James Crumley im Porträt


Voll auf Rock ’n’ Roll geschaltet:

Michael Connelly, Dennis Lehane und Georg Pelecanos bekennen, nachhaltig von ihm beeinflusst zu sein. Bei Deutschlands Autoren und Lesern ist er weitgehend unbekannt. Frank Göhre spürt auf dem „Highway To Hell“ dem amerikanischen Krimiautor James Crumley und dem wilden Leben seiner Protagonisten nach.

Well, I´m so tired of crying, but I´m out / on the road again / I´m on the road again … (Canned Heat)

Er treibt sich in den blauen, hohen Weiten des Westens herum, durchstreift Montana, Idaho, Wyoming und Utah, brettert durch Kalifornien und hängt in New Mexico ab; er trinkt Tequila und spült mit eiskaltem Dosenbier nach, quatscht mit Barkeepern und gibt dummdreisten Krakeelern eins aufs Maul; er legt Ladies und Luder flach, und wenn er dann nachts in irgendeinem schäbigen Motel vor dem Badezimmerspiegel steht und sein zerschlagenes und vom Whisky gezeichnetes Gesicht betrachtet, fragt er sich mitunter, wie es hätte sein können, wären die vergeudeten Jahre, die unzähligen Bars und die langen Nächte nicht gewesen. Eine Frage, die beim ersten Drink des neuen Tages und spätestens bei der nächsten Kneipenschlägerei schon wieder vergessen ist.

Action, bitte!

Also – „Action, bitte“: „Ich duckte ab, dann hieb ich ihm mit einer Rückhand die halbvolle Bierflasche auf den Kopf. Sein rechtes Ohr verschwand in einem blutigen Schaumregen.“

Der Typ geht zappelnd zu Boden, und unser Mann nimmt einen weiteren kräftigen Schluck.

Sein Name ist Sughrue – Chauncey Wayne Sughrue.

Er hat einen Bierwanst, er kifft und kokst, aber er ist ein unverwüstlicher Steher, der sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt. Wir können ihn uns als einen Charles Bukowski in den besten Jahren vorstellen. Ende der sechziger Jahre ist er aus Vietnam zurückgekommen, wird eine zeitlang als Inlandsspion für die Army zwangsverpflichtet und versucht danach als Sportreporter in San Francisco Fuß zu fassen, vor allem aber, um das Hasch, die freizügigen Girls und überhaupt die schönen Zeiten zu genießen. Doch dazu ist es schon zu spät. Ihm wird klar, dass er inzwischen zu alt und auch zu bösartig für die sich ohnehin allmählich auflösende Hippie-Szene ist und so landet er schließlich tausend Meilen weiter nördlich in „Meriwether, Montana“.

Montana hat im Westen eine Bilderbuchlandschaft: schneebedeckte Gipfel, Gletschertäler, reißende Flüsse, dichte Wälder und tiefblaue Seen. Nur ein paar Autostunden weiter, im Nachbarstaat Washington, hat der aus Missoula, Montana, stammende Regisseur David Lynch den Drehort für seine legendäre TV-Serie „Twin Peaks“ gefunden, und mit dieser Szenerie vor Augen kann man sich gut vorstellen, wie Sughrues erster Eindruck von seiner neuen Umgebung ist. Es ist zudem ein milder Herbsttag, als er den „Hell Roaring Liquor Store“ betritt und erst vor und später hinter der Bar ein provisorisches Zuhause findet – so lange jedenfalls, bis irgendein Ehepartner oder Elternteil ihn beauftragt, einen verschwundenen Angehörigen ausfindig zu machen. Denn das ist jetzt sein Job, dafür wird er in der Regel gut bezahlt, und das treibt ihn immer und immer wieder kreuz und quer durch den Westen – on the road again, Canned Heat, Buffalo Springfield, die Doors und die Stones als Soundtrack: „Musik, die ich ewig nicht gehört, Erinnerungen, die ich längst vergessen hatte … ich, der ich im Rückspiegel nachschaute, ob ich einen weißen Rand um die Nase hatte.“

Einsatz klassischer Dramaturgien

Anfangs ist die Suche nach einer vermissten Person meist einfach. Dann – der klassischen Dramaturgie entsprechend – wird es kompliziert und letztlich muss Sughrue all das einsetzen, was man ihm in der Army beigebracht hat, um zur Lösung des Falles zu kommen: „Die US-Army hat mich unter großen Kosten in Verhörtechnik ausgebildet, mir den Kopf mit lauter psychologischem Scheiß voll gestopft, aber als ich nach Nam kam, war Schluss mit der Psychologie, wir klemmten die kleinen Tölpel an eine Telefonkurbel – Krokodilklemmen an Vorhaut und Brustwarzen –, und die kleinen Saukerle waren hundertmal zäher als Sie, aber wenn wir das Telefon klingeln ließen, haben die geantwortet.“

Das lässt dann allerdings an den gern zitierten „hässlichen Amerikaner“ denken, und in der Tat ist Sughrue keineswegs ein nur etwas ausgeflippter, alternder Drogenfreak. Fest davon überzeugt, auch oder gerade in Amerika nirgendwo ohne Knarre, Plastiksprengstoff und Zündschnur hingehen zu können, schiebt er auch schon mal angesichts von mehr als einem Widersacher die „drei 10-mm-Magazine mit Vollmantelgeschossen“ ein und schaltet die Waffe „voll auf Rock ’n’ Roll“.

Und noch einmal – „Action, bitte“: „Wie das letzte Arschloch drückte ich den Abzug des M-1 durch, bis ich das helle Pling hörte, als das Magazin rausflog.“

Die Karosserie eines Chevys ist durchsiebt. In den Einschusslöchern werden Bilder aus dem Leben des Mannes sichtbar, der hier mit Sughrue seine raue Seite präsentiert …

James Crumley, geboren 1939 in Three Rivers, Texas: Der kleine James blickt an den Bohrtürmen hoch, winkt seinem Vater auf der Plattform zu.  Ein typisches Diner am Highway. Die Mutter kellnert. Auf dem Parkplatz geben sich Trucker Tipps über Routen und korrupte Cops. Der Junge schleicht sich mit einem Buch unterm Sweatshirt an ihnen vorbei. – Er steht in Footballkluft sprungbereit auf dem Rasen, ein jetzt stämmiger Bursche, ein Linebacker, umschwärmt von hübschen Collegegirls.

Mit Zwanzig aber wird er zur Army einberufen und lässt viele Jahre später seinen „bad guy“ Sughrue resümieren: „Ich hatte drei verschiedene Dienstzeiten abgerissen, dazwischen immer wieder Unterbrechungen, in denen ich für diverse Colleges Football spielte, an denen sich eigentlich niemand darum scherte, wie ich hieß oder welche Fähigkeiten ich wo verschlissen hatte. All das änderte sich dann durch Vietnam.“

Die Stationierung auf den Philippinen und Einsätze in Vietnam liefern Crumley den Stoff für einen im wahrsten Sinne des Wortes wahnwitzigen Kriegsroman: „One To Count Cadence“, 1969 veröffentlicht, acht Jahre, nachdem er seinen Abschied von der Truppe genommen hatte.

Der erste Teil des Romans ist seine Examensarbeit beim „Writer´s Workshop“ an der University of Iowa. Das Buch, von der Kritik durchweg positiv beurteilt, ist zwar nicht der Megaverkaufshit, wird aber bis heute immer wieder neu aufgelegt.

James Crumley beginnt mit einem neuen Roman. Doch er ist kein Schnellschreiber, braucht – in kurzer Folge zwei gescheiterte Ehen hinter sich – auch Geld. Er nimmt Professuren an den Universitäten in Montana, Arkansas und Colorado an und hat eine umfangreiche Korrespondenz mit Filmproduktionen über die Rechte an seinem Debütroman. Aus einer Verfilmung aber wird nichts. In Hollywood arbeitet man bereits am Drehbuch eines ähnlichen Stoffs: 1970 kommt „Catch-22“, nach dem Roman von Joseph Heller, in die Kinos.

Eine Reihe langweiliger Lebwohls

James Crumley versackt in schäbigen Bars. „Meine Vergangenheit erschien mir wie Übergepäck, meine Zukunft wie eine Reihe langer Lebwohls, meine Gegenwart als leere Flasche“ – wieder so eine Aussage von Sughrue, dem saufenden, kiffenden und koksenden Privatermittler „on the road“.

1974 gönnt Crumley sich eine Auszeit von der Colorado Uni. Ein Freund gibt ihm den Tipp, Raymond Chandler zu lesen und Crumley bekommt bei der Lektüre der gerade wieder neu aufgelegten Marlowe-Romane den entscheidenden Kick. Angefixt von Thematik und Stil des 1959 in La Jolla, Kalifornien, verstorbenen Autors, legt er los.

Er hat das Glas in Reichweite und die Beine hochgelegt. Er trägt Stiefel aus Eidechsenleder und eine Jacke im Westernstil, hat ein Büro und ein Zuhause, in dem sich sein Vater vor gut dreißig Jahren mit einem Browning das Gehirn aus dem Schädel gepustet hat. Der Alte war nur „an teurem Whisky, an der Jagd und an Frauen interessiert“ gewesen: „An jeder Frau, die nicht meine Mutter war, weshalb meine Mutter ihn dazu brachte, sein Testament so abzufassen, dass es das Vermögen der Familie von mir fernhielt, bis ich reif genug dafür war, hoffentlich reif, mit zweiundfünfzig Jahren.“ Bis dahin schlägt er sich als Privatdetektiv und Barkeeper durch, scherzt, mittlerweile auf genügend Exfrauen zurückzublicken, um damit eine Basketballmannschaft aufstellen zu können und hat immer wieder neue Affären.

Rigide Methoden

Zweifellos hat er die Vorliebe seines Vaters „für zügellose Faulheit, für Whisky und Schürzenjagden geerbt“, weiß aber auch solide Hausmannskost wie Eier mit gebackenem Hirn, gebratenen Kartoffelbrei und frischen Bauchspeck zu schätzen und nicht zuletzt eine ordentliche Prise Koks. Denn wenn er dann zu irgendeinem Showdown antritt, verhilft ihm der Stoff zu der nötigen Kaltblütigkeit: „Jeder möchte heutzutage gern ein Held sein. Als ich einen Blick auf den ohnmächtig gewordenen Schauspieler warf, zog der Blonde rasch den Kopf unter den Mantel und warf sich in einem Satz auf die nächste Ecke zu. Es war so leicht, dass es mir nicht einmal etwas ausmachte: Ich schoss ihm, während er in der Luft war, zweimal in die Rippen, dann noch einmal in den Kopf, nachdem er den Boden berührt hatte.“ So endet es, wenn man den eigentlich grundguten Privatermittler mit seiner Schwäche für schöne Frauen bei der Klärung eines Falls verschaukeln will.

Milton Chester Milodragovitch, Milo genannt, ist der Protagonist des ersten James-Crumley-Krimis, 1975 unter dem Titel „The Wrong Case“ erschienen 1998 (!) auf Deutsch: „Schöne Frauen lügen nicht“. Und auch diesmal steht bei Crumley gleich wieder Hollywood auf der Matte, optioniert das Buch und schließt mit dem Autor einen Vertrag, der ihm reichlich Kohle bringt, ihm aber auch die weitere Verwendung der Milo-Figur für einige Jahre untersagt.

Also schickt Crumley nun den Vietnamveteran und Drogenfreak Sughrue ins Rennen, braucht allerdings einige Zeit, um dem neuen Schnüffler ein eigenes Profil zu geben: „Das erste Kapitel habe ich zwei Jahre lang umgeschrieben. Im Buch („Last Good Kiss“, 1978; deutsch: „Der letzte echte Kuss“, 1980) ist die 18. Fassung. Es macht eine Menge Arbeit, wenn man spontan rüberkommen will.“ Klar – doch das Ergebnis ist dann auch einsame Klasse. Allein schon der erste Satz stimmt grandios auf den Sound dieses Romans ein: „Als ich Abraham Trahearne endlich einholte, trank er in einer baufälligen Kneipe direkt vor Sonoma in Kalifornien Bier mit einer Säufer-Bulldogge namens Fireball Roberts und soff einen schönen Frühlingsnachmittag kaputt.“

Trahearne, ein ausgebrannter und sich in Alkoholexzesse flüchtender Schriftsteller, lässt Chandler-Leser natürlich sofort an Roger Wade in „The Lang Good-Bye“, 1953, denken (verfilmt von Robert Altman mit Elliott Gould als Marlowe und Sterling Hayden als Roger Wade), in ihm steckt aber auch einiges von Crumley selbst, der als Stammgast in den einschlägigen Bars stadtbekannt ist. Nachdem er zwei Jahre als freier Schriftsteller gelebt und den Großteil des Hollywood-Honorars verballert hat, muss er 1979 wieder eine Lehrtätigkeit  annehmen, geht an die Carnegie-Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania, und wechselt nach einem Jahr an die University of Texas in El Paso. Eine Verfilmung seines Milo-Krimis und auch anderer Arbeiten kommt nie zustande. Crumley kann mit der Figur weiterarbeiten und legt 1983 seinen wohl besten Roman vor: „The Dancing Bear“; deutsch erstmals 1985 unter dem Titel „Kerle, Kanonen und Kokain“, 1989 in einer zweiten Auflage als „Der tanzende Bär“.

Höllentrip in Montana

Wie in „The Wrong Case“ und auch in „The Last Kiss“ ist wieder der Bundesstaat Montana Ausgangspunkt dieser intelligent entwickelten Story – genauer der Ort „Meriwether, Montana“, der für das reale Missoula steht und dem Milton Chester Milodragovitch inzwischen kaum noch etwas abgewinnen kann: „Obwohl ich in Meriwether geboren und aufgewachsen bin, fühlte ich mich hier nicht mehr so recht zu Hause. Die Hügel im Süden der Stadt waren von den Baulöwen verwüstet worden, die sanften Hänge und Wiesen voll gepackt mit Reihen hässlicher Häuser. Obwohl die Müllverwertung auf Kurzarbeit umgestellt und Millionen von Dollars ausgegeben hatte, um die Abgase zu filtern, stank es in der ganzen Stadt nach Katzenpisse und faulen Eiern, sobald der Wind auf West drehte; der Rauch der modischen Holzöfen erfüllte das ganze Tal mit gelblich-braunem Dunst, der sich in der Luft zusammenballte wie etwas, das man ausspucken kann, und bei längeren Inversionslagen im Winter war es dann tatsächlich so weit, dass der Rauch die Luft verpestete. Meine Lieblingskneipen in der Innenstadt waren entweder geschlossen oder wurden von Kindern und Jugendlichen heimgesucht (die sich bei teurem Kaffee und süßem, europäischen Gebäck vergnügen). Sogar meine alten Saufkumpane schienen verschwunden zu sein.“ Viele Gründe also, einen großzügig honorierten Auftrag anzunehmen und die Stadt als Beschatter eines zwielichtigen Pärchens kurzfristig zu verlassen. Milo ahnt nicht, was ihn an Action, Gier und Zynismus erwartet – ein Höllentrip.

„The Dancing Bear“ ist ein außergewöhnlicher Umweltthriller auf hohem, literarischen Niveau, der neben Ross McDonalds „Sleeping Beauty“, 1973 (deutsch: „Dornröschen war ein schönes Kind“, 1975) weit über die Zeit hinaus wegweisend ist. 1984 lässt sich der bis dato unstet herumziehende James Crumley mit seiner Frau Martha endgültig in Missoula nieder und berichtet: „Hier gibt es 70 oder 80 Schriftsteller und weitere 200 Leute, die irgendwie schreiben. Die Bardichte ist ebenfalls exzellent. Zu Hause ist man, wo man seinen Kater pflegt.“ 1985 wird er nach Robert B. Parker und L.A. Morse (ebenfalls ein neu zu entdeckender Hard-Boiled-Autor) für sein Krimi-Debüt „The Wrong Case“ mit dem japanischen „Maltese Falcon Award“ ausgezeichnet, der in diesem Jahr (2010) an Don Winslow für seinen phänomenalen Roman „Tage der Toten“ vergeben wurde. 1989 erhält er – ebenfalls für „The Wrong Case“ – den französischen „Prix Mystère de la critique“, schreibt ständig weiter, veröffentlicht aber außer zwei limitierten Sonderausgaben keinen neuen Roman.

Das Leben ist ein Witz

Viele Monde ziehen ihre Bahn, mehr als ein Blizzard fegt über das Land und legt meterhohen, nasskalten Schnee über dem Städtchen ab, der Atem gefriert in der Luft und auch das Kokain bleibt in kleinen Klumpen an den Nasenlöchern hängen; die Wintermonate sind lang und öde, man rückt enger zusammen und erzählt sich am Tresen Abend für Abend die alten und längst bekannten Geschichten, Mike und Robert, Kent und Andy und Louis sind es, die Jungs mit dem Stehvermögen, und James Crumley, Mitte Vierzig jetzt, ein inzwischen weit über den Staat und das Land hinaus bekannter und geschätzter Autor, lacht und trinkt mit ihnen und braucht exakt zehn Jahre, bis er seinen Sughrue noch einmal „on the road“ schickt, härter und unbarmherziger denn je: „The Mexican Tree Duck“, 1993 (deutsch: „Tequila Blues“, 1996). Der Chandler-Verehrer stellt ein Zitat aus „The High Window“, 1942 (deutsch: „Das hohe Fenster“, 1943) an den Anfang der bleigeschwängerten Story: „Niemand kam. Niemand rief mich an. Nichts passierte. Niemand fragte danach, ob ich starb oder nach El Paso fuhr.“ Ein Abgesang? Gewiss nicht. Lediglich ein Hauch von Wehmut bei der Erinnerung an frühere Zeiten ist auf den 285 Seiten spürbar: „Das Leben ist ein Witz. Man muss bloß hoffen, dass es ein komischer ist. Kein schlechter“, resümiert Sughrue in – na, wo wohl? – in seiner Bar, nachdem ein Mann mit einem komischen Grinsen hereingekommen ist und verkündet hat: „Ich krieg das Geld erst mit dreiundfünfzig, nicht mit zweiundfünfzig.“ Und wir erfahren, dass es Sughrues alter Kumpel und Partner ist: Milton Chester Milodragovitch, genannt Milo. „The Mexican Tree Duck“, noch im Erscheinungsjahr mit dem „Hammett Prize“ ausgezeichnet, leitet über zu „Bordersnakes“, 1996 (deutsch: „Jeder gräbt sein eigenes Grab“, 1998), denn hier jagen Sughrue und Milo gemeinsam einen Betrüger, der sich Milos Erbe unter den Nagel gerissen hat. „Jeder gräbt sein eigenes Grab“ ist für lange Zeit der letzte James-Crumley-Roman in deutscher Übersetzung – wie „Schöne Frauen lügen nicht“ im Piper Verlag erschienen. Keine hohen Auflagen, inzwischen nur noch in wenigen Exemplaren erhältlich. Auch in Amerika gehen die Verkaufzahlen seiner Bücher zurück. Crumleys letzter Roman „The Final Country“ erscheint 2001 in einer signierten und nummerierten Auflage von 400 Exemplaren (deutsch: „Land der Lügen“, 2007). Die Geschichte mit dem nur noch gelegentlich Detektivaufträge annehmenden Milo ist verwirrend und auch mühsam zu lesen.

Überragt aber dennoch sowohl inhaltlich wie stilistisch die übliche hiesige Handelsware: „Es ist vorbei. Vielleicht ist dies hier nicht meine letzte Station. Ich habe immer noch den Geschmack von Bärenspucke tief unten in meiner Kehle, bitter vom Blut der Unschuldigen, und irgendwo in meinem alten Herzen kann ich mich auch noch erinnern, wie sich Liebe anfühlt. Vielleicht ist das hier nur ein Ort zum Ausruhen. Ein warmer Ort, an dem man kaltes Bier trinken kann. Aber wo auch immer meine Reise enden wird, meine Asche wird nach meinem Tod nach Montana überstellt werden.“

Im St. Patrick Hospital, Missoula, Montana, stirbt James Crumley nach längerer Krankheit am 17. September 2008, knapp einen Monat vor seinem 69. Geburtstag.

Freunde und Kollegen bekunden ihr Beileid: „Er war einer meiner Helden“, „Er brachte das Genre zu neuen Höhen“, „Er war ein großartiger Kerl“ – „Goodbye, Jim. Verdammt!“

Frank Göhre

Eine Crumley-Bibliographie finden Sie hier.

Zur Homepage von Frank Göhre.

Getting Drunk with Crumley – Scott Phillips erzählt

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