Geschrieben am 27. April 2009 von für Bücher, Litmag

Susanne Heinrich: So, jetzt sind wir alle mal glücklich

Elementarteilchen der Liebe

Die Liebe und die Leidenschaft mit all ihren Höhen und Abgründen – das sind die Themen von Susanne Heinrichs Erzählungen und Romanen. Exemplarisch für eine ganze Generation leuchtet die talentierte Nachwuchsautorin deren schillernde Facetten auch in ihrem neuen Roman aus. Von Karsten Herrmann

Susanne Heinrich lässt ihren Roman am Vorabend der Hochzeit von Franziska und Georg spielen. Auf deren Polterabend ist ein harter Kern von drei Pärchen um die 30 zurückgeblieben, die beziehungstechnisch irgendwo zwischen Heirat, Abschied, Übergang und Neuanfang, zwischen der Utopie der Liebe und der völligen Desillusionierung stehen. Heinrich erzählt aus der je wechselnden Perspektive von Franziska, Clara und Max und zoomt zwischen deren inneren Gefühls- und Gedankenwelten sowie den Gesprächen in der Gruppe hin und her. So hat Clara sich nach dem Tod ihres Geliebten in einen „bequemen Zynismus gehüllt, der mich von der Welt, von mir und meiner Traurigkeit entfremdet“ und lässt sich mit ihrem Prolet-Macho Frank nur noch auf ein herzloses, sexuell grundiertes Machtspielchen ein. Franziska hat sich von ihren Idealen und Träumen verabschiedet und möchte sich mit Georg, dem stets freundlichen Mann ohne Eigenschaften, in einer pragmatisch „geglückten Beziehung“ mit Eigenheim einrichten. Max knabbert noch an einer gescheiterten Ehe und kann dem unbedingten Liebesanspruch der naiv-fröhlichen Charlotte kaum gerecht werden.

Immer betrunkener und erschöpfter werden die drei Pärchen und immer ungeschminkter prallen an diesem Abend die verschiedenen Lebensentwürfe, die geplatzten Hoffnungen und kleinen Selbstbetrügereien, die Plattitüden und Heucheleien aufeinander. Momente der ungezwungenen Freundschaft, Heiterkeit und Ehrlichkeit wechseln sich mit Momenten der Verletzung und Verachtung ab. Exemplarisch entsteht Stück für Stück das Gefühlspsychogramm einer Generation, die suchend an einer Wegmarke steht zwischen einem nicht mehr und einem noch nicht.

Auf eine inhaltlich wie stilistisch verblüffend souveräne Weise dekliniert die erst 24-jährige Susanne Heinrich die Liebe und die Leidenschaft all ihren Spielarten durch. Ihr Roman, der in Echtzeit nur einige Stunden umfasst, ist ein Kammerspiel mit sublimer psychologischer Spannung und großartigen poetischen Bildern und Sentenzen. Auf fast magische Art experimentiert sie hier mit der Alchemie der Gefühle und lässt die Elementarteilchen der Liebe einen furiosen Tanz zwischen Anziehung und Abstoßung vollführen.

Karsten Herrmann

Susanne Heinrich: So, jetzt sind wir alle mal glücklich. Dumont Verlag 2009. 300 Seiten.