Geschrieben am 16. Januar 2013 von für Musikmag

Villagers: {Awayland}

Villagers_AwaylandFreundlicher Begleiter

– Kaum hat das neue Jahr begonnen, trumpft es auch schon mit dem ersten brillanten Album auf: {Awayland} von den Villagers. Villagers – das war eigentlich der Ire Conor O’Brien, der unter diesem Namen 2010 das für den Mercury Price nominierte Album „Becoming A Jackal“ veröffentlichte. Mittlerweile sind die Villagers, d. h. O’Brien und seine Live-Musiker, zu einer richtigen Band zusammengewachsen.

Dieser Umstand beschert dem zweiten Studioalbum eine neue Dichte an Arrangements und sprühenden Ideenreichtum. {Awayland} bringt alles mit, was ein Album für die Ewigkeit braucht: Catchiness, die durch Singer-Songwritertum genauso mäandert wie durch sanfte Elektronik und dabei das Gefühl für gute Songstrukturen nie vergisst. {Awayland} ist beiläufig zu etwas ganz Großem geworden.

Leise ertönen die ersten Gitarrenklänge, zu denen sich O’Briens Stimme mit den Worten „You are needing a friend, for to follow, for defend” gesellt. Damit nimmt „The Lighthouse“ vorweg, was {Awayland} sein wird – ein freundlicher Begleiter durch das Jahr. Fast weihnachtlich erwärmen die Backgroundvocals das Herz. Gerade, wenn der Hörer es sich in dieser Wohligkeit bequem einrichten will, geht es mit „Earthly Pleasure“ on the road. Wie das stetige Rattern einer Lokomotive kommt das Album in Fahrt und entwickelt sich zu einer Reise durch weite Melodien und Seelenlandschaften, sich unaufhörlich verändernd, aber den Gleisen folgend.


Villagers – The Waves (Official Video) von domino

Die erste Singleauskopplung „The Waves“ beginnt herrlich abgehackt, schwillt unmerklich melodiös an, um sich dann in einer vom Schlagzeug getragenen Dringlichkeit aufzulösen. Das Album erzeugt mit jedem Song neue Bilder im Kopf und kann zurecht als cineastisch bezeichnet werden, ohne dabei Score-Musik zu sein. Höhepunkt der Soundtrack-Qualitäten ist „The Bell“ – ein Track, in dem beschwingt ein Roadmovie auf die Hammond-Orgel trifft und James Bond im Hintergrund die Fäden hält.

„Passing A Message“ entführt den Hörer in einen Saloon und es wird euphorisch in die Tasten gehauen. Die Villagers verbinden am Ende die anschwellenden Hymnen von Arcade Fire mit der Gelassenheit von Grandaddy und lassen den genialen Funken von Jeff Buckley durchscheinen – und sind doch eigen und unverwechselbar.

Besser als Conor O’Brien selbst könnten wir es nicht sagen: „It travels through space and time and leaves you back for dinner.“

Janine Andert

Villagers: {Awayland}. Domino Records. Zur Homepage und Facebook. Hörproben auf Myspace.

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