Eduardo Belgrano Rawson: Rosas Stimme


Karibisches Mosaik

In seinem neuen Roman beschreibt der gefeierte argentinische Schriftsteller Eduardo Belgrano Rawson die von der CIA gestützte Invasion von Exilkubanern gegen die Revolutionsregierung unter Fidel Castro in einem viel perspektivischen Mosaik.

17. April 1961: Juri Gagarin schwebt schwerelos durch das Weltall, Luis Rodriguez boxt gegen El Chicharo und Rosa von Radio Swan kündigt das Ende ihrer nächtlichen Sendung an – „Es war einer jener Momente, in denen man, mit Abstand betrachtet, hätte sagen können: Heute wird irgendetwas passieren.“ Und an eben diesem Tag startet die von der CIA gestützte Invasion von Exilkubanern gegen die Revolutionsregierung unter Fidel Castro.

In seinem neuen Roman umkreist der gefeierte argentinische Schriftsteller Eduardo Belgrano Rawson die Ereignisse rund um diesen gescheiterten Putsch. „Rosa“ ist ein Roman, der anhand der unzähligen, oft ganz und gar banalen oder zufälligen Verstrickungen und Verwicklungen von Menschen in historisch bedeutsamen Momenten, Geschichte von unten beschreibt. So haucht die titelgebende Figur und ehemalige Prostituierte Rosa in dieser Nacht bei Radio Swan mit „der heißesten Stimme der Antillen“ und im Auftrag „der Firma“ chiffrierte Nachrichten für die Invasoren in den Äther. Ihre Stimme und ihre Salsa-, Mambo- und Tango-Ryhthmen verbinden die völlig unterschiedlichen Schicksale von Guilleros, Gringos, Exilanten und armen Zuckerrohrbauern.

Belgrano hat in seinem Roman auf eine Unzahl von dokumentarischen Quellen aus dieser Zeit zurückgegriffen und daraus ein in süffig-derber Prosa erzähltes, polyphones und viel perspektivisches Mosaik zusammengestellt. Er bietet den Leser dabei keinen roten Faden, sondern lässt die einzelnen Facetten unkommentiert in der Summe wirken – auch auf die Gefahr hin, dass einige Hintergründe sich nicht erschließen und Verbindungen verborgen bleiben. Doch deutlichst kristallisiert sich aus diesem menschlich-allzumenschlichen Mosaik eine harsche Abrechnung Belgranos mit den Machenschaften von CIA und United Fruit in der Karibik und in Mittelamerika heraus. Damit wird „Rosa“ auch zu einem eminent politischen und kritischen Roman.

Karsten Herrmann

Eduardo Belgrano Rawson: Rosas Stimme. Übersetzt von Lars Grüneisen. C.H. Beck, 2006. 382 Seiten, gebunden. 22,90 Euro. ISBN 3406550649.

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