Peter Zeindler: Die Meisterpartie


Heimlich, still und leise

Ein Dutzend Erzählungen hat der Pendragon Verlag zu Ehren des 75-Jährigen Peter Zeindlers zusammengetragen. Und macht damit Freunden der stilleren, aber umso heimtückerischen Töne eine Freude. Es gratuliert Jörg von Bilavsky

„Ich bin zwischen Stuhl und Bank“, charakterisierte Peter Zeindler einmal sein Verhältnis zum Genre Kriminalliteratur und dem Genre, das ohne das Wort „Kriminal“ auskommen möchte und sich oft für etwas Besseres hält. Für den viermaligen Gewinner des Deutschen Krimipreises und den stolzen Besitzer des Ehrenglausers verläuft zwischen E- und U-Literatur kein unüberbückbarer Graben. Das beweisen nicht allein seine 15 Romane, das beweisen vor allem seine allzumenschlichen und abgefeimten Erzählungen.

Auch wenn der Schweizer Autor nicht die literarische Raffinesse und Qualität seiner Vorbilder erreicht, so erinnern seine mörderischen Miniaturen zweifellos an Patricia Highsmith, die mit Vorliebe traumatisierte Zeitgenossen zu ihrem Personal zählte. Dramaturgisch sind auch Einflüsse seines verstorbenen Landsmanns Dürrenmatt erkennbar, der in seiner Prosa oft und gern die „Schlimmste aller möglichen Wendungen“ allen anderen denkbaren vorzog. Aber all die vermeintlichen oder tatsächlichen Anleihen aus dem Reich der Klassiker lösen sich in Zeindlers eigenem Stil auf, der aus dem Alltäglichen schöpft, um im Absurden oder im Aberwitz zu münden. Heimlich, still und leise.

Seine Figuren sind permanent auf der Suche nach Liebe, Anerkennung oder ihrem seelischen Frieden. Scheuen weder Mord, Betrug noch Erpressung. Manche erreichen ihr Ziel, manche bleiben mit argen Blessuren oder mausetot auf der Strecke. So ist jede seiner Geschichten für eine neue Überraschung gut. Zeindlers Geschichten sind charakteristisch, aber ihr Ausgang nie vorhersehbar. Sie reflektieren das deutsch-deutsche Spionagemilieu („Es legt nur an, wer landen will“, „Die Meisterpartie“), werfen eine selbstironischen Blick auf vermeintlich ausgebrannte und verkannte Schriftsteller („Kreuzfahrt“, „Doppelt genäht hält besser“) oder begleiten die perfiden Rachefeldzüge gedemütigter Normalbürger („Private Banking“, „Der flambierte Mann“, „Die gelben Schuhe“, „Der Heimwerker“).

Wie seine Romane bewegen sich auch seine Erzählungen haarscharf an der „Schnittstelle zwischen Fiktion und Realität.“ So zumindest urteilt der „Großkritiker“ in „Doppelt genäht hält besser“ über das reale und fiktive Schaffen eines lobeshungrigen Kriminalautors. Peter Zeindler musste Zeit seines Lebens keinen Kritiker bedrohen, um für seine Werke die ersehnte Anerkennung zu erfahren. Freilich trieben wohl auch ihn bei jeder seiner Neuerscheinungen solche Ängste um. Wie die zwölf bitterbösen Geschichten beweisen: völlig ohne Grund.

Jörg von Bilavsky

Peter Zeindler: Die Meisterpartie. Kriminalgeschichten. Bielefeld: Pendragon Verlag 2009. 168 Seiten. 14,90 Euro.

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