Geschrieben am 9. Mai 2012 von für Musikmag

Tu Fawning: A Monument

Tu Fawning: A MonumentTheatrale Raserei

– Dieses Album ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Monument, findet Janine Andert. Es übertrifft für sie sogar noch den Vorgänger „Hearts On Hold“, und der war schon ein Meisterwerk beklemmender Melancholie mit Hoffnungsschimmer.

Die Rede ist natürlich von Tu Fawnings Zweitwerk „A Monument“. Die Band aus Portland, Oregon, ist eine der Galionsfiguren des neuen Portland-Sounds, der gerne mit Folk in Verbindung gebracht wird. Musique noire trifft es besser. Aus der Ferne heranrollender Hall auf den Stimmen und Instrumenten. Dunkelheit, die glimmende Sehnsucht in sich birgt. Die pointierte Rhythmik der Percussions gibt wummernd den Herzschlag vor. Die Stimme von Sängerin Corinna Repp trägt den Hörer in einen Schwebezustand. Tu Fawning zaubern den Soundtrack zu modernen Märchen. Dabei kommt das Album mit einer leichten Schwere daher, die vergessen lässt, welch musikalische Raffinessen sich dahinter verbergen. Von der Ferntrompete, die eher aus großen Konzertsälen bekannt ist, bis hin zu orientalischen Flöten reicht das Aufgebot.

Tu Fawning sind Joe Haege und seine Freundin Corinna Repp, für deren Stimme die Band gegründet wurde. Beide machten sich bereits durch verschiedene Soloprojekte, darunter 31 Knots (Haege), einen Namen in Portlands Szene. Weil vier Finger für die musikalischen Visionen nicht ausreichten, wird das Paar Repp und Haege, das sich gleichberechtigt Piano, Drums, Percussions, Gitarre, Samples und den Gesang teilt, von zwei weiteren Multiinstrumentalisten unterstützt. Toussaint Perrault ist ergänzend zuständig für Trompete, Posaune, Drums, Pauke, Gitarre und Gesang, Liza Rietz für Piano, Violine und Gesang.

Im Gegensatz zu „Hearts On Hold“ gewinnen auf „A Monument“ gitarrenlastiger Indie-Rock und herrlich schön verstimmte 80er-Jahre Synthesizer an Einfluss. Gleichzeitig wird diesen Tendenzen noch mehr Orchestralität und kriegerische Vehemenz entgegengesetzt. Repps Stimme ist fordernder geworden. Sie hat ihren sphärischen Hauch verloren und steht wie ein in Stein gemeißeltes Monument da. „Actually lots of synths, as well as some samples of South American chants turned into chords. Not to mention the degenerated Four Track recorders, dying guitar pedals, and most importantly: turning your back to the microphone and yelling” beschreibt Tu Fawning-Gründer Joe Haege das Album. Ganz treffend, ist es doch unsagbar schwer, diesen einzigartigen Sound in Worte zu fassen.

Dem Hörer bleibt nur Staunen ob der Wuchtigkeit, die an theatrale Raserei grenzt. Tu Fawning klingen einfach nur nach sich selbst, ohne sich dabei zu wiederholen. „A Monument“ ist ein gewaltiger Schritt nach vorne. Unerwartet. Die Band hat es geschafft ein Album zu toppen, einen spezifischen Sound weiterzuentwickeln, bei dem man gedacht hätte, da geht nicht mehr. Tu Fawning haben sich von melancholischen Retroanleihen befreit, die warme Traurigkeit hinter sich gelassen und rollen wie ein reinigendes Gewitter über den Hörer. Herrlich!

Janine Andert

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