerikanische Krimi-Großmeister ausdenken. Nach über 50 Jahren ist dieses Meisterwerk endlich in einer vollständigen Übersetzung zu lesen. Wer Ross Thomas nicht kennt (er hat insgesamt 25 Romane geschrieben), weiß nicht, was wirklich große Kriminalliteratur ist!
Und nun tauche ich wieder ein ins Weihnachtsgeschäft.
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Aus der Redaktion empfiehlt Thomas Wörtche:
Frisch reingekommen, gerade ausgepackt, dringend empfohlen:
John le Carré „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“ (Ullstein), neu übersetzt von Peter Torberg. Weil mir vor Jahren die Neuübersetzung von „The Spy ….“ wenig sinnvoll, gar kontraproduktiv erschienen war, habe ich Peter Torberg in Frankfurt ein wenig inquiriert, aber er fand, dass er in der Tat neue Aspekte aus dem Text gekitzelt hätte. Jo, dann freu ich mich drauf ….
Und im Doppelpack: John Le Carré: „Ein diskreter Spion. John le Carrés Briefe, hg von Tim Cornwell.“ (Ullstein) Ü: Peter Torberg. Fehlt nur noch der Smiley-Roman von le Carrés zweitem Sohn Nick, hierzulande als Nick Harkaway resp. Aidan Truhen bekannt. Traurig: Tim Cornwell ist kurz nach Fertigstellung des Bandes überraschend gestorben.
Nach ein paar Jahren Wolf-Haas-Abstinenz bin ich gespannt, wie sein neuer Roman „Wackelkontakt“ (Hanser) sein mag, der gleich zu Anfang des neues Jahres in den Buchläden liegen wird.
1008 Seiten kluge Gelehrsamkeit – David Blackbourn: „Die Deutschen in der Welt. Siedler, Händler, Philosophen. Eine globale Geschichte vom Mittelalter bis heute“ (DVA, Ü: Klaus-Dieter Schmidt). Die Prämisse ist ganz einfach: Geschichte spielt sich nicht nur innerhalb von Staatsgrenzen ab. Sondern auf der ganzen Welt, eben global. Rechnen wir das für jede Nation hoch, dann ergeben sich – global – nur noch Schnittmengen. Faszinierend – und nehmt das, Nationalismen.
Und noch was Leichtes – „Deutsche Dinge. Eine Geschichte in 75 Objekten“ von Andreas Mattlé (Droemer). Alles was wir schon längst über Toast Hawaii, Plaste und Elaste, das Ampelmännchen und das Arschgeweih vergessen hatten, lieber nie gewusst hätten oder froh sein können, es loszuhaben. Bis auf paar Ausnahmen ein Katalog deutscher Abscheulichkeiten, bei der höchstens Winnetou-Filme, „Derrick“ oder „Ein Kessel Buntes“ fehlen. Sehr amüsant.












