Posted On 21. Dezember 2011 By In Jahreshighlights With 1762 Views

CM-Jahreshighlights 2011, Teil I (A-K)

Liebes Leserinnen und Leser von CULTurMAG,

kurz vor den Feiertagen und als letzte Ausgabe des Jahres 2011 präsentieren wir Ihnen den Megagiga-XXXXL-Extra-Large-Jahresrückblick in drei Teilen (zu Teil II und Teil III) – chaotisch, unterhaltsam, entspannt – die Tops & Flops von LitMag, MusikMag & CrimeMag, so wie fast vierzig (!!!) unserer Autorinnen und Autoren das Jahr 2011 sahen: Bücher, Filme, Musik, TV, Kino, Alltag und Wahnsinn … ungeordnet, unabhängig, undogmatisch.

Der kaleidoskophafte ultimative Rückblick, der andere Rückblicke überflüssig macht! Also nehmen Sie sich Zeit, verproviantieren Sie sich, halten Sie Bleistift und Papier für letzte Einkäufe, Geschenke und Belohnungen für sich selbst bereit und freuen Sie sich mit uns, spotten Sie mit uns und vor allem: Amüsieren Sie sich gut!

CULTurMAG ist nach den Feiertagen im Januar wieder für Sie da, schauen Sie gerne hin und wieder auch zwischen den Jahren vorbei, kleine, frische Häppchen gibt es sicher immer!

Und dann feiern Sie schön, erholen Sie sich ein bisschen, rutschen Sie gut ins neue Jahr, das rasend gut werden soll und bleiben Sie uns gewogen!

Herzlich, Ihre

Jan Karsten, Tina Manske, Thomas Wörtche und die gesamte CULTurMag-Crew

Christina Bacher

Vorurteile ausräumen 20111) Crime: Schundheftchen sind prima
„Er sitzt nicht nur tief in der Tinte, sondern schon bald auf dem heißen Stuhl, Brendon.“ – Die letzte Lektüre des Jahres ist gerade meine beste. Dabei ist es gar kein Buch, das ich mir zurzeit mit zum Fußball, ins Schwimmbad oder in die U-Bahn nehme, sondern der Band 18 der CHICAGO-Reihe mit dem Namen „Die Lady und der Mord“ (Bastei, 1,50 Euro). Es spielt in den wilden Zwanzigern, in den USA herrscht Prohibition. Für den Nachschub müssen also gut organisierte Gangsterbanden sorgen, die Bosse unterhalten Privatarmeen von Killern – in Chicago versucht derweil Privatdetektiv Pat Connor nicht zwischen die Fronten zu geraten und trotzdem der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Bei der seit 2010 erscheinenden Heftromanserie Pat Connor handelt es sich um einen Nachdruck einer älteren Bastei Serie, der Stil der Erzählung ist dabei an die Klassiker des Hard-Boiled-Krimis angelehnt – die (zumeist männlichen) Autoren werden gemeinhin nicht genannt.

Unfassbar eigentlich, dass gerade Krimiautorin Nadine Buranseda (Seelengrab, Droste-Verlag, 9,95 Euro) für diese Männerdomäne die Feder schwang und mich so tatsächlich zu einem neuen Genre bekehrte. Als Nächstes lese ich einen ihrer Jerry Cotton-Romane „Tod eines Schnüfflers“ (Band 2673). Insgesamt frage ich mich, ob Veganer (wie die Bonner Autorin) doch die besseren Leichenschledderer sind?

2) Musik: Provinzfestivals sind die besten
„Hömma!“  – OBS 16. Das Orange Blossom Festival im Weserbergland ist (für mich) mehr als ein dreitägiges Open Air Konzert in der Pampa, es kann eine musikalische Impfung für das ganze Jahr sein, wenn man auf Singer/Songwriter und guten Pop steht: Drei Tage lang gut und günstig essen, trinken, plaudern, Seele baumeln lassen und vor allem neue Musik entdecken und gleich auf CD oder Vinyl in der Garage nebenan kaufen. Seit 1997 organisiert Glitterhouse Records (zum Label) im firmeneigenen Garten in Beverungen dieses Ereignis. Auch, wenn Bands wie Woven Hand, die Walkabouts, Gisbert zu Knyphausen oder auch Get well soon zu Beginn ihrer Karrieren dort auftraten und auch immer gerne wiederkommen – die wirklichen musikalischen Entdeckungen sind die anderen, die sich (immer noch) jenseits von großer Öffentlichkeit bewegen. In einem von Bäumen umstehenden Garten, mitten in einem Misch-Gewerbegebiet, wird die Schwerkraft aufgehoben, wenn – wie in diesem Jahr – Slim Cessnas Autoclub oder Golden Kanine, Talking to Turtels oder The Great Crusades auftreten. Nur 2000 Karten werden jedes Jahr verkauft – mehr als die Hälfte für das nächste Jahr ist schon weg – davon habe ich schon zwei gesichert. Mal reinhören? Bitte: „Best of“-Video.

3) Film: Ich liebe Japanische Pornos
Underwater Love – A Pink Musical. Ob wirklich schon mal jemand einen Kappa gesehen hat, ist nicht bekannt. Diese Fabelwesen – halb Schildkröte, halb Mensch – haben eine Mulde auf dem Kopf, die bewässert werden muss. Ansonsten halten sie es recht lange an Land aus, wie Aoki, der als Kappa wiedergeboren wurde. Er besucht eines Tages seine Jugendliebe Asuka in der Fischfabrik, nistet sich in ihrem Haus ein und stört ihre Hochzeitsvorbereitungen mit ihrem Verlobten. Nach und nach gewinnt der seltsame Gesell Asukas Herz zurück – die beiden müssen fliehen. Warum ist er gerade jetzt aufgetaucht? Woher bekommt er im Meer all die Gurken, seine Leibspeise? Warum hatte er noch nie Sex, wenn es ihm doch so viel Spaß macht? Es scheint, das geringe Budget des Films gab die Antworten nicht mehr her. Es ist die Kunst, mit Halbgarem selbstbewusst umzugehen, wie es scheint: Musical-Sequenzen, Sumo-Ringkämpfe und Hippie-Todesgötter werden – von Pinkfilm-Meisters Shinji Imaoka herrlich in Szene gesetzt – mit drei ziemlich absurden Sexszenen garniert. Dennoch wär der Film ohne die (japanische!) Musik der Berliner Band STEREO TOTAL nur halb so gut. Die Platte (limitiert auf 500 Stück) ist super. Und der Film Underwater Love ist urkomisch, pornographisch, mitreißend, romantisch, albern und alles andere als perfekt – der Film ist Wasser auf die Mulde seiner Zuschauer. Er dürfte schon wenige Monate noch seinem Start zum Kult geworden sein.

Thomas Backs

Klassiker: Patricia Highsmiths Werke haben mir 2011 mal wieder viel Lesestoff für lange Abende und spannende Zugfahrten geboten. Am meisten fasziniert hat mich hier der vierte Part der Ripley-Serie, „Der Junge, der Ripley folgte.“ (Diogenes ). Berlin, Kalter Krieg. Tom Ripley als Transvestit in Schwulenbars,  Lou Reeds „Transformer“ als Soundtrack. Herausforderungen für Drehbuch-Autoren gibt es einige, das stimmt. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es verwunderlich, dass ausgerechnet dieser Ripley-Roman noch nicht verfilmt worden ist.

Neuerscheinung: Liebeserklärungen an das Ruhrgebiet, in Romanform. Davon gibt es viele. „Das kaputte Knie Gottes“ (Knaus) von Marc Degens ist wahrscheinlich das einzige Werk dieser Art, in dem gleichzeitig auch Lilo Wanders, Bertolt Brecht (bzw. dessen Erben) und das Berliner Berghain ihren Platz haben. Die Erlebnisse von Mark, Dennis und Lily zwischen Ruhr-Uni, Wattenscheid, Gelsenkirchen, Kneipe, Kunstausstellung und Porno-Kino haben mir drei ganz besonders vergnügliche November-Abende beschert. Ganz sicher auch, weil hier Geschichten über unsere, über meine Generation im Ruhrgebiet der 1990er Jahre und in den Zeiten des Jahrtausendwechsels erzählt werden.

Bestimmt nicht zufällig werden die Erlebnisse in „Das kaputte Knie Gottes“ aus der Perspektive eines Ich-Erzähler namens Mark (mit k) geschildert, der sich am Ende gegen das Schriftsteller-Stipendium und für das Lehramt entscheidet. Marc (mit c) hat eben seinen ganz eigenen Humor. Dazu besitzt er die besondere Gabe, ganz spezielle Figuren zu zeichnen. In diesem Roman geht es um das Künstlerleben im Ruhrgebiet und die Flucht, um schräge Skulpturen und krude Förderer. Ganz besondere Freude bereiten mir in all diesen Irrungen und Wirrungen aber die Episoden und Begegnungen am Rande. Es sind Figuren wie die der wachsamen Nachbarin („die Frese“), verschrobenen Kommilitonen („die Wagner-Zwillinge“) und Berliner Sponsoren („Brigitte Caumann“), die den Leser zum Lachen bringen.

Musik: The Streets sind Geschichte, der Abgang war grandios. „Computers & Blues“ heißt das letzte Album mit den Großstadtgeschichten von Mike Skinner, Facebook und Twitter inklusive. Bei mir lief 2011 kein Album so oft wie dieses. Großartig.

Zur Homepage von Thomas Backs (www.backsmedia.de). Zu den CM-Beiträgen.

Sandi Baker

Two top books from South Africa: Both are by South African women and both are set in Johannesburg, easily one of the crime capitals of the world. Both make for compelling reading. One is fiction, the other fact. In the latter, you wish that it were fiction as it is so scary.

Lauren Beukes – „Zoo City“ (Angry Robot). This year’s winner of the Arthur C Clarke award for science fiction, Zoo City by Lauren Beukes is not an easy book to categorise. Some reviews state that it is speculative fiction. It is a fast-paced detective story with a credible element of the bizarre.

The descriptions of people and life in Johannesburg are as realistic and gritty as the city is itself. The main protagonist Zinzi December is unscrupulous, amoral with a strong sense of survival. The storyline is taught and the crime levels are, as expected from a story set in Johannesburg, high. It is a seemingly bland backdrop against which crime and cruelty flourish.

This book makes an indelible impression which is not easy to forget, even months after reading.

Mandy Wiener – „Killing Kebble“ (Pan Macmillan). It is unfortunate that Amazon has Mandy Wiener’s gripping true life story of slain mining magnet Brett Kebble currently only available in Germany as a Kindle edition. Mandy Wiener writes a riveting account of the life and death of Brett Kebble and the criminal underworld he consorted with.

An investigative journalist, Mandy Wiener spent five years researching the death of Kebble who was killed in an upper class suburban street in September 2005. It was supposedly an assassination which was then later revealed to be an „assisted suicide“. The death of Brett Kebble, led to fascinating and chilling revelations about the Johannesburg underworld, which have been succinctly captured by Mandy Wiener. It makes for an enthralling read.

„Killing Kebble” is not to be missed, buy an e-reader if necessary.

Lena Blaudez

Andrea Böhm „Gott und die Krokodile. Eine Reise durch den Kongo“, (Pantheon, zur CM-Rezension): beschreibt Geschichte und Gegenwart anhand der aberwitzigen Details des Alltagslebens im Kongo so eindringlich, wie man es nur selten lesen kann.

Ross Thomas „Der achte Zwerg“ (Alexander Verlag): eine großartige Geschichte über einen amerikanischen Ex-Spion in Deutschland 1946 zwischen Profikillern, Schwarzmarkt und Kriegsverbrechern.

Christopher Moore „Der Untreue-Index“ (Unionsverlag metro, zur CM-Rezension hier): der neueste Roman um Privatdetektiv Vincent Calvino, der in Bangkok zwischen Schmuggel, Waffenhandel, UN-Soldaten, Barmädchen und den Sorgen der Ehefrauen der Expats ermittelt. Sehr stark. Wer sie noch nicht kennt, wird nach diesem alle Calvino-Romane verschlingen.

Dasselbe passiert unweigerlich, fängt man mit den Joe-Pickett-Romanen von C.J. Box an. Der neueste: „Blutschnee“ (Heyne, CM-Rezension hier), in dem der pflichtbewusste Familienvater und Jagdaufseher Pickett zu ganz und gar ungesetzlichen Mitteln greifen muss, um seinen Idealen treu bleiben zu können.

Nicht zu vergessen: Mike Nicol „Payback“ (btb, CM-Rezension hier) ein beeindruckender Roman aus Südafrika mit einer vielschichtigen Story und kultverdächtigem Personal, den man nicht so schnell vergessen kann.

Dann auch die Kommentare von Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht in der Heute-Show.

Und die Krimi-Reihe „Unter Verdacht“ mit Senta Berger, jetzt auf ZDF/ARTE – besonders „Die elegante Lösung“ – toll, das kann deutsches Fernsehen also auch!

CM-Beiträge von Lena Blaudez

Carlo Schäfer

Top – Spitze – bombenmäßig 2011: Der zwanzigste Platz zuerst, dann alle anderen. So wird’s gemacht!

20. Ich. Ich habe es dieses Jahr also noch nicht einmal unter die Top 10 geschafft, leider auch nicht Top 11 usw. Aber das wird wieder! Doch, doch. Allein schon durch meine neue Passion, den Zweizeiler, denn der neueste ist immerhin:

19. Mappus schwängert Guttenberg/Meldet mir mein Meldezwerg
18. Diakon Edwin Huber (schuldet Geld)
17. Beboatengter Ballack, den nur sechzehn dürfen mit zum Spiel.
16. Mein Bluttest im Frühjahr. Ausbaufähig das Ganze, sehr ausbaufähig …
15. FDP, fünfzehntgrößte Partei Deutschlands demnächst knapp hinter BSB (Bund der Somnambulen), Tittenglotzer e. V., Euthanasie für alle!
14. Irland, da tapfer sparend!
13. Die Zahl Zwölf. Hat sich verschlechtert. Um einen Platz.
12. Jetzt hat sie sich wieder verbessert!
11. Der Dings, der …
10. Helmut Schmidt, speziell für seine bald hundert Jahre währende Widerlegung der sog. „Schulmedizin“.
9. Claudia Schmid (eine bekannte Mannheimer Autorin und Draisforscherin) zusammen mit Anne Schnubbel
8. Der Schwurbverlag für seine geplante Reihe um den aramäischen Privatdetektiv Nathan im Jahre 0. (Band 1: Das Judaskompott. Mit jüdischen Kompottrezepten.)
7. Leverkusens Trainer Robin Dutt für seinen süßen, schnuckeligen Namen!
6. Margot Käßmann, weil es auch Trinkerinnen in meine Liste schaffen können.
5. Aus eben diesem Grund: meine Frau.
4. Ein großes Helles
3. Zwei große Helle!
2. Der Herrgott, weil er Löw erschaffen hat. Und Khedira.
1. Sowieso: CrimeMag

Nun aber: Die allergrößten, allerallerschlimmsten Bitterlichkeit des Jahres, nur zehn, mehr packt man nicht.
10. Eine Zufallsbekanntschaft in der S-Bahn. Der junge Mann meinte, dass es doch erstaunlich sei, dass Gaus vor „hunderten von Jahren schon genauso schlau, vielleicht schlauer“ als er gewesen sei. Gaus sei doch der gewesen, der in einer Tonne lebte.
9. H. Kohl, der, hinfällig wie ein gestrandeter Schweinswal, trotzdem noch einen Knospenfrevel nach dem anderen an seiner neuen da…, macht er, Sachen macht der …, hui …, weiß ich halt …
8. Online-Lehrer Udo Klinger für folgende Beispielsätze zur Erläuterung der deutschen Kommaregeln:
Das Komma steht nach Empfindungswörtern, wenn sie hervorgehoben werden.

Oh je, war das eine Arbeit!
Verflixt, schon wieder eine Sechs!
Aua, du tust mir weh!

7. Die NDR-Sendung „Landlust“.
6. Aber klar doch Gutti, Mappi, Ötti und Fliegi, die jetzt in einer Kinofassung der Teletubbies richtig rauskommen, quasi durchstarten und dann gen Himmel fahren, von dort werden sie kommen zu richten die Lebenden und die Toten, denn es ist längst alles egal.
5. Der Kapitalismus. Er kann es einfach nicht. Man sieht es doch.
4. Friedbert Pflüger (CDU)
3. CDU
2. Herr Oliver Pocher, Versicherungskaufmann.
1. Der Sparten-, Nischen-, Winkelkrimi an sich, in seiner himmelschreienden Verderbtheit, brothohlen Marktschreierei, ganz würdelosen Erscheinung, entropisch, quasi entgasend, den letzten Hauch von irgendwas, dumpfseppelige Sauschwanzerei malissima, Amen.

CM-Beiträge von Carlo Schäfer

Thorlef Czopnik

Thriller from Germany: Fitzek und seine Augen: dieses Mal „Der Augenjäger“ (Droemer), der als zweiter Teil doch zu überraschen weiß und nicht wie sonst nur billige Rohkost ist. Wulf Dorn und die Liebe: „Dunkler Wahn“ (Heyne) thematisiert „Liebe“ als Thrillerelement einmal anders, aber anders schön!

Thriller International: Anthony Horowitz: „Der neue Sherlock Holmes – Das Geheimnis des weißen Bandes“ (Suhrkamp): endlich mal keine 0815-Variante des Meisterdetektives! Bei Holmes stellt man hohe Erwartungen und diese bekommt man hier, garniert mit der Gewissheit, dass das Geld nicht hätte besser angelegt werden können.

Biografien, top: Walter Isaacson: „Steve Jobs“ (C. Bertelsmann). Leider erlag Steve Jobs seinem Krebsleiden in diesem Jahr. Ein wenig Trost spendet da die autorisierte Biografie über ihn. Gut geschrieben und hochinteressant!

Biografien, flop: Karl Theodor zu Guttenberg: „Vorerst gescheitert“ (Herder). Mehr als den Titel braucht es nicht. „Gescheitert“ drückt alles aus.

Film und Fernsehen, top: „Scream 4“. Ghostface ist zurück und hat nichts von seinem tödlichen Charme eingebüßt. Richtig gut, dass die alten Stars sich nochmals jagen lassen und dabei so viele Gegenstände durch die Luft werfen wie nur irgend möglich. „X-Men: Erste Entscheidung“: gute Umsetzung der Comichelden aus der Kindheit. Jeder, der sich auch schon einige Jahre fragt, wie das mal angefangen hat, bekommt hier eine fast schon epische Antwort.

Film und Fernsehen, flop: „Battle: Los Angeles“. Natürlich, man weiß, dass man ca. 90 Minuten lang Popcornkino bekommt, aber nach zwanzig Minuten will man nur noch am Popcorn ersticken. „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“: Holmes gegen Professor Moriarty. Spiel im Schatten heißt der zweite Teil der Verfilmung von Sherlock Holmes. Wäre der Film mal lieber im Schatten geblieben. „DSDS“: Sogar die Vorsprechen waren langweilig. „Das SuperTalent“: Der „DSDS-Klon“ ist die pure Verdummung in einer Stunde.

Musik, top: Nirvana wird zwanzig: Ein „besinnliches“ Hören zu „Smells Like Teen Spirit“. Eigentlich braucht diese Band kein Jubiläum, dennoch nimmt man es gerne. Lady Gaga: „Born His Way“. Entweder man hasst sie oder man mag sie. Ich mag sie.

Musik, flop: Lena Meyer Landrut und ihr Eurovision Songcontest: Ein mittelmäßiger Song, der hochgepushed wurde. Das mag einmal klappen, aber beim zweiten Mal kommt dann das „Stimmungstief“.

Joachim Feldmann

2011 war ein gutes Jahr für erlesene Spannungsliteratur. James Sallis zeigte mit seinem düster-poetischen Vexierbild „Der Killer stirbt“, (hier bei crimemag) wie man dem Genre durch gelungene Dekonstruktion neue Perspektiven eröffnet; für mich der eindeutige Höhepunkt des diesjährigen Krimischaffens. Aber es gibt noch mehr Erfreuliches zu berichten, zunächst aus heimischen Gefilden.

Friedrich Ani holte seinen melancholischen Ermittler Süden zurück nach München, schickte ihn aber dann wieder durch die ganze Republik hoch in den Norden, um dort das Rätsel um einen verschwundenen Gastwirt zu lösen. Ulrich Ritzels pensionierter Kriminalkommissar Berndorf betätigte sich ebenfalls als Privatdetektiv und bekam es mit dem unheilvollen Erbe des Jugoslawienkrieges zu tun. Und einen alternativen Verlauf der jüngsten Geschichte präsentiert Simon Urban (Interview bei CM) in seinem fulminanten satirischen Thriller „Plan D“, in dem es noch immer zwei deutsche Staaten gibt, die aber aus existenziellen Gründen bei der Aufklärung eines Mordes kooperieren müssen.

Um den britischen Krimi macht sich seit langem Kate Atkinson mit ihren Jackson-Brodie-Romanen verdient. Das neueste Abenteuer des schicksalsgebeutelten Ermittlers,„Got up early, took my dog“, von seinem deutschen Verlag mit dem Allerweltstitel „Das vergessene Kind“ (hier bei den Bloody Chops) gestraft, ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie sich sozialer Realismus, ein ausgefuchster Plot und eine gehörige Portion erzählerischer Ironie zu einem gelungenen Buch fügen. Früher bekam man so etwas von P.D. James zu lesen, die sich in ihrem 91. Jahr an einer Fortsetzung von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ versucht hat. Hoffen wir, dass ihr Commander Dalgliesh, dessen letzte Auftritte nicht besonders überzeugend waren, damit endgültig seinen verdienten Ruhestand antreten kann.

Italienische Zustände, bevor der in diesem Jahr abgetretene Berlusconi an die Macht kam, beschreibt Giancarlo die Cataldos lakonisches Meisterwerk „Schmutzige Hände“ (CM-Rezension hier!). Ein Politthriller par excellence, der die anarchischen Zustände im Jahr 1992, als das organisierte Verbrechen mit Bombenterror auf zaghafte Versuche von Strafverfolgung reagierte, in eindrucksvoller Weise schildert. Und keinen Zweifel daran lässt, dass die Ursachen für den nachhaltigen Erfolg der Mafia nicht zuletzt im Staatsapparat selbst liegen.

Selbstverständlich ist diese Aufzählung unvollständig. Zu loben wäre noch, dass die Parker-Romane von Richard Stark endlich komplett bei der University of Chicago Press vorliegen, dass der Nordire Stuart Neville den politischen Zuständen in der vormaligen „Unruheprovinz“ mit großartigem Zynismus zu Leibe rückt, dass Pete Dexters Western „Deadwood“ (zur CM-Rezension) endlich übersetzt wurde … Und, und, und.

Ach ja, an der Spitze der Bestsellerlisten wechselten Allgäuer Provinzkrimis und skandinavische Schauergeschichten einander ab. Die habe ich auch gelesen. Aber sagen möchte ich darüber eigentlich nichts.

CM-Beiträge von Joachim Feldmann

Christiane Geldmacher

Ich habe dieses Jahr weitgehend das Leit-Medium gewechselt: vom Buch zur DVD-Serie. Und zwar alte und neue Serien. Von zurzeit noch im TV laufenden Serien waren das Dexter, Mad men und Breaking bad, von den alten waren es Queer as folks, Six feet under und West Wing. Im Dezember stand – endlich! – The Wire an, außerdem hat der Nachbar Lost rübergereicht. Und ein Freund hat Northern Exposure geschickt, das ist ganz lang her. Schließlich habe ich mir die bei ARTE ausgestrahlte Filmgeschichte weltweit zu Gemüte geführt (auch als DVDs), mit einem sehr grottigen Edgar-Reitz-Deutschlandbeitrag und einem extrem grottigem Jean-Luc-Godard-Frankreichbeitrag. Was vielfach aufgewogen wurde von Martin Scorseses USA- und Italienbeiträgen sowie Sam Neills Film über Neuseeland. Natürlich gabs auch Bücher, allen voran „Power up! Female Pop Art“ von Dumont und als Krimis Cynthia Webb, Die Farbe der Leere von Ariadne und Louise Erdrich, Schattenfangen von Suhrkamp. Zurzeit lese ich das unvergleichliche „Homicide“ von David Simon, erschienen bei Kunstmann. Flops sind Guttenberg, die FDP, die Atomkraft und die ARD-Dachmarke „Heiter bis tödlich.“

CM-Beiträge von Christiane Geldmacher

Frank Göhre

Bühne: Vier junge Männer an einem Tisch im Studio des Gorki Theaters, Berlin.
Sie stellen vier Facetten des Autors Jörg Fauser dar.
Sie erzählen und spielen dessen Roman „Rohstoff“.
Die Geschichte des Harry Gelb, von Istanbul nach Frankfurt am Main, nach Berlin und nach München.
Die Welt eines Süchtigen, eines Schreibenden, eines mit seinen Texten dealenden.
Es ist eine Diplominszenierung.
Die Ausstattung ist minimal. Schneller Szenenwechsel, Spotlights, Songs.
Radikal collagiert. Provozierend. Begeisternd.
Ein Abend von jungen Absolventen vor einem durchweg jungen Publikum.
Danach die Gewissheit: Fauser lebt!

Rohstoff: Nach dem gleichnamigen Roman von Jörg Fauser
Koproduktion mit der HfS „Ernst Busch“ und Prinzip Gonzo
Premiere am 15. April 2011 im Gorki Studio Berlin. Weitere Infos hier.

Buch: „Männersachen“ (Pendragon) – die Reportagen von Fausers Saufkumpan Hans Herbst (Rezension bei CM). Auftragsarbeiten für den „Playboy“, gut bezahlt und Finanzierungsgrundlage für die Weltreisen des Autors, der – ich und einige andere verstehen es nicht – nie in dem Maße populär geworden ist, wie er es sein sollte: als grandioser Erzählen und Stilist ersten Ranges. In „Männersachen“ – letzter Band einer siebenbändigen Werkausgabe – schreibt er über Boxer und Bodyguards, Polizei, Politik und Verbrechen in Hamburg, aber auch über eine Reise auf dem „Traumschiff“.

Film: Wer ihn im Kino versäumt hat, kann ihn jetzt auf DVD sehen: „Winter’s Bone“, der nach Woodrells Roman realisierte Film der Independent-Regisseurin Debra Granik.

Beraten und begleitet vom Autor inszenierte sie die Geschichte der 17jährigen Ree Dolly, die allein ihre kranke Mutter und ihre zwei jüngeren Geschwister durchbringen und zudem noch den abgetauchten Vater suchen muss, weil von seinem Erscheinen vor Gericht abhängt, ob die Familie ihr Haus behalten kann, an authentischen Schauplätzen mit dort ansässigen Laiendarstellern.

Der Roman war in Deutschland auf der Krimi-Bestenliste (zur CM-Rezension), der Film wurde für mehrere Preise, u.a. für den „Oscar“, nominiert. Daniel Woodrells frühere Romane harren noch auf eine Neuentdeckung.

Musik: Vier Stunden an Bord mit den Bluesbrothers Schorsch und Dr. Will.
Mit Bier und blonden Bräuten, gute Laune pur.

Auf der Barkasse gibt es immer klasse Musik. ( freitags, 19 Uhr, Landungsbrücken).
Das Programm unter www.frauhedi.de

CM-Beiträge von Frank Göhre

Foto: Marco Grundt

Tobias Gohlis

Die Enttäuschung: Robert Harris: „Angst“ (Heyne). Was für ein Blödsinn: Mitten in der Finanzkrise dreht ein Frankenstein-Algorithmus durch. Wieder war’s keiner, nie war’s einer.

Überflüssig: Anthony Horowitz: „Das Geheimnis des weißen Bandes“. Furztrockene und staublangweilige Sherlock-Holmes-Nachahmung. Und das passende Post-Post-Verbrechen, auf das der „größte Detektiv aller Zeiten“ (Insel-Verlag) stößt? Kinderschänderei. Ach ja.

Endlich erschienen: David Simon: „Homicide“ (Kunstmann). Großartig, wichtig. Befürchte bloß – auch nach Schirachs „Erfolg“ – eine entsetzliche True-Crime-Lawine im Gefolge.

Die Entdeckung: Dominique Manotti. Scheint, als hätte die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste dazu beigetragen, diese großartige politische Autorin breiter bekannt zu machen (zu einem CM-Gespräch mit Manotti).

Interessant: In der deutschen Szene tauchen vielversprechende neue Namen auf: Mechtild Borrmann, Matthias Wittekindt… (Noch) nicht die Klasse wie Friedrich Ani, dem mit „Süden“ (Droemer – zur CM-Kurzrezension) ein fulminantes Comeback gelungen ist.

Überschätzt: Simon Urban: „Plan D“ (Schoeffling). Vergleicht man Urbans kontrafaktische DDR-Fortschreibung mit dem ähnlichen Projekt „Das magische Jahr“ (Rotbuch) von Rob Alef  über 1968ff. stößt einem die selbstverliebte Verkrampftheit des Werbetexters Urban schwer auf. Alef ist heiterer und klüger, Urban leidet zudem an einem überdrehten Plot.

Laut gelacht habe ich über Rob Alefs „Kleine Biester“ (Rotbuch – zur CM-Rezension). Klasse Kakao, durch den da der karrierewütige Mittelstand gezogen wird.

Das Buch, das ich noch einmal lesen werde: James Sallis: „Der Killer stirbt“ (Liebeskind).

Die Gurke des Jahres geht an Martin Suter. Seine Allmen-Konfektschächtelchen sind nicht einmal als Toleranztest für Kritiker zu gebrauchen. Voll im Plüsch-Trend.

Zum Blog von Tobias Gohlis.

Henrike Heiland

Best of Crime:
Best of Songs:
  • Anna Calvi – No More Words
  • Feist – A Commotion
  • Howling Bells – Into the Sky
  • Joan as Police Woman – Nervous
  • Lana Del Rey – Blue Jeans
  • P.J. Harvey – The Last Living Rose
  • Sharon van Etten – Serpents
  • The Horrors – Still Life
  • Tori Amos – Job’s Coffin
  • Veronica Falls – Found Love In a Graveyard
  • Und aus gegebenem Anlass, auch wenn es ein alter Song ist:
  • Amy Winehouse – Back to Black

CM-Beiträge von Henrike Heiland

Brigitte Helbling

Kulturhighlight des Jahres 2011: Ryan Trecartin / Lizzie Fitch ANY EVER (Zur Webseite). Schlicht, weil ich nicht sicher bin, ob mir die Sache wirklich gefällt (aber ich konnte trotzdem nicht wegschauen): Mein Kulturhighlight des Jahres steht noch bis 8. Januar 2012 im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Die Video-Installation ist von den Amerikanern Ryan Trecartin und Lizzie Fitch, zeigt in sieben Räumen sieben flashig bearbeitete, seltsam hypnotische Videos unterschiedlicher Länge mit Alltagsszenarien aus dem Leben aufgedrehter Valley Girls und Cross Dresser, Geschäftsleute und Shopper, urbanes Volk und junge Mädchen. Die ineinander übergehenden Räume sind eingerichtet mit eher unansehnlichen Möbeln und Sitzgelegenheiten, die sich auf die Video-Interieurs beziehen, außerdem waren sie, als ich da war, bis auf diverse lesende oder leise plaudernde Museumswärter, weitgehend leer. Das war recht nett. Der Soundtrack der Videos ist eine aufgeregte Kakophonie von banalen Unterhaltungen, und wenn man die Kopfhörer dann endlich ablegt, dann ist da ein beruhigend dumpf rumorender Sound, der einen in die Museumsrealität entlässt.

Oder in den nächsten Raum, zu den nächsten Kopfhörern mit ihren „Oh my god!“ „Well, you know“ „So she’s like…“ „Whatever“. Klar denkt man irgendwann, hier versuchen Künstler Matthew Barney’s „Cremaster Cycle“ zu toppen. Die Chuzpe gefiel mir dann auch. Das Museum war an sich nicht leer, nur die meisten Besucher in der schönen Sammlung mit den Picabias, Bellmers, de Chiricos und so weiter. Und ich in Paris! Das war auch sehr nett.

Foto: Ryan Trecartin, Any Ever (2009-10). Photo courtesy of Ryan Trecartin and Elizabeth Dee.

Nadja Israel

Very British! Die BBC-Version: „Sherlock“. Köstlich arrogant und unschlagbar hochnäsig präsentiert Benedict Cumberbatch den kokainsüchtigen Meisterdetektiv in dieser Neuverfilmung, die auf Kutschen und Pfeife gänzlich verzichtet. Holmes, hier eher Soziopath als Genie, freundet sich mit dem Afghanistan-Veteran Watson (Martin Freeman) an. Dieser leidet an seinem posttraumatischen Stresssyndrom nur so lange, bis er endlich wieder (natürlich mit seinem neuen Kollegen, Sherlock) in den Krieg gegen das Verbrechen ziehen darf. Hektisch und großstädtisch geht es zu, im London der Smartphones und Laptops. Nix für Nostalgiker!

Noch mehr Holmes … Hörbuch: Keine Neuentdeckung, dennoch eines meiner persönlichen Highlights des letzten Jahres und eine Wiederentdeckung die hier passt: Der großartige Peter Passetti spricht Sherlock Holmes, und der dröge Watson, der eigentlich ständig nur Tee trinken und frühstücken möchte, folgt dem Meister demütig überall hin. Diese Hörbücher eignen sich wunderbar gegen Winterdepressionen, für lange Autofahrten und Großreinemachen. („Sherlock Holmes und Dr. Watson – Die größten Fälle“ (Der Audio-Verlag).

Jazz: Tingvall Trio. Im November 2011, haben die drei Wahl-Hamburger Martin Tingvall(Klavier), Omar Rodriguez (Bass) und Jürgen Spiegel (Schlagzeug) im Berliner A-Trane aufgespielt und mich mit Musik und Humor verzaubert. Sämtliche Stücke des Tingvall Trios sind Kompositionen des Namensgebers Martin Tingvall. Der Schwede arbeitet gerne in der Abgeschiedenheit seines Heimatortes Snarestad und schreibt dann auch mal ein Stück über Nachbars Katze, weil dort sonst nicht viel passiert. „Vägen“, heißt die 2011 erschienene und von Bernd Skibbe produzierte Cd die es auch als LP für Sammlerherzen käuflich ist. I like!

Buch: Colin Cotterill: „Briefe an einen Blinden: Dr. Siri ermittelt“(Manhattan). Ich mag sie, die Geister des Colin Cotterill. Der neuste Dr. Siri Paiboun und seine schrullige Crew waren auch 2011 mein Highlight. Keine Ahung wie Cotterill es schafft, dass ich mich immer wieder auf einen 74 Jahre alten Leichenbestatter gepaart mit Schamanismus und Kommunismus im Laos der siebziger Jahre einlasse! Wundervoll schräg.

Kunst: Taryn Simon: „A Living Man Declared Dead and Other Chapters“, Ausstellung in der „Neuen Nationalgalerie“.

Eva Karnofsky

Leonardo Padura: „Der Mann, der Hunde liebte“ (Unionsverlag, zur CM-Rezension hier). Padura ist es gelungen, altbekannte historische Ereignisse zu einem spannenden Roman zu verdichten, und er hat den ultimativen Anti-Stalinismus-Roman geschrieben.

Andreas Böhm: „Teuflische Schatten. Zwei Frauen gegen die Mara Salvatrucha“ (Horlemann Verlag). Böhms Buch beweist einmal mehr: Nichts ist so aufregend und grausam wie die Wirklichkeit. Der Schweizer Journalist lässt die Guatemaltekin Sandra López über ihr Leben berichten, das Ergebnis ist ein Portrait Guatemalas sowie der Maras, der Jugendbanden, die ganz Mittelamerika und Teile von Mexiko tyrannisieren.

Jeanette Erazo Heufelder: „Drogenkorridor Mexiko“ (Transit Verlag). Das Buch zeigt, wie es der Drogenhandel schafft, eine Gesellschaft zu zersetzen, weil er sämtliche Werte auf den Kopf stellt. Außerdem bewundere ich Jeanettes Erazo Heufelders Mut, da hätte auch was schiefgehen können …

CM-Beiträge von Eva Karnofsky

Jan Karsten

Mein Highlight des Jahres war natürlich die FDP, faszinierend, wie sie es geschafft hat, sich in Rekordzeit selbst zu pulverisieren, großartig und überfällig, vielen Dank.

Literarisch hat mich von den deutschen Neuerscheinungen Leif Randts „Schimmernder Dunst über Coby County“ (Berlin Verlag, zur CM-Rezension) am meisten fasziniert. So elegant ist schon lange niemand mehr an der Oberfläche der Dinge entlang ins Zentrum einer Generation geglitten. International hat auch in diesem Jahr Don Winslow („Zeit des Zorns“, Suhrkamp, zur CM-Rezension) wieder am meisten gerockt. So lässig und druckvoll schreibt momentan sonst keiner, eigentlich müsste man große Teile der  Restproduktion umkneten zu einer überlebensgroßen Winslow-Statue.

Für die Hamburger Kunstszene war der Umzug der Galerie „Feinkunst Krüger“ erfreulich: Am Großneumarkt hat der Galerist Ralf Krüger nun jede Menge Platz, sein spannendes Programm weiterzuentwickeln.

Bei den Serien hat mich „Breaking Bad“ erneut vollkommen überzeugt. Mal ganz abgesehen von der Story und den Charakteren: diese Farbkompositionen! Jede Folge ist so gut fotografiert, dass man sich Standbild für Standbild ausdrucken und an die Wand hängen möchte.  Meine Neuentdeckungen in diesem Jahr sind zwei vollkommen unterschiedliche Comedies. Immer überraschend und authentisch: Die radikal reduzierte Show „Louie“, rund um eine Art Woody Allen auf Crack, den deprimierendsten Komiker der Welt: Louie C.K.

Das sonnige Gegenstück dazu ist „Modern Familiy“. Das Reflexionsniveau dieser modernen Familien-Sitcom ist beglückend, die gut geschriebenen Geschichten sind blitzschnell erzählt, die Dialoge sind witzig und brillant, die Schauspieler hervorragend gecastet – und wirklich JEDE der 10 Hauptfiguren ist überzeugend entwickelt. Und es ist das große Comeback von Ed „Al Bundy“ O’Neill!

Im Jahr 2012 freue ich mich auf „Ham.Lit“, die „Lange Nacht deutschsprachiger Literatur und Musik“ am 2.2.2012 im Uebel & Gefährlich, präsentiert u.a. von CULTurMAG. Dort lesen auf drei Bühnen 15 Autorinnen und Autoren parallel – das LineUp ist auch in diesem Jahr wieder sehr vielversprechend, wir werden im Januar einige der Teilnehmer vorstellen.

Zu Teil II des großen CM-Jahresrückblicks: hier (zu Teil III hier).