Geschrieben am 18. August 2008 von für Bücher, Litmag

Martina Brandl: Glatte, runde Dinger

Ganzplatte Humorarbeiterin

Sehr durchsichtig, wie Martina Brandl mit einer Mischung aus mainstreamigen Kalauern, häufchenweise portionierter Erotik a la Feuchtgebiete und einer homöopathischen Prise Frauenroman versucht, den Erfolg ihres ersten Romans Halbnackte Bauarbeiter zu toppen. Von Ulrich Noller

Diese Frau kann fast alles: „Komikerin, Sängerin, Moderatorin (…), macht Varieté, Musical, Lesungen und spricht die Kanzlerinnen-Soap ‚Mad Merkel’“, so heißt es im Klappentext zu Martina Brandls zweitem Buch Glatte, runde Dinger, das dieser Tage palettenweise die Druckereien verließ.

Der Grund dafür: Die Frau kann nicht nur fast alles, sie ist dabei auch noch erfolgreich. Brandls Debütroman Halbnackte Bauarbeiter war im vergangenen Jahr ein dicker Bestseller, leider Gottes, denn überzeugend war dieser halbgare, klischeeverseuchte Erzählungsversuch samt seinem höchstens halben Dutzend an halbwegs ziehenden Pointen nun wahrlich nicht.

Jetzt also Glatte, runde Dinger, das Nachfolgeding, die Geschichte einer von Neurosen geplagten Enddreißigerin aus Kassel, die, nachdem sie sich mit einem Schaffner zerstritten hat, auf dem Weg nach Berlin aus dem ICE geworfen wird – und sich anschließend, des Alltags überdrüssig, in ein neues Leben treiben lässt: Als Mitarbeiterin eines Enthaarungsstudios, als Mitglied einer Varietégruppe, als ungewollte Stalkerin einer, wer hätt´s gedacht, Erfolgsautorin …

Eher durchsichtig, wie Martina Brandl mit einer Mischung aus mainstreamigen Kalauern, häufchenweise portionierter Erotik à la Feuchtgebiete und einer homöopathischen Prise Frauenroman versucht, den Erfolg ihres ersten Romans zu toppen. Gut möglich aber, dass dies gelingen wird, schließlich macht die Martina uns hier die Charlotte, ein bisschen zumindest, und die detailgenaue Beschreibung des Herumpulens in Körperöffnungen kommt ja gerade nicht nur bei analfixierten Lesern sehr gut an.

Gewaltig versemmelt

Literarisch versemmelt die Autorin ihre zweite Chance jedenfalls ganz gewaltig: Die Gags sind müde, die Geschichte bleibt langweilig, die sprachliche Gestaltung ist nicht der Rede wert und das ganze Konstrukt ist in der Summe seiner Teile derartig sinnentleert, dass einem beim Lesen fast schlecht wird. Fazit: Eine schwitzige Schlappe sogar im Vergleich zu Halbnackte Bauarbeiter, und das will schon was heißen.

Mösentauchen in pseudoliterarischer, bleiern-witzischer Großaufnahme: Kaum zu glauben, dass solcher Schmarrn in einem ehrbaren Verlag Lektorate, Vertreterkonferenzen etc. passiert. Wie hohl, fragt man sich, muss ein Produkt des Literaturbetriebs eigentlich sein, um nicht verlegt zu werden? Und komme jetzt bloß keiner mit dem Argument der Ironie, denn Ironie wird hier durchgängig durch fade Pointen, miese Jokes und einen pseudolustigen Handlungsverlauf ersetzt.

Wie auch immer, eines ist spätestens jetzt jedenfalls klar: Es gibt auch etwas, was Martina Brandl nicht kann … und das Singen ist damit nicht gemeint.

Ulrich Noller


Martina Brandl: Glatte, runde Dinger. Scherz Verlag 2008. 208 Seiten. 13,90 Euro.