Geschrieben am 1. Mai 2021 von für Crimemag, CrimeMag Mai 2021

Mike Wuliger: Bye Bye Bernie

Der größte Betrüger aller Zeiten: Zum Tod von Bernard Madoff 

Ob Bernard Madoff auf dem Totenbett vielleicht kurz gegrinst hat?  Immerhin hatte der größte Finanzbetrüger aller Zeiten gerade mal 12 Jahre seiner Haftstrafe abgesessen, als er am 14. April 82-jährig im Bundesgefängnis von Butner (North Carolina)  das Zeitliche segnete. Macht im Schnitt einen Tag Knast pro 16 Millionen geklaute Dollar. Andere Verbrecher kommen auf einen wesentlich geringeren Tageslohn.

Bernard Madoff war eine Kriminallegende. 65 Milliarden Dollar Kundengelder waren verschwunden, als der führende New Yorker Investmentbanker 2008 wegen Betrugs festgenommen wurde. Die Liste der Betrogenen las sich wie ein Who’s Who des internationalen Jetsets: Das Showbusiness (Steven Spielberg, John Malkovich, Uma Thurman) war ebenso vertreten wie die Politik (New Yorks Ex-Gouverneur Eliot Spitzer), der Geldadel (Familie Thyssen) und der Sport (Fußballtrainer Louis van Gaal, Baseballlegende Sandy Koufax). Nicht zu vergessen so gut wie alle großen Banken und Versicherungen der Welt, von der Schweizer UBS bis zur deutschen Allianz. Rund 300 Anwaltskanzleien und 45.000 Anwälte waren mit dem Fall befasst. 2009 wurde Madoff zu 150 Jahren Haft verurteilt.

So was ist Stoff für Fiktion. Woody Allen ließ sich von Madoff für seinen Film „Blue Jasmine“ inspirieren, ebenso Nicholas Jarecki für „Arbitrage“, wo Richard Gere eine Madoff-ähnliche Figur spielt. In Barry Levinsons  HBO-Produktion “The Wizard of Lies” verkörperte kein Geringerer als Robert de Niro den Großbetrüger. Beim Fernsehsender ABC war es  Richard Dreyfuss, der ihn 2016 in einem Zweiteiler darstellte. Amazon hat mehrere Dutzend Bücher zu Madoff im Sortiment, von Nonfiction über Thriller bis zu einem Malbuch, in dem man den Finanzjongleur zum Beispiel mit Teufelshörnern verzieren kann. 

Als “Teufel” und “Monster” war Madoff nach seinem Auffliegen oft bezeichnet worden, vor allem in amerikanisch- jüdischen Kreisen. Auch der obligatorische Vergleich mit Adolf Hitler fehlte nicht. Denn ein Großteil seiner Opfer war wie er jüdisch – Privatpersonen, aber auch Spendenempfänger wie die Elie-Wiesel-Stiftung, die Frauenorganisation Hadassah und die New Yorker Yeshisva University. „Er kommt deshalb in einen besonderen Kreis der Hölle“, prophezeite damals  Burton Visotzky, Rabbiner und Professor am Jewish Theological Seminary. In welcher Abteilung der ewigen Verdammnis Bernard Madoff sich inzwischen aufhält – die Kabbala kennt deren sieben – weiß mit Sicherheit allein er selbst. Gewiss ist nur: Wie seine geklauten Milliarden ist er auf Nimmerwiedersehn fort.      

   

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