Posted On 3. Juni 2017 By In Litmag, Reise Special 2017 With 869 Views

Reise Special 2017: Katharina Finke: Loslassen – wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte

Finke - LoslassenDas erste Stück einer Lebensreise

Einfach seinen Besitz so weit reduzieren, dass er in einen Koffer passt, dann steht einer kontinuierlichen Reise um die Welt nichts mehr im Wege. Klingt einfacher als die tatsächliche Durchführung, zumindest in der Beschreibung der Autorin. Mit dem „Loslassen“ von Besitz und festem Wohnsitz fallen Probleme weg, aber es kommen neue hinzu. Katharine Finke beschreibt „ihren“ Lebensweg und „ihre“ Reise um die Welt, lässt den Leser Einblick in ihre Befindlichkeit nehmen – jedoch nicht zu tief – und gibt auch ein paar Andeutungen über die bereisten Länder – doch nicht zu viel. Man könnte enttäuscht sein, weil das Buch letztendlich nicht hält, was der Titel verspricht, aber das ist sicher nicht der Autorin anzulasten, denn man kennt ja die Eigenart der deutschen Verlage, bei der Titelwahl gegen jede Vernunft ordentlich daneben zu greifen.

csm_produkt-13595_1320821bf5Wenn man sich davon frei macht, von vornherein nicht immer glaubt, was einem versprochen wird, dann lohnt sich die Lektüre dieses Buches trotzdem. Zwar ist Finkes „Rezept“ des Loslassens keine allgemeingültiges und taugt in dieser Form nicht zum Nachmachen, aber die Beschreibung ihres Lebensweges und die bewusste Auseinandersetzung mit Umständen und Anforderungen erinnert in ihrer Abfolge von Konsequenz und Inkonsequenz daran, was die meisten in ihrem Leben praktizieren. Es gibt wenige Menschen, die radikal konsequent umsetzen, was sie wollen. Die Mehrzahl von uns bedient in der Regel eine Mischung aus angepasstem und konsequentem Verhalten.

Ob der eigene Pegel noch so viel deutliche Konsequenz zeigt wie bei der Autorin, lässt sich nach der Lektüre des Buches gut prüfen, weil man in dieser Hinsicht ein wenig sensibilisiert wurde, vorausgesetzt man ist ausreichend selbstkritisch. Hat Katharina Finke nun ein Reisebuch geschrieben? Bezogen auf die äußeren Bedingungen eher nicht. Die Berichte über die bereisten Länder sind dünn und bringen nur wenige echte Informationen. Eher ist es ein Buch, das eine Lebensreise beschreibt. Dabei aber nur das erste Stück. Den großen Rest hat die Autorin noch vor sich.

Horst-Dieter Radke
Horst-Dieter Radke schreibt Bücher über Franken, Krimis, Novellen und wenn ihm sonst nichts mehr einfällt, auch Fabeln. Er ist Mitglied bei 42er Autoren e.Vwww.hd-radke.de.

Katharina Finke: „Loslassen – wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“. Malik, 2017. 224 Seiten. €15.

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