Geschrieben am 11. Januar 2012 von für Musikmag

The Black Keys: El camino

The Black Keys: El caminoSexappeal mit Grammy-Bonus

– Die Black Keys kommen auf ihrem siebten Studioalbum mit verboten viel Sexappeal daher. Eingängiger denn je grooven sie, immer noch dem dreckigen Rocksound verpflichtet, in die Gehörgänge und Beine, findet Janine Andert.

Galten die Black Keys hierzulande lange als Geheimtip, gelang ihnen mit ihrem dreifach grammyprämierten sechsten Longplayer „Brothers“ 2011 weltweit der absolute Durchbruch. Verdient spielten sich Dan Auerbach und Patrick Carney mit ihrem zeitlosen Blues Rock in die Herzen einer stetig wachsenden Fangemeinde und bereicherten die Radiolandschaft mit verboten sexy anmutende Tunes, die gekonnt dreckigen Rock mit verheißungsvoller Sehnsucht paaren.

Nach so viel Erfolg des Vorgängeralbums lag die Messlatte für den aktuellen Longplayer „El camino“ hoch. „Brothers“ verkaufte sich allein in Nordamerika über 900.000 Mal. Die Tour zum Album war ausnahmslos ausverkauft und ein Teil – unter anderem auch die Deutschlandtermine – wurde am Ende abgesagt. An dieser Stelle lag der Gedanke nahe, dass die Black Keys wurden von ihrem Überraschungserfolg überrannt worden waren und eine Auszeit brauchten. Stattdessen arbeiteten Auerbach und Carney fleißig an ihrem siebten Album. Das Ergebnis entschuldigt jedes abgesagte Konzert.

Sich treu geblieben, erzählen die beiden ehemaligen Nachbarskinder weiterhin universelle Geschichten über die Liebe. Genauso universell wie die Storys hat sich der Sound der Band entwickelt. „El camino“ ist fett produziert. Melodien, die beim ersten Hören hängen bleiben, grooven tempogeladen mächtig in die Beine. Die mit Ecken und Kanten versehene Mischung aus Blues, Country, Boogie, Soul und Rock erreicht auf „El camino“ seine Perfektion. Ohne sich anzubiedern haben die elf Songs einen Flow, der einfach nur auf die Repeattaste drücken lässt.

Höhepunkt und Abschied

Die Black Keys haben die Formel für den perfekten Rocksong und das perfekte Rockalbum entdeckt – jenseits von allen Trends, mit Reminiszenzen aus und Anspielungen auf 50 Jahre Rockgeschichte. Bestes Beispiel ist hier „Little Black Submarines“, eine Neuinterpretation von Led Zeppelins „Stairway To Heaven“. Die Black Keys schaffen, was nur wenige, ganz Große erreichen, mit „El camino“ den dritten Meilenstein in Folge aus dem Hut zu zaubern. Nicht ganz unbeteiligt ist dabei der legendäre Produzent Danger Mouse, der seit dem 2008er-Werk „Attack & Release“ dem erdigen Garagensound des Duos unaufdringlich Hitpotential beimengt.

„El camino“ ist gleichzeitig Höhepunkt und Abschied der bisherigen Black Keys-Karriere. Das Artwork zeigt den alten Tour-Van „El camino“, das treue Gefährt der Vergangenheit. Die aus Akron/Ohio stammende Band wird wohl nie wieder zu zweit im Tourbus durch die Lande tingeln. Verdient, denn für ihren jetzigen Erfolg haben sie zehn Jahre lang hart und konsequent gearbeitet. Hier zeigt sich am deutlichsten das Antiphänomen Black Keys. Sie sind kein Internethype, keine Trendsetter und schon gar kein aus dem Boden der Plattenindustrie gestampftes Kunstprodukt, sondern eine traditionelle, solide Rockband, die auf stetige Weiterentwicklung setzt und von der wir auch in Zukunft noch viel erwarten dürfen.

Janine Andert

The Black Keys: El camino. Nonesuch/Warner Music. Homepage; Facebook; Reinhören bei Soundcloud; Video ansehen.

Tags :