Geschrieben am 7. Februar 2015 von für Crimemag, Kolumnen und Themen

Hinter der Linie, vor dem Spieltag (20)

Mara Braun_neuHinter der Linie, vor dem 20. Spieltag

– Eine Fußballkolumne von Mara Braun.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen so geht, aber ich fühle mich in Sachen Fußball gerade ein klein wenig überfordert. Eben war noch Winterpause (wobei Pause eigentlich das falsche Wort ist, da man vollauf damit beschäftigt war, sich die Namen und Positionen sämtlicher Neuzugänge korrekt einzuprägen), jetzt steht nach nur einer knappen Woche direkt der dritte Spieltag der Rückrunde ins Haus – und der erste Trainer ist auch bereits entlassen. Man weiß nicht, wen man mehr bedauern soll, Jos Luhukay, der wie viele vor ihm zu spüren bekommen hat, dass Dankbarkeit und Geduld im Fußball leider kaum Platz haben – oder Pal Dardai, die nächste arme Sau also, der Michael Preetz künftig an der Seitenlinie auf die Trainerpelle rücken wird.

Wobei Mitleid oft genug ein Geschenk ist, auf dessen Übergabe der damit Bedachte nur allzu gerne verzichtet. Davon kann Jürgen Klopp derzeit ganz sicher ein Liedchen singen, obschon ich bezweifle, dass dem Motivator vom Dienst zum Singen zumute ist, während ausgerechnet seine Kernkompetenz überall in Frage gestellt wird. Natürlich gibt es keine Zweifel daran, dass Kloppo überdies ein fantastischer Coach ist, aber wer je in Mainz unterm Theaterbalkon stand, wenn er zum Mikro griff, um eine seiner magischen Reden zu halten weiß, der Mann kann Menschen mitreißen und begeistern wie kaum ein zweiter. Umso verwunderter muss man sich die Augen rubbeln angesichts dessen, was da gerade in Dortmund passiert. Und umso inniger den Schwarzgelben wünschen, dass sie noch einen Moment länger die Ruhe bewahren, weil es einfach nicht vorstellbar ist, dass es Kloppo nicht am Ende doch gelingen wird, das Ruder herumzureißen: Für solche Jobs wurde er geboren.

Bitte schweigen Sie jetzt (und für alle Zeiten)

Aus Mainzer Sicht nicht für seinen Job geboren ist Sky-Reporter Klaus Veltman – zumindest, wenn der lautet, ein Spiel der 05er zu kommentieren. Es hatte beinahe komödiantische Züge, wie Veltman beim Spiel gegen Hannover 96 immerzu betonte, die Mainzer seien im Angriff ohne Okazaki völlig harmlos – als hätten die nicht drei Tage zuvor fünf (!) Tore geschossen, bei denen der Japaner ohne direkte Beteiligung geblieben war. Auch die Theorien zu Trainer Hjulmand, der in Sachen Strahlkraft das Niveau der Vorgänger Klopp und Tuchel wohl nicht erreichen werde, wirkten arg verschwurbelt. Immerhin, die Leistungssteigerung der Mainzer in Hälfte zwei war derart bestechend, dass sie auch Veltman nicht verborgen blieb. Ein Gutes hat die Sache außerdem, denn auf der Suche nach dem Namen des so Kommentierenden bin ich auf einen unterhaltsamen Blog gestoßen, den ich hier wärmstens empfehle: „Wie heißt der Moderator von dem Spiel?“ „Erstens: Das heißt Kommentator. Zweitens: Das ist Wolff Fuss, solltest du mittlerweile wissen. Drittens: Guck halt demnächst im Kommentatorenblog!“

Erst mal aber gucken wir alle wieder Fußball, und da passiert am Wochenende das Folgende: Schalke unterliegt gegen Gladbach ohne Klaas-Jan Huntelaar, auch bekannt als „Torjäger mit der kurzen Zündschnur“, so verdient wie deutlich. Beim Duell ums dickste Scheckbuch kann Wolfsburg sich gegen Hoffenheim durchsetzen, wo man sich wünscht, nie derart euphorisch über die Testspielergebnisse der Wintervorbereitung gejubelt zu haben. Mainz ist zu Hause endlich wieder eine Macht und besiegt die Hertha trotz deren Trainerwechsel. Im Breisgau beenden Freiburg und Dortmund den Arbeitstag mit jeweils einem Punkt und der Erkenntnis, dass die Hoffnung lebt – die Angst aber nicht besiegt ist. Stuttgart beschert den Bayern den ersten Rückrundendreier, während Köln gegen doch nicht völlig harmlose Paderborner den Heimfluch am Leben hält. Endlich mal wieder einen Heimsieg gibt’s dagegen beim Duell des großen gegen den kleinen HSV, während Bremen zu Hause unentschieden gegen Leverkusen spielt und die Augsburger einfach weiter gewinnen, egal, wo und gegen wen sie antreten.

Die Ergebnisse im Überblick
Schalke – Gladbach 1:4
Wolfsburg – Hoffenheim 5:4
Mainz – Hertha 3:1
Freiburg – Dortmund 1:1
Stuttgart – Bayern 0:3
Köln – Paderborn 1:2
HSV – Hannover 2:1
Bremen – Leverkusen 2:2
Augsburg – Frankfurt 3:1

Mara Braun

Mara Braun, geboren 1978 in Heidelberg, aufgewachsen im hessischen Odenwald mit einem Abstecher nach Mississippi, seit 1998 in Mainz am Rhein. Studium der Filmwissenschaft & Publizistik. Journalistin, Autorin, Fußballbegeisterte, Bücherwurm, Überzeugungstäterin. Im September 2013 erschien „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ und am 15. Januar 2015 „111 Gründe, an die große Liebe zu glauben“ (beide Schwarzkopf & Schwarzkopf). Mara Braun bei Facebook, bei Twitter, im Blog.

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