Geschrieben am 9. November 2013 von für Crimemag, Kolumnen und Themen

Fußballkolume: Hinter der Linie, vor dem Spieltag

Was haben Fußball und Crime Fiction miteinander zu tun? Nein, spannend wie ein Krimi lassen wir als Dumpfbatzmetapher nicht durchgehen. Samstag ist Krimitag und Spieltag auch. Außerdem hängt sowieso alles mit allem zusammen. Kriminalliteratur, Comics, Filme, Alkoholika, Jazz und Fußball. Das ist nun mal so. Das reicht uns.

Deswegen sind wir high und happy, Ihnen endlich eine kompetente Fußball-Kolumne anbieten zu können. Mara Braun bespricht samstags den Spieltag und kommentiert die Ergebnisse. Ach, die können differieren? Umso schlimmer für die Realität, würde Hegel sagen. Eben! Von nun an jeden Samstag (und bei Bedarf auch mittwochs):

Mara BraunHinter der Linie, vor dem Spieltag

Eine  Kolumne von Mara Braun

Es gibt ja bekanntlich solche und solche Spieltage. Nach den einen herrscht anschließend ein paar Tage Ruhe auf dem Rasen, bei Erstligisten ab Montag, für Anhänger der Zweitligaclubs ab Dienstag, bis die Liga freitags wieder alle Fans in den Stadien und Kneipen der Republik vereint. Nach den anderen geht es nach dem Zweitligatopspiel am Montag tags drauf nahtlos mit der Champions League weiter, am Mittwoch folgt die zweite Hälfte dieses internationalen Spieltags, den Donnerstag überbrückt die unattraktivere kleine Schwester der Champions, die Europa League – und am Freitag, Sie ahnen es: Bundesliga.

Alles Termine, die fußballaffine Menschen natürlich aus dem Effeff benennen können – und dass „die anderen“, Menschen also, die sich für Fußball wenig bis gar nicht interessieren, sie nicht verinnerlicht haben, ist nur die Steigerung der generellen Absonderlichkeit, dass es sie, also nicht so an Fußball Interessierte, überhaupt gibt.

Augsburg ärgert die Bayern

Zwischen dem vergangenen 11. Spieltag und dem aktuellen 12. in der ersten Bundesliga gab es jedenfalls keinen Grund für fußballerische Langeweile, sondern eine europäische Woche. Für die Clubs, die in diesen Wettbewerben mitmischen (Bayern München, Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund, Schalke 04, SC Freiburg und Eintracht Frankfurt) bedeutet das natürlich mehr Stress und weniger Regeneration, woraus sich deren Gegner am Spieltag einen kleinen Wettbewerbsvorteil erhoffen. Das gilt auch für den FC Augsburg, der im bayerischen Derby (diesem total überstrapazierten Begriff werden Sie gleich noch häufiger begegnen) gegen den großen Bruder, den FC Bayern antreten muss.

Dessen letzte drei Gegner Mainz, Hertha und Hoffenheim wurden in der Reihenfolge jeweils zum bislang stärksten Kontrahenten des Meisters hochgelobt, weil sie sich nicht mit elf Mann hinten rein stellten, sondern tapfer ihr Spiel machten. Was zwar nichts am Bayernsieg änderte, ihn aber immerhin ein wenig verzögerte und weniger eindeutig machte. Nach diesem Prinzip ging es unter der Woche gegen Pilsen weiter, den Bayern gelang bloß ein mühseliges Tor und Kapitän Philipp Lahm erklärte später eindringlich, man müsse aufpassen, auf die Art nicht am Ende tatsächlich mal ein Spiel zu verlieren.

Allein, die Warnung ist offenbar nicht bei Teamkollege Boateng angekommen, der kurz vor Abpfiff eines eher müden Kicks Augsburgs Altintop entwischen lässt – 1:0 Derbysieg für die kleinen Bayern. Darüber jubelt nicht nur die Fuggerstadt, sondern auch ganz Hamburg, denn mit der ersten Niederlage nach 36 Spieltagen gelingt es den Bayern nicht, den 30 Jahre alten Rekord des HSV, den man gegen Hoffenheim noch eingestellt hatte, auch zu übertrumpfen.

Mein Derby, dein Derby, unser Derby

Die Bayern sind an diesem Spieltag nicht alleine damit, ein Derby zu bestreiten. Zumal, mit ein wenig gutem Willen lässt sich ohnehin fast jedes Duell zu einem solchen hochjazzen, im Dienste der Emotionssteigerung … Aber bitte nicht bis ins Unendliche, denn man weiß ja nie, wann der Fußballfan, das unbekannte Wesen, unter Einfluss von 18-35 Liter Stadionbier die nächste Kleinstadt per Vorgartengepinkel unter Wasser setzt – oder mit der Feuerwurst einen Brand im Stadion legt. Wir sehen vielleicht nicht so aus, aber wir sind total gefährlich.

Äh … Derby. Gilt an diesem Tag auch für die Partien Hannover gegen Braunschweig, Freiburg gegen Stuttgart und Mainz gegen Frankfurt. Hoffenheim und die Hertha indes beginnen beide mit einem „H“, Mönchengladbach und Nürnberg mit den aufeinander folgenden Buchstaben „M“ und „N“, man könnte also versuchen, sie als Alphabetsderbys zu verkaufen? Leverkusen gegen den HSV, Wolfsburg gegen Dortmund und Schalke gegen Bremen müssen leider ihre Zuschauer finden, ohne sich mit dem Derbybegriff schmücken zu dürfen, wobei man bei der Partie der Hamburger ja zumindest aufs parallel laufende Derby der Bayern mit der bekannten Auswirkung auf den HSV-Rekord verweisen kann.

Hannover ohne Punkte, Freiburg ohne Laterne

In Mainz herrscht derzeit eine mittelschwere Torwartflaute, weil Heinz Müller verletzt ist und die Nummer 2, Christian Wetklo, gegen Nürnberg Rot gesehen hat; da sehen Sie mal, wo das hinführen kann mit den Emotionen im Fußball … Macht aber nichts, dafür laufen die 05er mit neuerdings bis zu sechs Verteidigern auf und während es unwahrscheinlich ist, ein Spiel so zu gewinnen, stehen die Chancen gut, es auch nicht zu verlieren. Hinzu kommen schweren Beine der Frankfurter nach dem Europa League Spiel am Donnerstag, und weil Noveski gerade mal kein Eigentor schießt, obwohl es gegen die Eintracht geht, endet das Spiel mit 0:0.

Ein Ergebnis übrigens, von dem die Hannoveraner nur träumen können, denn die Heimstärke der Niedersachsen, die schon beim 1:4 vor 14 Tagen gegen Hoffenheim ein Nickerchen hielt, verschläft auch das brisante Derby, das die Braunschweiger mit 2:1 für sich entscheiden. Eine Schande historischen Ausmaßes, für Braunschweig dagegen nach Siegen in Wolfsburg sowie gegen Leverkusen die dritte Sensation binnen weniger Wochen, und kurz vor St. Martin singt die Auswärtsfankurve begeistert: „Ich geh’ ohne meine Laterne.“ Spitzen Idee, natürlich auch in puncto Sicherheit.

Ein bisschen Sicherheit täte auch dem Team der nervösen Trainerentlassungen gut, doch Stuttgart taumelt unter Schneider und nach der 6:1-Klatsche gegen Dortmund weiter und muss sich Freiburg 3:1 geschlagen geben. In gleicher Höhe siegt Mönchengladbach gegen die Nürnberger, Schalke und Bremen trennen sich nach erneutem Hildebrand-Patzer 2:2, ebenso wie Leverkusen und der HSV. Und das, obwohl Hyypiä die Werkself nach der durchrotierten Startelf des vergangenen Spieltages diesmal gleich mit einem Fünfersturm starten lässt – was aber klar zu Lasten der Verteidigung geht. Die Verteidiger in Wolfsburg sind indes kaum ein Hindernis für den Sturm des BVB, der die Autostadt mit 4:1 überrennt. Gepflegte Langeweile dagegen in Hoffenheim beim torlosen Remis gegen die Hertha.

Und ein Blick noch nach Spanien und England: In der spanischen Liga muss Real Madrid an diesem 13. Spieltag eine peinliche Pleite gegen Sociedad hinnehmen – woraufhin das Team aus San Sebastian geschlossen und frei nach Sepp Blatter den „Ronaldo“ tanzt. Auf der Insel verwirrt Ex-Mainzer André Schürrle Team und Fans nach seinem 2:1-Siegtreffer für Chelsea an diesem 11. Spieltag mit lauten „Helau“-Rufen, während seine Familie Luftschlangen auf den Platz pustet. Der FC Arsenal stellt derweil beim 3:2 gegen ManU erneut unter Beweis, auch gegen starke Gegner gewinnen zu können und beißt sich an der Tabellenspitze fest.

Fußball kann so schön sein!

  • Braunschweig – Hannover 2:1
  • Bayern – Augsburg 0:1
  • Schalke – Bremen 2:2
  • Leverkusen – HSV 2:2
  • Wolfsburg – Dortmund 4:1
  • Hoffenheim – Hertha 0:0
  • Gladbach – Nürnberg 3:1
  • Mainz – Frankfurt 0:0
  • Freiburg – Stuttgart 3:1
  • Madrid – Sociedad 0:1
  • Chelsea – West Brom 2:1
  • Arsenal – ManU 3:2

(Dieser Text wurde am Freitag, den 08.11.2013 um 13:50 Uhr fertiggestellt)

Mara Braun

Mara Braun, geboren 1978 in Heidelberg, aufgewachsen im hessischen Odenwald mit einem Abstecher nach Mississippi, seit 1998 in Mainz am Rhein. Studium der Filmwissenschaft & Publizistik. Journalistin, Autorin, Fußballbegeisterte, Bücherwurm, Überzeugungstäterin. Im September 2013 erschien „111 Gründe, Mainz 05 zu lieben“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf). Mara Braun bei Facebook, bei Twitter, im Blog.

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