Geschrieben am 3. September 2007 von für Bücher, Litmag

Johanna Straub: Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht.

Die Banalität des Alltags

Der Roman „Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht“ erzählt die Lebensgeschichte einer Frau auf ungewöhnliche und originelle Weise.

Allein für den Titel müsste man diesen Debütroman eigentlich schon lieben. Johanna Straub, 1970 in Hamburg geboren, lebt seit einigen Jahren als Schriftstellerin und Filmemacherin in Berlin, für die Kurzgeschichte Evolution erhielt sie 2005 den Debütpreis des Poetenladens.

Großartig gelungen ist ihr in ihrem Roman vor allem das erste Kapitel. Bernd, Philippas zukünftiger Vater, wird auf dem Weg zur Entbindung von dem Gefühl überwältigt, die Verantwortung, die auf ihn zukommt, nicht zu ertragen, und er spielt mit dem Gedanken, sich aus dem Staub zu machen. Indem sie die Zweifel des jungen Vaters thematisiert, webt Straub ein feinmaschiges emotionales Netz – und natürlich greift sie der Entwicklung auch schon voraus, denn die Trennung, die sich hier ankündigt, wird für Bernd zu einem Verhaltensmuster auch in späteren Beziehungen.

In der Folge werden weitere Episoden aus Philippas Leben erzählt aus der Sicht von ihrer Großmutter, ihrem Stiefbruder (Bernd hat sich schon verabschiedet), von Schulfreundinnen und Freunden, später von ihrem Mann, ihrem Sohn, ihrer Schwiegertochter, ihrer Enkelin. Die zwölf Kapitel orientieren sich dabei an den Monaten eines Jahres, doch liegen zwischen dem Januar des ersten Kapitels und dem Februar des zweiten Kapitels ein paar Jahre und das Scheitern einer Beziehung (im Aufbau eine kleine Reminiszenz an den Aufbau der Tagebücher von Helmut Krausser?). Den Lauf der Zeit macht die Autorin ebenso an historischen Ereignissen wie an alltäglichen Details fest. Da droht im Hintergrund die Bestrahlung allen Gemüses durch den GAU in Tschernobyl, da läuft Captain Future im Fernsehen, da lockt Berlin nach dem Mauerfall und im Kino läuft Sex Lügen und Videos.

Leider verliert der Roman jedoch mit dem Wechsel der Perspektiven an Anziehungskraft. Bei allem Reiz, den die originelle Erzählweise ausmacht, bietet sie nicht die Möglichkeit, eine Geschichte im eigentlichen Sinne zu erzählen. Die Alltäglichkeit der Geschehnisse ist der Autorin letztlich doch ein wenig zu authentisch gelungen. Viele Erzählstränge verlieren sich in der Banalität eines allzu unspektakulären Lebens. Und wenn sich Straub der Zeit nach der unseren zuwendet (Der Handlungsrahmen führt von 1970 bis 2050), trägt sie ein kleines bisschen zu dick auf, was die Weiterentwicklung von Technik und Jugendsprache betrifft. Wer die unaufgeregte, solide Beschreibung einer Lebensgeschichte zu schätzen weiß, wird diesen Roman genießen können, wer sich allerdings einen Spannungsbogen, überraschende Wendungen, vielleicht auch heftigere Emotionen von der Lektüre erhofft, wird enttäuscht werden.

Frank Schorneck

Johanna Straub: Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht. Liebeskind 2007. 206 Seiten. 16,90 Euro.