Geschrieben am 4. Juni 2011 von für Bücher, Crimemag

Jason Starr: Brooklyn Brothers

Böses, ganz, ganz böses Brooklyn …

Ein Kauftipp vom Buchhändler unseres Vertrauens, Christian Koch vom „Hammett“ – heute: Jason Starr

Mit „Brooklyn Brothers“ hat der Diogenes Verlag nun endlich den im amerikanischen Original bereits 2006 erschienenen Roman „Lights Out“ von Jason Starr ins Deutsche übersetzen lassen. Ausnahmsweise ergeben beide Buchtitel Sinn, der amerikanische ist konsequenter, der deutsche ist sicherlich ironischer.

Denn „Brüder“ sind Jake Thomas und Ryan Rosetti nun wahrlich nicht. Zwar wuchsen beide zusammen in Brooklyn auf, beide waren damals Sport-Asse, aber das war’s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Ryan hält sich mit Malerarbeiten gerade mal so über Wasser, aus Jake dagegen wurde ein gefeierter Baseballstar. Ein Arschloch zwar, aber beliebt bei den Medien, bewundert von den Fans und außerdem stinkreich.

Nur für ein Wochenende kommt er in sein altes Brooklyn zurück, ein Fest wird zu seinen Ehren veranstaltet, und alles könnte eigentlich so schön sein …

Aber Jake hat ein nur ein Ziel. Er will den Medien die Verlobung mit seiner Jugendliebe Christina bekannt geben. Vor kurzem hat der womanizer Jake nämlich mit einem vierzehnjährigen Mädchen geschlafen. Nun wollen deren Eltern ziemlich viel Kohle, ansonsten drohen sie mit einer Anzeige. Das wäre verheerend für Jakes Bild in der Öffentlichkeit, und auch für seine fetten Werbeverträge. Also muss schnell gute Presse her! Was Jake allerdings nicht weiß: Ryan und Christina sind heimlich ein Paar geworden und wollen Jake das genau an diesem Wochenende mitteilen. Und damit beginnt dann auch schon der Anfang vom Ende …

Jason Starr schickt seine Romanfiguren auf eine Höllenfahrt – dagegen ist Achterbahnfahren Zeitlupe mit Valiumgeschmack. Keiner kommt heil aus diesem Wochenende raus, die Bloßlegung des „American Way of Life“ ist noch das harmloseste Randereignis.

Flipperkugelartig lässt Jason Starr seine Figuren auf – und gegeneinander prallen, und das alles in einem Wohngebiet von wenigen Blocks Größe. Wie die einzelnen Sequenzen miteinander verkettet werden, das ist handwerklich klasse und wunderbar böse.

Ein Abschlusslob noch für Ulla Kösters runde und stimmige Übersetzung. Verschiedene Romanfiguren brauchen eben auch verschiedene Stimmen.

Christian Koch

Jason Starr: Brooklyn Brothers (Lights Out, 2006) Roman. Aus dem Amerikanischen von Ulla Kösters. Zürich: Diogenes 2011. 454 Seiten. 10,90 Euro.