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Aaron Sorkins Game Beatrice Behn von kino-zeit.de hat sich Molly’s Game angesehen. Da ist sie: Molly Bloom (Jessica Chastain), eine Frau, die ganz Amerika kennt. Einst war sie noch Anwärterin auf einen Platz im olympischen Team, drittbeste auf der Buckelpiste, doch nun kennen sie alle als die Molly Bloom, die große Poker-Partys veranstaltet hat, bei denen pro Nacht gern mal mehrere Millionen über den Tisch gehen. Wie zum Teufel eine junge Frau aus Idaho zur Pokerkönigin der Ostküste werden konnte, genau das erforscht Aaron Sorkins Molly’s Game. Und das aufRead More
Enthemmung mit angezogener Bremse Eine Filmkritik von Thomas Groh, den wir herzlich bei CrimeMag begrüßen. Mit Death Wish greifen Joe Carnahan (Drehbuch) und Eli Roth (Regie) das Problem realer Waffen- und Gang-Gewalt in Chicago auf, über das Filmfreunde spätestens seit Spike Lees Chi-Raq informiert sind: Mit der einfühlsam erzählten, 2016 bei der Berlinale gezeigten Satire sensibilisierte der einstige Pionier des New Black Cinema für die gesellschaftliche Lage und forderte vehement Frieden für die South Side ein. Genutzt hat dieses Plädoyer nur wenig: Im Jahr 2016 ist die Mordrate nochmals angestiegenRead More

Posted On Februar 15, 2018By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag Februar 2018

Film & Comic: Black Panther

Wakanda forever! Von Sonja Hartl Wakanda ist eine Utopie: Ein Staat in Afrika, der nicht kolonialisiert wurde und seine Bodenschätze, seinen Reichtum, seine technologische Fortschrittlichkeit vor der Welt verbirgt. Ein idealer Handlungsort für den Afrofuturismus – und von drei Werken optimal genutzt. Willkommen in der „World of Wakanda“ Roxane Gay hat für Marvel ein Superheldencomic geschrieben, in dessen Zentrum zwei Frauen stehen, die Schwarz sind und einander lieben. Allein dieser Satz löste bei mir Begeisterung aus, aber ein Happy End hat diese Geschichte dennoch nicht: Ihre Reihe „World of Wakanda“Read More
Blut, Schweiß und Pathos: Keep calm and admire Winston!? Offenbar war er noch nie so wertvoll wie heute – jedenfalls für Historiker, Sachbuch-Autoren und Film-Regisseure: Das Churchill-Enigma fasziniert das Publikum in diesen turbulenten Brexit-Zeiten immer noch. „Darkest Hour“ (Regie: Joe Wright, mit Gary Oldman als Churchill) zeigt den britischen Nationalhelden Winston Churchill (1874-1965) im Mai 1940 als Staatsmann, Krisenmanager und Retter vor dem Nazi-Terror. Gegenüber den Appeasern Chamberlain und Halifax hat er zwar einen schweren Stand, aber er setzt sich mit seinem „Never surrender“-Kampfgeist und seiner elektrisierenden Rhetorik durch. DochRead More
„Fuck. This. Shit.“  Britta Tekotte zeigt uns, wie in der aktuellen substanziellen Serie „The End of the f***ing World“ der ungewöhnlichste Road Trip zur Emanzipation der jugendlichen Reisenden führt. Was ziemlich drastisch beginnt, wird zu einem nicht weniger unterhaltsamen Roadmovie und einer powerful-sweeten High-School Dramedy. Er, James, 17 Jahre alt, High-School-Außenseiter, sucht ein Opfer zum Töten. Sie, Alyssa, 17 Jahre alt, High-School-Neuling, sucht ein ‚Opfer’ zum Lieben. Das Motto ‚Gegensätze ziehen sich an’ ist hier zunächst eher für die Zuschauer*innen interessant: zwei Figuren, die extrem gegensätzlich sind und sehr GegensätzlichesRead More
Das Recht auf Rechnung Simon Hauck hat sich die DVD angeschaut. Seine Kritik erschien zuerst auf kino-zeit.de   „Ich bin ein volkstümlicher Künstler“, sagte Sergio Corbucci (1927-1990) gerne gegenüber Filmjournalisten. Er wolle mit seinem Kino schlichtweg jeden erreichen, erklärte er einst im ruhmreichen Cinecittà der frühen 1960er Jahre, als er dort als ziemlich erfolgreiches Junggenie eine Reihe von Komödien (Toto, Peppino und das süße Leben) und Sandalenfilmen (Romulus und Remus) wie im Akkord drehte: Ob dabei Akademiker oder Bauarbeiter seine Filme schätzten – oder am Ende gar keiner mehr, wurdeRead More
Eine Hühnersuppe mit Folgen  Sonja Hartl von kinozeit.de empfiehlt! Es ist ein Anfang wie im Western: Weite, trockene, staubige Landschaften sind zu sehen. Inmitten der Hügel liegt ein einsames Haus mit einigem Vieh dahinter. Ein Fremder nähert sich diesem Haus. Und hier liegt dann der erste Bruch mit den Western-Konventionen: Er sitzt nicht auf einem Pferd oder von Pferden gezogen Wagen, sondern auf einem knatternden Motorrad. Als er vor dem Haus hält, streift sein Blick kurz einen Grabstein, dann klopft er an der Tür. Eine Frau öffnet ihm – undRead More
Rache ist süß! Beatrice Behn, Kritikerin bei kino-zeit.de, hat schon mal hineingeschaut in den Film: Die titelgebenden Plakatwände aus Three Billboards outside Ebbing, Missouri sind der brillante Stein des Anstoßes einer ganzen Serie von Ereignissen und einem neuen Film von Martin McDonagh, der der großen Frances McDormand hier die Leinwand überlässt. Und sie macht das allerbeste daraus und brilliert als bittersüßer Racheengel in wirklich jeder köstlichen Sekunde dieses Filmes. Wer Brügge sehen … und sterben? mochte und 7 Psychosgelungen fand, der wird sich nach Three Billboards outside Ebbing, Missouri alle zehn Finger lecken, denn dieser Film istRead More
Pate wider Willen Joachim Kurz ist Chefredakteur bei kino-zeit.de. Dass deutsche Serien derzeit eine echte Hype-Phase erleben, kann man gerade schön an dem medialen Widerhall sehen, den Baran Bo Odars Netflix-Produktion Dark für sich verbuchen kann. Dabei gerät aber – auch typisch für die hiesige Medienlandschaft – 4 Blocksetwas in den Hintergrund, eine Serie, die gerade ihre Free-TV-Premiere feiert und das Zeug dazu hat, dem Mystery-Format in Sachen Originalität und Schlagkraft den Rang abzulaufen. Die titelgebenden vier Blocks im Berliner Stadtteil Neukölln zwischen Sonnenallee und Hermannstraße sind das Gebiet des libanesischen Hamady-Clans; hier beherrschenRead More

Posted On Januar 15, 2018By Beatrice BehnIn Crimemag, CrimeMag April 2018, Film/Fernsehen

DVD: Atomic Blonde

Einfach direkt in die Fresse Beatrice Behn von kino-zeit.de hat die DVD gesehen: Manchmal sind die besten Filme die schnörkellosen. Die, die einfach ganz geradlinig und verrotzt, dafür mit ordentlich Selbstbewusstsein ihre Geschichte erzählen. Und genau so ein Film ist Atomic Blonde. Kein Bild ist zu viel, keine Handlung unnütz. Und mittendrin prügelt sich Charlize Theron aus guten Gründen um Kopf und Kragen, eingefangenen von einem Regisseur, der selbst lange Zeit Stuntman war und weiß, wie man Körperlichkeit inszeniert: David Leitch, bekannt geworden durch den ähnlich harten, geradlinigen Film John Wick, beweistRead More
Thomas Adcock Max Annas Sandi Baker Rolf Barkowski Ulrich Baron Thomas Adcock Best of American Culture – Year 2017 – Offered without question or hesitation: The best thing about Year 2017 in America, and the world for that matter, was mass resistance to the fascist wet dreams of a spray-tanned megalomaniac and his comrades in shame and criminality—the bankers, bigots, and bullies of Washington. A backlash to the grievous election of Donald J. Trump began, formally, with the “Women’s March” of January 21, the day after a toxic bag ofRead More
Jon Bassoff Harry Bingham Peter Blauner Lawrence Block Katja Bohnet William Boyle Ken Bruen Declan Burke James Lee Burke Jon Bassoff Things are dark in America with our pseudo-fascist, anti-intellectual government securely in place, so the only thing that can make me feel better is the arts. Perhaps I will soon lock myself inside an abandoned bowling alley with only my booze, books, music, and literature to keep me company. Yeah, that sounds good. I really like to bowl, too! Here’s my short list of what I was reading, watching,Read More
Garry Disher Anita Djafari Katrin Doerksen Joachim Feldmann Candice Fox Wolfgang Franßen Michael Friederici Garry Disher The Thomas Kell novels of Charles Cumming “Using people was the grammar of his trade and the structure of his personality.” (Charles Cumming, A Divided Spy) I was once a great reader of spy fiction, starting with the James Bond novels when I was twelve. One day my father took me aside uneasily and said, “Life’s not like that, son.” I think he was worried about the sex scenes.                   Later I read allRead More
Monika Geier Frank Göhre Tobias Gohlis James Grady Stephen Greenall Johannes Groschupf Monika Geier 2017. Dieses Jahr stand für mich unter einem gewichtigen Vorzeichen. Als Zahlenfetischistin mit einer festen persönlichen Bindung an die wunderbarste aller Primzahlen hatte ich fast schon Angst: Das einzige 17er Jahr, das ich in meiner Lebensspanne erreichen kann! Was, wenn es überhaupt nicht so toll werden würde? Die 17 ist: nicht perfekt, ziemlich unberechenbar, aber von Grund auf leicht und freundlich. Ein Lüftchen. Bisschen versponnen und sehr eigenständig. Meine Zahl. Ist dieses Jahr so geworden? BegonnenRead More
Sonja Hartl John Harvey Bodo H. Hechelhammer Brigitte Helbling Henny Hidden Stephen Hunter Sonja Hartl Dieses Jahr ist – oder war – vieles anders. Dieses Jahr ist ein US-Präsident namens Trump Realität geworden, dieses Jahr schreien immer mehr Menschen ihren Rassismus und Sexismus in die Welt, dieses Jahr haben sich die schlimmsten Befürchtungen über die Filmindustrie in Hollywood bewahrheitet. Aber dieses Jahr gibt es auch viele, die wütender, lauter und mutiger geworden sind. Dieses Jahr sind die, die nicht mehr alles hinnehmen, nicht mehr weggucken und nicht mehr schweigen wollen,Read More
Joe Ide Dietrich Kalteis Andreas Köhnemann Anne Kuhlmeyer Else Laudan Joe Ide My favorite crime novels of 2017: Wayfaring Stranger by James Lee Burke.  Weldon Avery Holland is not Dave Robicheaux but he is Dave Robicheaux. A man of enormous character, integrity and courage.  The writing is lyrical and brutal, beautiful and horrifying, intimate and sprawling,  a history lesson with lessons about now and forever.  Classic James Lee. (German title: Fremdes Land.) My Absolute Darling by Gabriele Tallent.    This book is too good.  Too suspenseful, too harrowing, too terrifying, too real,Read More
Tina Manske Alf Mayer Christina Mohr Christopher G. Moore Peter Münder Marcus Müntefering Tina Manske Comic des Jahres: Spät entdeckt, aber ich unterbreche die Lektüre hier nur gerade kurz, um diese Liste zu schreiben: Brodecks Bericht von Manu Larcenet nach dem Roman von Philippe Claudel. Es ist die Geschichte eines Außenseiters, der in einem kleinen Dorf zum Chronisten eines Verbrechens wird. Die schwarz-weißen Bilder entfalten eine Kraft des Unheimlichen, der man sich nicht entziehen kann. Wenige Worte genügen, um den Leser im Bann zu halten. Konzert des Jahres: Fishbach. Im KreubergerRead More
Andrew Nette Viet Thanh Nguyen Regina Nössler Ulrich Noller Frank Nowatzki Andrea O’Brien Roland Oßwald Andrew Nette As is the case every year my top ten books for 2017 are a mixture of old and new fiction, as well as non-fiction. In no particular order they are as follows: The Love of a Bad Man, Laura Elizabeth Woollett (Scribe) This is a collection of short stories told from the point of view of real women, all of whom were the lovers and wives of various bad men of history, including CharlesRead More
Lisa Sandlin  Claudia Schwartz (I & II) Wallace Stroby Estelle Surbranche Lisa Sandlin Any American of my persuasion would say we’re not ebbing but rushing to betray the ideals we stood for: rights, freedom, opportunity, an appreciation for the common good. Not that we achieved these goals. But some of us thought we stood for them anyway. Mildred Hays, the protagonist of writer and director Martin McDonagh’s new black comedy, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, is neither waiting nor standing.  Mildred (the always-amazing Frances McDormand), is campaigning against the lawmenRead More
WEB Christopher Werth David Whish-Wilson Benjamin Whitmer Thomas Wörtche WEB Jean-Pierre Melville: Der einsame Solitär des französischen – nein: des europäischen – Nachkriegsfilms startete seine Karriere gleich nach Kriegsende (1945) und war lediglich 55 , als er seinen letzten Film fertigstellte. Der elsässische Jude Jean-Pierre Grumbach, der sich während seiner Zeit in der Résistance über Nacht in Melville – nach dem Autor des Moby Dick – verwandelte, war alles: Genial, stur, rebellisch, hochstaplerisch, revolutionär, militant, bis zur Selbstaufgabe independent sowie ein Spieler und Hasardeur, der es geradezu darauf anlegte, aufRead More
Prolog                                                                „Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und das Wort war Gott.“[1] „Die Benennung von Dingen, die »der erste Anfang der Rede ist« (RV X 71,1), läßt diese erst ins Dasein treten. So ist die Göttin Vāc, zumindest in den Augen der Dichter,   die eigentliche Schöpferin der Welt.“[2] Das Problem Der Titel könnte entweder eine neue These formulieren (die im Grunde gar nicht so neu ist) oder einfach nur das Interesse der geneigten Leserschaft gewinnen wollen, aber sich bei näherer Analyse verflüchtigen.Read More

Posted On Dezember 16, 2017By Bodo V. HechelhammerIn Bücher, Crimemag, CrimeMag Dezember 2017

Buch: Norbert F. Pötzl: Casablanca 1943

»Schau mir in die Augen, Kleines!« von Bodo V. Hechelhammer.  … »Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft« oder »Spiels noch einmal Sam«, sind weltberühmte (deutsche) und unsterbliche Filmzitate, die jeder mehr oder weniger begeisterte Filmliebhaber ohne Probleme sogleich dem entsprechenden Film zuordnen können: »Casablanca«. Ohne Frage ein Kultfilm, der wie kaum ein anderer zu zahlreichen Mythen und Legendenbildungen geführt hat. Kein Film ist bis heute häufiger zitiert, als das meisterliche Werk von Michael Curtiz (1886-1962) aus dem Jahr 1942, mit Humphrey Bogart (1899–1957) und Ingrid Bergman (1915–1982)Read More
Was es mit der Macht auf sich hat Katrin Doerksen schribt für kino-zeit.de. Sie hat sich den neuen Teil der Kultreihe schon einmal angeschaut: Um das Star-Wars-Universum ranken sich seit jeher Gerüchte, Fantheorien, Wunschdenken. Eines davon bestätigte letztes Jahr Rian Johnson, der Regisseur des neuen Films Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi. Jeder Teil der aktuellen Trilogie sollte eine der drei ursprünglichen Hauptfiguren in den Mittelpunkt stellen. Erst Han Solo, dann Luke Skywalker, schließlich Leia Organa. Das System schien sich zu bewähren: Harrison Ford hatte in Star Wars:Read More
Eine Nacht in Detroit Sonja Hartl arbeitet unter anderem für kino-zeit.de. Wir freuen uns, dass sie und das Magazin uns regelmäßig spannende Filmrezensionen wie diese zur Verfügung stellen. Am Anfang von Kathryn Bigelows Detroit steht ein Prolog mit den Gemälden der Migration Series des afroamerikanischen Künstlers Jacob Lawrence. Sie erzählen von Unterdrückung, Armut und Ghettoisierung, sie verdeutlichen das langsame Anstauen der Wut über Ungerechtigkeit und Diskriminierung und verweisen auf den über Jahrhunderte institutionalisierten Rassismus in den USA. Zudem liefert dieser Prolog den sozialhistorischen Hintergrund, vor dem die Unruhen in DetroitRead More
Der Schattenmann Von Joachim Kurz Ein Auftrag, der unmöglich zu schaffen ist – und schon nimmt das Unglück seinen Lauf: Weil sein Chef wie selbstverständlich ein umfangreiches Dossier anfordert, das am nächsten Tag fertig sein muss, rastet der Unternehmensberater Duval (François Cluzet) aus und erleidet einen Burn out, der ihn für zwei Jahre auf die Bretter schickt. Nachdem er mit Hilfe einer Selbsthilfegruppe seine Alkoholprobleme mühsam in den Griff bekommen hat, kommt ein geheimnisvolles Jobangebot, das ihm ein Mann namens Clément (Denis Podalydès) unterbreitet, gerade recht, um den Schritt zurückRead More
Ornament und Verbrechen Simon Hauck, den wir hier herzlich im Kreis unserer CulturMag-Rezensenten begrüßen, hat sich intensiv mit der Jubiläumsedition für Jean-Pierre Melville beschäftigt. Sie enthält zehn Filme, davon vier von Mellvilles frühen Filmen zum ersten Mal auf DVD und Blu-ray, und umfangreiches Bonusmaterial. „Philosophisch gesprochen, ist mein Standpunkt im Leben extrem anarchistisch: Ich bin ein absoluter Individualist, und um die Wahrheit zu sagen, so will ich weder links noch rechts sein. Sicherlich lebe ich als ein Mann der Rechten. Ich bin ein rechtsgerichteter Anarchist – obwohl ich annehme, dass dasRead More