Geschrieben am 23. November 2013 von für Crimemag, Kolumne

Hinter der Linie, vor dem Spieltag

Was haben Fußball und Crime Fiction miteinander zu tun? Nein, spannend wie ein Krimi lassen wir als Dumpfbatzmetapher nicht durchgehen. Samstag ist Krimitag und Spieltag auch. Außerdem hängt sowieso alles mit allem zusammen. Kriminalliteratur, Comics, Filme, Alkoholika, Jazz und Fußball. Das ist nun mal so. Das reicht uns.

Deswegen sind wir high und happy, Ihnen endlich eine kompetente Fußballkolumne anbieten zu können. Mara Braun bespricht samstags den Spieltag und kommentiert die Ergebnisse. Ach, die können differieren? Umso schlimmer für die Realität, würde Hegel sagen. Eben! Von nun an jeden Samstag (und bei Bedarf auch mittwochs):

Mara BraunHinter der Linie, vor dem Spieltag

Eine Kolumne von Mara Braun

Kennen Sie eigentlich dieses klassische Kindergebet, das in katholischen Familien gern vor dem Einschlafen gemurmelt wird? „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Gemeint ist damit natürlich nicht sofort, sondern perspektivisch, also, wenn es denn dereinst Zeit sein wird, den Abschied zu nehmen. Fußballer, die für ihre Nationalmannschaft nominiert werden, beten das in leicht abgewandelter Form: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich heil nach Hause komm!“ – bloß leider klappt das nicht immer, wie in der aktuellen Phase von Qualifikations- und Freundschaftsspielen speziell der tragische Fall Sami Khedira zeigt. Aber auch der Hamburger SV dürfte nicht gerade begeistert sein über den Zustand, in dem er Kapitän van der Vaart zurückgeliefert bekommt.

Auch sonst kann auf einer Länderspielreise einiges schiefgehen, auch Dinge, mit denen man gar nicht gerechnet hätte. So steht beim viel beschrieenen Gipfel der Bayern gegen Borussia Dortmund vor allem Mario Götze im Vordergrund. Das an sich ist bei der Rückkehr vor die gelbe Wand natürlich keine Überraschung, der Anlass ist denn doch eher ungewöhnlich, der kleine Mario weigert sich vor dem Spiel nämlich standhaft, die Kabine zu verlassen. Grund: Ihm ist erst auf der Fahrt nach Dortmund aufgefallen, dass er auf der Heimreise von London seine geliebten iPod-Kopfhörer in XXL mit denen von Julian Draxler verwechselt hat – jetzt möchte er unbedingt nach Frankfurt fahren, um diese zurückzutauschen. Als Thomas Müller ihn zudem damit aufzieht, die schicke Wollmütze, die er auf dem Kopf trage, sei eigentlich die von André Schürrle, ist es mit der Beherrschung des Ex-Dortmunders ganz vorbei. Zwar bekommen ihn die Mitspieler irgendwie auf den grünen Rasen gelotst, doch seine emotionale Formschwäche zieht das komplette Team runter und die Münchner verlieren mit 1:2.

Katalanen in Stuttgart

Apropos André Schürrle, der ist in London in den falschen Bus gestiegen, seinen Kumpels aus der Nationalmannschaft dann aus alter Gewohnheit in den Flieger gefolgt – und hat sich erstmals am Frankfurter Flughafen gefragt, was er da eigentlich treibt. Weil es von dort nur ein Katzensprung nach Mainz ist und er seine alten Kollegen vermisst, tut Schürrle spontan das Naheliegende und fährt Tuchel und Co. besuchen. Der Trainer stellt ihn ebenso spontan für das Sonntagsspiel gegen die Bremer auf, das die Mainzer prompt mit 3:1 gewinnen.

Aber der Reihe nach, los geht’s natürlich mit dem Vergleich der Stuttgarter Schwaben gegen die Borussia aus Mönchengladbach am Freitagabend. Diese Ansetzung gibt den spanischen Kollegen des FC Barcelona die Gelegenheit, sich ter Stegen, an dem sie nun auch offiziell ihr Interesse bekundet haben, in Aktion zu betrachten. Mit einer Entourage von 25 Mann ziehen die Katalanen sämtliche Aufmerksamkeit auf sich, so dass der Kick zur Nebensache wird; die gewinnen die Gladbacher aber souverän mit 3:0 – ter Stegen spielt fehlerfrei.

Mirko der Familienmensch

Mehr talent- als fehlerfrei präsentieren sich indes die Spieler des Nürnberger Clubs gegen den ehemaligen Coach Dieter Hecking. Die Mannschaft bietet ein derart jämmerliches Schauspiel, dass die DFL gerüchtehalber darüber nachdenkt, die Ligatabelle auf 19 aufzublasen, um einen Puffer zwischen Rang 17 und den Franken zu schaffen, der den eklatanten Klassenunterschied deutlich machen soll. Überraschend wacker schlägt sich dagegen weiter der FC Augsburg, der den Hoffenheimern in einer rasanten Partie zwei Tore einschenkt und einen Punkt abtrotzt.

Aufatmen kann zudem Christian Streich, der beim Auswärtserfolg seiner Jungs den zweiten Dreier der Saison bejubeln darf. Weiterhin vom ersten Heimdreier träumt derweil Eintracht Frankfurt, stattdessen wird das Team von den Schalkern gleich mit 4:0 überrollt. Und damit nicht genug wird auch noch Torhüter Kevin Trapp nach dem Spiel im vertrauten Dialog mit Jens Keller gesichtet – was bei den SGE-Fans die Sorgen darum, Trapp ab der kommenden Saison an die Schalker zu verlieren, weiter schürt. Im Norden zeigt sich ein Torhüter, über dessen Form zuletzt zumindest flüsternd spekuliert wurde, in glänzender Verfassung: René Adlers Paraden und der abermals starke Strafraumbulle Pierre-Michel Lasogga sichern dem Hamburger SV einen 1:0 Heimsieg gegen auswärts erneut erschreckend formschwache 96er. Hannovers Manager Dirk Dufner, zuletzt deutlich verschnupft über die öffentliche Kritik des Clubchefs Martin Kind an seiner Leistung und der des Trainers, findet hinterher aufbauende Worte für Mirko Slomka: „Dem Mirko ist ja auch seine Familie sehr wichtig, der braucht es nicht zwingend, im Fußball zu arbeiten.“

Wie der aktuelle Familienstand bei Michael Preetz ist kann und soll an dieser Stelle gar nicht erst erörtert werden, der Tabellenstand der Hertha ist nach einem verdienten Heimsieg gegen das erneut komplett durchrotierte Team aus Leverkusen jedenfalls sehr deutlich oberhalb der Erwartungen. Wenn das so weiter geht, ist die Hauptstadt am Ende der Saison gleich mit zwei Vereinen in der 1. Liga vertreten, was nur damit zu erklären ist, dass sich der Fußballgott eine Woche vorm ersten Advent bereits im Glühweinkoma befindet.

  • Dortmund – Bayern               2:1
  • Bremen – Mainz                     1:3
  • Stuttgart – Gladbach             0:3
  • Nürnberg – Wolfsburg           1:5
  • Augsburg – Hoffenheim        2:2
  • Braunschweig – Freiburg       1:2
  • Frankfurt – Schalke               0:4
  • Hertha – Leverkusen              1:3
  • Hamburg – Hannover            2:2

Mara Braun

Dieser Text wurde am 21. November um 13:15h fertiggestellt.

Mara Braun, geboren 1978 in Heidelberg, aufgewachsen im hessischen Odenwald mit einem Abstecher nach Mississippi, seit 1998 in Mainz am Rhein. Studium der Filmwissenschaft & Publizistik. Journalistin, Autorin, Fußballbegeisterte, Bücherwurm, Überzeugungstäterin. Im September 2013 erschien „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf). Mara Braun bei Facebook, bei Twitter, im Blog. Mara Braun in Action.

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