All posts by Thomas Groh

Thomas Groh, Jahrgang 1978, lebt in Berlin und im Internet. Er schreibt über Filme, unter anderem für den Tagesspiegel, den Freitag, die taz und die Kölner Stadtrevue. Da er davon wider Erwarten bislang nicht reich geworden ist, sorgt er außerdem als Redakteur beim Deutschlandfunk Kultur dafür, dass die Radiobeiträge seiner geschätzten Kollegen auch im Netz eine Heimat finden, und durchforstet für das Online-Kulturmagazin Perlentaucher.de tagtäglich die Kulturteile der großen Zeitungen nach lesenswerten Auf- und Anregern. Daselbst sind auch zahlreiche seiner Filmkritikern online zu finden. Mit seinem Filmtagebuch gründete er Anfang des Jahrtausends eines der ersten Filmblogs in deutscher Sprache - auch wenn es seit geraumer Zeit brach liegt. Seine neue Webpräsenz endlich mit Inhalten zu füllen, ist sein guter Vorsatz für das Jahr 2018. Die Links dazu: Perlentaucher: https://www.perlentaucher.de/ptautor/thomas-groh.html Filmtagebuch: http://filmtagebuch.blogger.de Neue Webpräsenz: http://thgroh.blogspot.de/ Auf Twitter ist er als @midnightradio bekannt: https://twitter.com/midnightradio

Posted On Februar 21, 2024By Thomas GrohIn Crimemag, CrimeMag Februar 2024

Thomas Groh: Berlinale-Log (2)

Thomas Groh und Katrin Doerksen gehören zum kleinen Kreis der (nicht nur von uns) hochgeschätzen jüngeren Filmkritiker im Land – wir freuen uns sehr, dass sie für uns die Berlinale beobachten und in lockerer Folge davon berichten. – Schauen Sie gerne wieder vorbei. Ihr gemeinsamer Vorbericht für 2024 hier. Katrins Logbuch #1 (Zwischen Bußgang und Befreiungsschritt liegt manchmal nur ein Gegenschuss) hier, ihr Logbuch #2 hier nebenan. Zu Thomas Grohs Berlinale-Log (1) geht es hier. Mit den roten Fäden auf so einem Festival ist es manchmal so eine Sache. ManchmalRead More

Posted On Februar 17, 2024By Thomas GrohIn Crimemag, CrimeMag Februar 2024

Thomas Groh: Berlinale-Log (1)

Samstagnachmittag, die Berlinale groovt sich langsam ein. Noch ist es zu früh, um rote Fäden (wobei: sektionenübergreifend ist die Erfahrung historischer wie gegenwärtiger Totalitarismen fühlbar stark Thema, insbesondere aus weiblicher Sicht) zu identifizieren oder gar Bärenfavoriten auszurufen. Aber ein erster Abgleich lässt sich vielleicht wagen: Kurz vor Festivalbeginn brachte der Tagesspiegel eine kleine Prognose von Dominik Graf: “Viel karges Kino im freudlosen Büßergewand” werde es wohl geben, aber “kaum Exzesse, kaum Ambivalenzen, kaum gewagte Diskurs-Verunreinigungen und provozierende Fragwürdigkeiten”. Allerdings erwarte er sich vom Forum, in diesem Jahr erstmals von BarbaraRead More
St. Pauli. Wenige Orte in Deutschland haben so einen Klang. Hier lockt das Versprechen auf die Große Freiheit mit dem Klimpern einer Straßenprostituierten auf der Suche nach dem nächsten Kunden. Oft genug ist der Preis, den man dafür zahlt, der Große Absturz. St. Pauli, das ist der Unterleib Deutschlands. Vielleicht auch sein triebhaftes Es. Tage außerhalb der Zeit, Raum außerhalb des Raums. Interzone. Der Ort, an dem Glücksritter nach den Sternen greifen und doch nur in der Gosse landen. Wo man ganz groß rauskommt – fragen Sie diesbezüglich in LiverpoolRead More
Genre in Deutschland Die Achtziger. Das kalte Neon-Jahrzehnt. Reagan, Thatcher, Kohl – der Siegeszug des Neoliberalismus. Hedonismus im Schatten der Atombombe. Das Jahrzehnt der Metropolen. Frankfurt etwa. Kühl und nächtlich schimmernd liegt die Stadt einem zu Füßen, belebt von den glühend weißen Adern der Straßen. Die Welt ist verplombt. Aber es lässt sich gut aushalten darin, wie die Kamera nach einem waghalsigen Schwenk verdeutlicht. Nämlich dann, wenn man hier oben, in dem Hochhaus, von dem aus wir auf die Stadt blicken, aus einem Swimming Pool steigen kann. Dort unten derRead More
Realitäts-Nuggets der alten Bundesrepublik Große Filmproduzenten nach Marke des Tycoons, große Panzerkreuzer-Kapitäne also, die den Laden zusammenhalten, manisch nach Größerem streben, ihre Leute zum Guten wie zum Schlechten einpeitschen und dabei noch souverän auf dem Parkett zwischen gehobener Gesellschaft und Boulevard steppen, solche Filmproduzenten sind in der bundesdeutschen Geschichte eher selten: Lediglich Artur Brauner und dessen Konkurrent Horst Wendlandt entwickelten langfristig Legendenstatus, eine Generation später natürlich auch Bernd Eichinger. Zählt Günter Rohrbach mit seinen unbestrittenen Verdiensten auch in diese Riege? Dass aus der Gegenwart Oliver Berben einmal einen vergleichbaren StatusRead More
Heißes Pflaster Frankfurt – Sehnsuchtsort und Sündenpfuhl Eine Wertschätzung von Thomas Groh Das Jahr ist 1981. Die Kaiserstraße, wo sich heute neben Streetfood, Restaurants und modernen Supermärkten heute höchstens noch Touristen aus der entlegensten Provinz gruseln, wenn sie mal von einem Schnorrer angesprochen werden, die Kaiserstraße also war seinerzeit noch fest im Griff des Milieus: Zwielichtige Schuppen, Prostitution, Spielhallen bestimmen das Straßenbild und festigen den Ruf des Verbindungsstücks zwischen Hauptbahnhof und Finanzviertel als Frankfurts berüchtigster Straße. Und mitten drin: Der beschauliche Blumenladen von Onkel Ossi – der große Kurt RaabRead More
Eine Art Filmhochschule in nuce Expeditionsbericht von Thomas Groh Zeitenwenden, die die Geschichte des Kinos in ein “Davor” und “Danach” einteilen, gibt es einige: Der erste Schnitt, der erste Spezialeffekt, der erste dramaturgisch voll ausgefeilte Erzählfilm, der erste Synchronton, der erste Farbfilm – allesamt Etappen auf dem Weg dahin, was man auch heute noch Kino nennt. Und dann natürlich: die großen Filme, die Epochen und Vorstellungen dessen, was unter Kino läuft, schlagartig neu definierten. Der 25. Mai 1977 ist so ein Schicksalsdatum, nach dem vieles anders war als zuvor: EsRead More
Enthemmung mit angezogener Bremse Eine Filmkritik von Thomas Groh, den wir herzlich bei CrimeMag begrüßen. Mit Death Wish greifen Joe Carnahan (Drehbuch) und Eli Roth (Regie) das Problem realer Waffen- und Gang-Gewalt in Chicago auf, über das Filmfreunde spätestens seit Spike Lees Chi-Raq informiert sind: Mit der einfühlsam erzählten, 2016 bei der Berlinale gezeigten Satire sensibilisierte der einstige Pionier des New Black Cinema für die gesellschaftliche Lage und forderte vehement Frieden für die South Side ein. Genutzt hat dieses Plädoyer nur wenig: Im Jahr 2016 ist die Mordrate nochmals angestiegenRead More