Posted On 6. März 2017 By In Litmag, Lyrik With 1291 Views

Lyrik+Jazz: Nora Gomringer & Philipp Scholz: Peng Peng Peng

gomringer_peng-cover_2400x2400Absurdtragikomisch

Neuer Ohrenschmaus von Nora Gomringer und Philipp Scholz. Von Jörn Borges

Einen wahren Ohrenschmaus hat Nora Gomringer mit dem Percussionisten Philipp Scholz mit ihrer neuen Hör-Cd „Peng, Peng, Peng“ angerichtet. Ein Gemisch aus Komik und Tragik. Einen Ausflug in das Absurde und eine Hommage an von ihr verehrte Vorbilder. All das setzt Nora Gomringer sprecherisch und gesanglich (etwa Dorothy Parkers „Frustration“) grandios in Szene.

Gomringer lässt im Kopf des Hörers Bilder voller Komik und Tragik entstehen. Jedes Wort sitzt. Jeder Satz ist stimmig. Nach der Selbstverständigung „Wie soll ich es beschreiben“ wird ihre „Geschichte vom Hund“ mit Jaulen und Raunen Allegorie von Freiheit und Knechtschaft bis der alte Hund „mit einem Napf an seiner Seite froh“ in seinen Lebensabend dahindämmert. In „Vielmals“ erzeugt sie mit dem Mittel der Wiederholung bedrückende Momentaufnahmen von Armut und Missbrauch. In „Tobias“ wird der Selbstmord in den Worten der kleinen Schwester aufgedeckt. Ihre absurde Geschichte um den „Gang mit Hermelin“ spielt mit den Klischees rund um Hochgebirgswanderung und unseren narzistischen Selbstfindungsphantasien. Manchmal erinnert das an die Verfremdung wie man sie aus dem NDW-Hit „Hohe Berge“ von Fräulein Menke kennt, ohne hierbei stehen zu bleiben. Durch die absurde Begegnung mit einem sprechenden Hermlin wird die ganze Szenerie absurdkomisch, ohne platt zu sein. Einfach wunderbar, wie immer wieder anthropozentrische Rührgeschichten ironisert werden und es am Ende doch noch ein Happy-End gibt.

Was hier zwanzigminütiger Hochgenuss ist, schafft sie beim „Berliner Liegewiesenmädchen“ in 1:34 Minuten: „Dann lag der Terror wohl am längeren Hebel“, lässt sie ihr schnoddrige Protagonistin konstatieren und schon ist ihr Kind gezeugt. Das Schlaflied für die Sehnsucht von Sarah MeerbaumEisinger berührt nicht zuletzt durch Nora Gomringers gesanglichen Vortrag. Die Hommage an Eugen Gomringer und Ernst Jandl hätte sie lieber durch das ein oder andere eigene Stück ersetzen sollen. Ihre Texte sind lebendiger, kraftvoller. Etwa im Stil ihres Gedichts „Heimat“. In etwas über einer Minute sagt sie alles, was über dieses Wort gesagt werden kann. Durch die percussionistische Unterstützung von Philipp Scholz kommt nicht nur dieser Text auf den Punkt.

Mehrmals hören macht immer wieder Spaß.

Jörn Borges

Nora Gomringer & Philipp Scholz: Peng Peng Peng. Lyrik und Jazz auf CD. 59 Minuten. Voland & Quist 2017. 15,00 Euro.

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