Story Tag

katze1
Vor dem Labor brummen die Monsterkühlschränke, Neonleuchten flackern. Nachts legen wir die Beine in die Kühlschränke. Aber die sind heute voll. Ich trage jede Woche ein Bein herauf. Schweiß klebt mir die OP-Kleider an die Haut. Wer noch nie ein Bein in den dritten Stock geschleppt hat, weiß nicht, wie schwer es einem werden kann. Es heißt, Herzen wären schwer. Aber das stimmt nicht. Es sind die Beine. Mein erstes Jahr nach dem Examen. Die im Ersten schaffen die Beine weg. Oder die ganzen Toten. Sie werden durch den ParkRead More
wack5a

Posted On November 15, 2018By Robert RescueIn Crimemag, CrimeMag November 2018

Eine Pelzer-Story von Robert Rescue

Klaus Pelzer ist ein Geisterjäger. Keiner der Sorte wie John Sinclair, der den Teufel und seine höllischen Dämonen in Diskotheken, Spukhäusern oder in verfluchten Klosterruinen jagt. Klaus Pelzer ist vorzugsweise im Internet unterwegs, in den Augen mancher die Hölle von heute. Hin und wieder jagt er auch alte Götter in Kleingartenkolonien oder exorziert ans Internet angeschlossene Mädchenpuppen, die von einem Hacker übernommen wurden. Und manches Mal entpuppt sich ein scheinbar paranormales Phänomen als Kriminalfall …   Klaus Pelzer und das tödliche Medium Von Robert Rescue Es war kein schöner Anblick,Read More
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wir wissen alles über Sie! Von Rob Alef   (1) Rrring, Rrring! „Hallo, hier Schlinke.“ „Es ist besser, Sie kooperieren, Frau Schlinke. Wir wissen alles über Sie.“ „Alles über mich? Das ist ja wunderbar. Können Sie mir sagen, wo meine Brille ist? Ich habe sie verlegt.“ „Ihre Brille…Augenblick…Das ist die Kamera Drohne 2…Ihre Brille ist in der Küche. Unter der Zeitung.“ „Vielen, vielen Dank. Ich löse gerade das Kreuzworträtsel. Haben Sie einen Moment Zeit?“ „Ja, sicher, aber vorher hätte ich noch einige…“ „Wissen Sie, wie die Hauptstadt von Bolivien heißt?Read More
ge2

Posted On Oktober 16, 2018By Robert RescueIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2018

Robert Rescue: Agenten-Story

Agent auf Abruf    von Robert Rescue Mark Nais legte bereits in der Kindheit Verhaltensmuster an den Tag, die ihn später zum Einzelgänger abstempelten. Oft stand er irgendwo herum, beobachtete Passanten und schrieb etwas in ein Notizheft. In der Schule musterte er seine Mitschüler auf dem Pausenhof, beim Sportunterricht, sogar in der Umkleidekabine und schrieb sich etwas auf. Den Mitschülern war sein Verhalten unheimlich, weswegen sie Abstand zu ihm hielten. Die Eltern beobachteten sein Verhalten mit Sorge, denn sie wussten, was der Grund für sein Verhalten war. Mit Beginn derRead More
treppen
Treppen Nebenan im Treppenhaus wohnt diese schöne Transe, mit der ich vor knapp zwanzig Jahren mal auf einer Tanzfläche geknutscht habe. Er ist eine wirklich schöne Transe, so schillernd, wie man sie selten sieht. Er ist fast zwei Meter groß, hat breite Schultern und schmale Hüften, lange Beine und sogar eine Art Taille. Die kurzen Haare sind platinblond gefärbt, sie haben die gleiche Farbe wie seine Perlenketten, er trägt meistens hellgraue Kleider und silberne Schuhe, und seine Hände sind elegant geschnitten wie Frauenhände und gleichzeitig groß und stark wie Männerhände.Read More
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Zimmer Hätten wir Ani nicht reingelassen, wäre Sam nicht ertrunken. Zumindest nicht an diesem Tag. Aber realistisch gesehen, hätte Ani auch Zola nie getroffen. Die einen kommen, die anderen gehen. Ob ein Dienstag ein guter Tag fürs Ertrinken ist? Keine Ahnung. Gibt es gute Uhrzeiten? Besser als andere? Kündigungen, Krankheiten, Ertrinken: Gibt keinen guten Tag dafür. Reicht ja, drei Minuten wegzuschauen. Mal darüber nachgedacht, was man alles in drei Minuten betrachten kann? So gesehen … Als Ani mit Sam 2015 über Wien nach München kam — dort am Bahnhof: BürgerRead More
DSC_5128_3905

Posted On August 1, 2018By Uta-Maria HeimIn Litmag, Specials, Story-Special 2018

Story: Uta-Maria Heim: Oskars Quartett

Wald Der Quälgeist wohnt im Walde. In einer längst verlassenen Hütte aus alten Köhlerzeiten. Tritt man ein, merkt man nur einen unaustreibbaren Modergeruch, sonst nichts. Kleiner als die kleinste Maus, unsichtbar selbst einem nahe gebrachten Auge, drückt sich der Quälgeist in einen Winkel. Nichts, gar nichts ist zu merken, ruhig rauscht durch das leere Fensterloch der Wald. Wie einsam ist es hier und wie kommt dir das gelegen. Hier im Winkel wirst du schlafen. Warum nicht im Wald, wo frei die Luft geht? Weil du nun schon hier bist, gesichertRead More
weg2

Posted On August 1, 2018By Gudrun LerchbaumIn Litmag, Specials, Story-Special 2018

Story: Gudrun Lerchbaum: Wohin

Weg Du bist dann dort weg. Hast es nicht mehr ausgehalten, hast den Rucksack gepackt und bist los. Kannst du nicht machen, haben sie dir nachgerufen. Keiner kann allein. Quer durch die Landschaft bis die Füße nicht mehr tragen und weiter. Die Straße entlang, den Schlaglöchern nach. In Schuppen schlafen. Von Dorf zu Dorf werden die Leute weniger, die dir nachsehen, dich warnen. Da ist nichts mehr, sagen sie.  Weitergehen. Bis niemand sich mehr vor die Tür wagt, bis keine Türen mehr da sind, keine Dächer und die Wände bröckeln.Read More
Monsmarem2_Gabriele

Posted On August 1, 2018By Gabriele HaefsIn Litmag, Specials, Story-Special 2018

Story: Gabriele Haefs: Mein Haus

  Hotel Mein Haus steht an der niederländischen Nordseeküste, es ist ein altes Hotel mit dem geheimnisvollen Namen Monsmarem. Naja, so geheimnisvoll ist der ja nicht, aber als ich zuerst davorstand und mir vorstellte, dass in diesem Haus einfach jedes Märchen wahr werden könnte, war ich noch sehr klein und die erste Lateinstunde lag weit in der Zukunft. Das Monsmarem ist ein viereckiger Kasten aus den 20er Jahren, aber nur von außen. Von innen ist er verwinkelt, verworren, verwunschen. Mit zehn habe ich mich in den Aufenthaltsraum geschlichen und wussteRead More
haus1

Posted On August 1, 2018By Anne GoldmannIn Litmag, News, Specials, Story-Special 2018

Story: Anne Goldmann: Dunkle Ecken

Dach Wenn das Haus fertig ist, sagt Eske, kommt der Tod. Hinter mir fährt die Schaufel knirschend in den Sand, rumpelt die Mischmaschine. Hinter ihr stehen die Söhne auf dem Gerüst vor dem Zubau. Nichts bleibt, wie es ist. Wieder rennen Kinder kreischend den Zaun entlang, der unsere Gärten trennt. Seit Jahren warte ich auf ein Wunder. Ich hasse das dumpfe Dröhnen des Stemmeisens, das ohne Not neue Wunden in die Wände schlägt und sie zum Zittern bringt, das Gebrüll des Bautrockners, den Zementgeruch feuchten Betons. Dann stapeln sich FarbeimerRead More
sonne2
Keller Wir haben sie im Keller untergebracht. Wir mussten. Wir können sie nicht mehr in unserer Mitte dulden. Es sind 13 und sie leben ganz passabel da unten. Wir haben den Keller natürlich gestrichen, nicht nur die Wände, auch die Stahltüren ihrer Appartements. Ich sage lieber Appartements als Zellen. Das klingt nicht nur hübscher, die Räume sind es auch. Bequeme Betten und aparte Möbel wohnen darin, es gibt Computer, ohne Internet versteht sich, und separate Bäder. Die Klos haben eine Brille, anders als im Knast. Die 13 werden mit gesunderRead More
DSC_0909
Kalt Ich hatte Freunde auf dem Land besucht. In der Nacht zuvor war die Temperatur unter Null gesunken. Während der Hinfahrt schien die Sonne und Bäume und Felder glitzerten. Der endlos blaue Himmel – nie könnte man einen so weiten Himmel in den Bergen sehen – und die Aussicht auf ein besonders schmackhaftes Mittagessen, das alles trug dazu bei, dass ich gut gelaunt ankam. Die Freunde sind gastfreundliche Leute, bei denen ich mich wohl fühle. Das Essen war köstlich. Anschließend, der Rotwein zum Essen hatte uns ein wenig träge gemacht,Read More
DSC_5114_3891
Fenster 30. April 1992, Hansestadt Kollwitz Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland Adriana Voinescu, dreizehn Jahre und dreihundertzweiunddreißig Tage alt, allein in der Küche im Erdgeschoss des achtgeschossigen Wohnblocks. Langer Jeansrock, noch aus Rumänien, so was trug hier keiner. Lieblings-T-Shirt in Pink mit Surfer, aus der Kleiderspende. Da kriegten sie gute Sachen her, aber es war gefährlich. So wie mit der hellblauen Cordjacke letztes Jahr. »Die gehört Katrin!«, hatte Nils in der Schule gesagt, gleich an ihrem zweiten Tag. Katrin war Nils’ ältere Schwester, das wusste sie nicht. Er nahm ihr die Jacke wegRead More
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Posted On August 1, 2018By Else LaudanIn Litmag, Specials, Story-Special 2018

Story: Else Laudan: Zuständigkeit

Lesen & Putzen Sie muss dringend mal aufräumen. Dieses Obendraufleben, das sie sich angewöhnt hat, um nicht verrückt zu werden – zumal sie schließlich keine Spießerin ist, bei der man vom Fußboden essen kann, die auf Werbung hereinfällt und Hausarbeit als ihre naturgemäße Domäne betrachtet –, also das hat eben doch seine Grenzen. Hygienegrenzen. Oder so. Klar gibt es immer irgendwas Wichtigeres, was gerade anliegt – aber wenn es danach geht, würde sie tief im Müll hausen. Genial, aber versifft und verkommen. Nein, die Selbstachtung verlangt, dass sie gelegentlich fürRead More