Posted On 6. Mai 2017 By In Bücher, Litmag With 867 Views

Sven Amtsberg: Superbuhei

amtsberg_SuperbuheiFür die Langstrecke fehlt dem Buch etwas der Atem

– Sven Amtsberg ist als rühriger Veranstalter, Verleger Entertainer, Kolumnist, Geschichtenerzähler und fiktionaler Hamburger Stadtführer ein literarisches Multitalent. Doch auf der Langstrecke seines Debüt-Romans droht dem Meister der kleinen Form zunehmend die Puste auszugehen. Von Karsten Herrmann

Amtsbergs Protagonist Jesse ist ein skurriler Sicherheitsfanatiker, der die Liebe für den natürlichen Feind der Sicherheit und damit letztlich auch des Glücks hält. Und so mischt er seiner Freundin, mit der er zusammen in einem Einfamilienhaus lebt, auch stetig Schlafmittel ins Essen, um alleine und endlich so sein zu können, wie er eigentlich ist. Jesse ist vor Jahren aus Hamburg vor seinem Zwillingsbruder Aaron geflohen, der ihm seine Existenz nehmen und an seiner Stelle leben wollte. In Langenhagen betreibt er nun im Supermarkt „Superbuhei“, in dem seine Freundin auch als Kassiererin arbeitet, eine Kneipe. Hier werden den ganzen Tag nur Scorpions-Songs gespielt und nur aufgrund einer Klage musste der Name von „Klaus Meine“ in „Kleine Maus“ geändert werden. Bevölkert wird die „Kleine Maus“ von traurigen Alkoholikern, die gleich morgens auf der Matte stehen und sich das Leben langsam erträglich trinken.

Sven Amtsberg breitet sein Setting der allumfassenden Langenhagener Tristesse, in der nichts geschieht und der Kampf um die Bedeutungslosigkeit von vornherein verloren ist, mit herrlich skurrilen Momenten und schwarzen Pointen aus. Doch dann bröckelt die Normalität und Jesse fühlt sich wieder von seinem Bruder Aaron verfolgt und er taumelt fortan auf der Grenze zwischen realer Bedrohung und Wahnvorstellung durch sein Leben.

Und an dieser Stelle fängt der bis dato hoch unterhaltsame Roman auch in sich selbst und seinen immer beliebiger wirkenden schrägen Entwicklungen und Ereignissen zu kreiseln. Auch wenn Amtsberg zu einem raffinierten Schlussspurt ansetzt und die Existenzen von Jesse und Aaron sich immer mehr überlappen und ineinanderschieben und bald nicht mehr klar ist, wer wer ist, ist der Leser am Ende froh, wenn die letzte der über 300 Seiten geschafft ist.

Karsten Herrmann

Sven Amtsberg: Superbuhei. Frankfurter Verlagsanstalt, 316 Seiten. 24,00 Euro

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