Kafka Tag

Das Ende der Welt als Zusammenhang Mehr als nur eine Begriffsklärung – eine ästhetische Kategorie „Wer auf dem Kopf geht, meine Damen und Herren, – wer auf dem Kopf geht, der hat den Himmel als Abgrund unter sich.“ (Paul Celan: Der Meridian. Rede anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1960) Peter Christian Hall steigt in seine Untersuchung des Grotesken mit einer nur als „grotesk“ zu umschreibenden Schlüsselszene, nämlich der Begegnung des deutschen Bildungsbürgertums mit seinen Verstrickungen ins (damals  noch kein Jahr vergangene) „Dritte Reich“. Am 3. Mai 1946 trat Gustaf Gründgens, soeben ausRead More

Posted On September 15, 2016By Alf MayerIn Crimemag, Porträts / Interviews

Alf Mayer: Porträt Ross Macdonald

Das Leben der Anderen Alf Mayer über Ross Macdonald. Als er 1983 starb, war er Amerikas bekanntester crime writer. „Der blaue Hammer“ von 1976 war sein vierundzwanzigster und letzter Roman binnen 30 Jahre, er hatte an die zwei Jahre daran gearbeitet, zahllose Revisionen gemacht, das Ende neu geschrieben und als Sparringspartner den Autorenkollegen William Campbell Gault hinzugezogen, dem das Buch dann auch gewidmet war. Die Erstauflage beim renommierten Verlag Alfred A. Knopf betrug 35.000 Exemplare, 33.518 gingen bereits am Erstverkaufstag über die Theke (was mein Exemplar nicht ganz so einzigartigRead More

Posted On Oktober 4, 2015By Alf MayerIn Allgemein, Bücher, Crimemag

Roman: Fuminori Nakamura: Der Dieb

Der Ausdruck der Hände Er ist ein junger Fixstern am japanischen Literaturhimmel, jetzt hat Fuminori Nakamura mit „Der Dieb“ den ersten Auftritt im deutschsprachigen Leseraum. Alf Mayer fühlt sich an große Namen des Noir erinnert. Kühl und präzise wie ein Film von Robert Bresson, minimalistisch, existentialistisch, dabei sinnlich und metaphysisch, mit einem Ende für die Magengrube im Kopf, das ist Fuminori Nakamuras „Der Dieb“. Wir erleben ihn sogleich in Aktion, wie er auf einen Bahnsteig in Tokio mitten im Gewühl einem wohlhabenden Mann die Geldbörse aus der Manteltasche zieht. WirRead More

Posted On März 13, 2013By Stella SinatraIn Litmag, Stella Sinatras URknall

Stella Sinatras URknall

Noch mehr Indianer 1 bild / 100 worte Verkürzt gesagt, der Indianer reitet, die Zügel fallen ab, und später auch der Kopf des Pferdes. Ende der Story! Wenn man von einer Story sprechen kann. Ein Film lässt sich daraus nicht machen, höchstens ein Experimentalfilm oder ein Kunst-Video, das dann in einer abgelegenen Museumskammer lauert und arglose Besucher vier Stunden lang gefangen hält. Was uns’ URknall bei „Lauern“ noch so einfällt? Schwarze Löcher. Die Dinger „sind“ mittlerweile überall, sonnennah und „weiter weg“, in Protonenschleuder-Tunnels und in kleineren, vollmöblierten „Raumstationen“ – lauernRead More

Posted On November 17, 2010By Stella SinatraIn Litmag, Stella Sinatras URknall

Stella Sinatras URknall

Relativitätstheorie 1 bild / 100 worte Gib’s auf, gib’s auf! sagt der Physiker wie Kafkas Schutzmann zu uns, denn der Relativitätstheorie sei mit der gewöhnlichen menschlichen Vorstellungskraft nicht beizukommen, weder der speziellen, und schon gar nicht der allgemeinen! – Und was, wenn wir sehr lange darüber nachsinnen täten, zum Beispiel in einer abgelegenen Einsiedelei in Argentinien? – Keine Chance. – Wirklich keine? – Sorry, sagt der Physiker, schüttelt das greise Haupt und schielt dabei in unsern Ausschnitt. Dort wölben sich unsere Brüste. Die eine wölbt sich gen Osten, die andereRead More