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Posted On 6. September 2015 By In Carlos, Crimemag, Kolumne, Kolumnen und Themen With 4963 Views

Kolumne: Carlos

Es ist seine letzte Kolumne geworden. Carlo Schäfer, den CrimeMag-Leser als Carlos kennen und ohne den wir uns unser Magazin nie vorstellen konnten, ist im Alter von nur 51 Jahren überraschend gestorben. Einen Nachruf – welch ein schreckliches und schrecklich trauriges Wort – von Thomas Wörtche finden Sie auf der Startseite.

So hat Carlos sich noch Ende August 2015 geäußert: Nix mit Friede, Freude, Eierkuchen. Die künftig monatliche Erscheinungsweise von CrimeMag stachelt Carlos erst recht zum Widerspruch auf.

Jetzt schlägt’s dreizehn

Nun also: CrimeMag wird vom mitunter havarierenden Schnellboot zum soliden Schlachtschiff. Da will ich gleich in wilder 13 deutlich machen, wo ich anderer Meinung bin als die Meisten. Gleich mal kräftig reingehauen. Es ist nämlich alles Folgende schlecht und nicht gut!

  1. Udo Jürgens. Mir gefällt keiner seiner Schlager, ich finde keinen seiner Texte gut. Das genau war er nämlich: Ein Schlagersänger für Studienräte und FDP-Weiber.
  2. Papst Franziskus sticht nur so urchristlich hervor, weil er einer kriminellen Vereinigung vorsitzt, selbst aber nur ein Mittelbandito ist. Knallkonservativ, mit einer sehr unklaren Vergangenheit in der argentinischen Militärdiktatur.
  1. Cindy aus Marzahn. Ihre Witze sind flach wie nichts sonst an ihr, die eine Idee aber, aus der Dickheit eine Waffe zu machen bzw. das Prollbobbel zu geben, ist eigentlich sogar eine Sauerei. Da kann sich der Studienrat (s. U. Jürgens) zurücklehnen, im schönen Gefühl kein Proll zu sein.
  1. Günther Jauch. Es ist mir schleierhaft, wer diesem Schwiegersohn und Versicherungsvertreter einen Intelligenzverdacht entgegenbringen kann. Ach, wie musste er seinerzeit schmunzeln, als er zu Gerald Asamoah sagte: „Sie sind ja Deutscher.“
  1. Heilpraktiker in toto. Auf einer seltsam zusammengeschusterten Halbmedizin-Halbesoterik basierendes Gefuhrwerke. Grad, dass sie nicht operieren dürfen, was dann nach dem Mondkalender geschähe. Es mögen nicht alle Schurken sein, aber Schelme sind sie mindestens.
  1. Franz Beckenbauer und zwar sehr viel profunder, als die Leserschaft wohl annimmt, denn es geht nicht um seine Eseleien in Sachen Sklaverei, es geht darum, dass er als Teamchef nur mit Dusel die WM 90 gewonnen hat, denn Uwe Bein nach dem Viertelfinale nicht mehr aufzustellen war eine Blödheit sondersgleichen.
  1. Tim Mälzer. Rezept gefällig? Baguette der Länge nach aufschneiden, Schinken, Käse und Banane hinein, das Ganze in Alufolie und ab in den Ofen. Meisterkoch.
  1. USA als Reiseland. a) Ich möchte nicht wegen eines defekten Bremslichts erschossen werden. b) Ich mag den verheulten Patriotismus so gar nicht leiden, da hilft dann auch kein Naturschauspiel. c) Ich war schon dort, in NY. Und ich dachte und denke, dass ich das alles auch in London haben kann, nur mit nicht ganz so größenwahnsinnigen Gebäuden und mit einer billigen Flugstunde.
  1. Früher. Es war nichts besser. Die Politik? Ein tollwütiger Schwerverbrecher namens Strauss, ein wirr tobender Wehner, gockel-eitle 68er, Dauerdiskutanten, verklemmte Jungunionisten. Ansonsten: Stinkende Flüsse, grausige Bauten, schreckliches Fernsehen (Dalli Dalli), dumme Betroffenheitsliteratur, Kalter Krieg, Franz Alt, BAP.
  1. Basketball. Hektisch und allenfalls am Schluss spannend. Wenn ich Kuriositäten sehen will, dass z. B. ein 2,5 Meter großer Koffermann über einen 2,0 Meter Koffermann auch einmal drüber springen kann, gehe ich in den Zirkus. Ich gehe niemals in den Zirkus.
  1. Östliche Weisheit incl. dieser Medizin, die ich in diesem Leben nicht mehr werde richtig schreiben lernen. Mir ist einfach noch keiner begegnet, dem derlei Exerzitien wirklich etwas gebracht hätten. Das dümmliche Grinsen gibt sich in der Regel wieder, der tolle Gewichtsverlust, der sich allerdings einfach schweren Magen-Darminfekten vor Ort verdankt, gibt sich immer. Ich war drei Monate in Indien und wenn alles gut läuft, muss ich nie mehr hin.
  1. Hochbegabte Kinder. Sie sind Fälschungen mit Zahnspange. Gemartert und zerbrochen von irren Eltern. Die Mutter eines Klassenkameraden meines Sohnes bestand beim Mittagessen auf altgriechischer(!) Konversation, ein weiterer Schüler, ein recht verdrücktes Zwerglein, beendete die Schule mit Latinum, Graecum und Hebraicum. Jetzt sind das wohl ganz normale Studenten, nur seelisch ein bisschen seltsam und auch recht allein.
  1. Marcel Reich-Ranicki. Er mag auch gelegentlich etwas Richtiges geschrieben haben, das weiß ich nicht, ich bezweifle es. Aber sein einfach nur primitives TV-Gekrähe, mit dem er ja erst so richtig berühmt wurde, seine apodiktischen Urteile, die in aller Regel überhaupt keine Begründung erfuhren, seine Geilheit und innige Eigenliebe. Ne.

So.

Carlo Schäfer

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