Posted On 5. Juli 2017 By In Bücher, Litmag With 570 Views

Roman: Tex Rubinowitz: Lass mich nicht allein mit ihr

rubinowitz_flaschenIntertextuelles Spiegellabyrinth

– 2014 wurde der Zeichner, Maler, Schauspieler, Herausgeber, Kurator und Reisejournalist Tex Rubinowitz mit dem „Bachmann“-Preis ausgezeichnet und legte daraufhin sein höchst originelles Romandebut „Irma“ vor. In seinem zweiten Roman schreibt das 1961 als Dirk Wesenberg geborene Multitalent nun wie zuletzt auch Joachim Lottmann in „Happy End“ über die zermürbende Unfähigkeit einen Roman zu schreiben. Von Karsten Herrmann

„Das meiste war auserzählt, ich war auserzählt“ resümiert der Ich-Erzähler alias Tex Rubinowitz alias Dirk Wesenberg gleich zu Anfang und beklagt ein Leben, in dem eigentlich nichts passiere. Und so beschließt er einfach seinen einigermaßen erfolgreichen Debutroman „Virna“ (!) zu plagiieren und  „das Nichtvorhandene mit glitschigen Gehirnkapriolen [zu] verbrämen“.

Virtuos kreiselt der ich-Erzähler in der Folge um seine Unfähigkeit zu schreiben, um seine sonstigen körperlich-geistigen Unzulänglichkeiten und überhaupt um seine Verlorenheit in dieser Welt: „Ich werde plötzlich ganz klein, meine Seele zieht sich mutlos zusammen, wie eine gemütskranke Seegurke am Grund des stockfinsteren Mariannengrabens.“

Tex Rubinowitz schafft in seinem zweiten Roman ein intertextuelles Spiegellabyrinth, in dem er einen Roman schreibt, über das Roman schreiben schreibt, mit seinem Lektor über die (nicht vorhandenen) Fortschritte des Romans korrespondiert und en passant auch gleich noch die Kritik der Literaturkritik an diesem Spiel mit den verschiedenen Ebenen und dieser Art von Camouflageliteratur antizipiert. Und um das Fass zum Überlaufen zu bringen, lässt er auch einen ihn schriftstellerisch imitierenden Doppelgänger auftauchen, der bei autoerotischen Spielen im Kleiderschrank von Anja Kruse sein schmähliches Ende findet.  

„Lass mich nicht allein mit ihr“ ist ein Pseudo-Roman, der an das Original nicht heranreicht und in seiner Fragmentierung auch keinen erzählerischen Drive entwickelt. Dafür ist er aber aufgeladen mit wunderbaren Metaphern, Absurditäten, selbstironischen Entkleidungen und augenzwinkernden Reflexionen über das Leben und das Schreiben: „Als ich heute Morgen aufwachte, fühlte ich mich wie der erste Satz in einem Roman. Der erste Satz ist immer der pathetischste, peinlichste.“

Karsten Herrmann

Tex Rubinowitz: Lass mich nicht allein mit ihr. Rowohlt 2017. 288 Seiten.

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