Geschrieben am 16. März 2011 von für Musikmag

Stagetime: Tu Fawning

Tu Fawning spielten live am 5.3.2011 im Berliner Comet Club, Janine Andert war dabei.

Alles zweckgebunden

– Das mit den Anfangszeiten von Konzerten in Berlin ist immer so eine Sache. Die Anfangszeit auf der Konzertkarte ist nur ein genereller Richtwert mit mal mehr und mal weniger Aussagekraft. Es kann – zumindest was den Support betrifft – 30 Minuten vorher beginnen oder drei Stunden später. Es ist also von sehr großem Nutzen, im Verteiler des Veranstalters zu stehen, der zumindest bei Tu Fawning einen Tag vorher darauf hinwies, dass der erste Act des Abends bereits um 20.45 Uhr auf der Bühne stehen wird. Pech, wer sich an der Karte, auf der 21 Uhr stand, orientierte. Denn Ned Collet war durchaus hörenswert. Musikalisch in der Richtung des Singer-Songwritertums von Two Gallants und The Tallest Man On Earth unterwegs spielte er das Publikum im Berliner Comet schon einmal warm.

Nach einer kurzen Umbaupause verdunkelte sich der Raum, und von Schwere getragene Samples tauchten den Club in eine spannungsgeladene Atmosphäre. Erwartungsvoll lauschte das Publikum, was es denn zu dem großartigen Debütalbum „Hearts On Hold“ live geboten bekommt. Die vier Mitglieder von Tu Fawning betraten die Bühne. Der Saal hatte sich inzwischen sehr gut gefüllt, was Joe Haege (eines der beiden Gründungsmitglieder des Portlander Quartetts, momentan Mitglied bei Menomena und demnächst wieder mit seinen 31knots am Start) später immer wieder begeistert feststellte. Immerhin war es Tu Fawnings erster Auftritt in Berlin, und als noch nicht ganz so bekannte Indie-Band müssen mitunter mickrige 50 Mann unterhalten werden. Die Band verstand es von Anfang an, jeden in ihren Bann zu ziehen. Dichte Klangteppiche wurden von Pauken und Trompeten (ok, genau genommen war es eine Posaune), E-Gitarre, Schlagzeug, Geige und was den Multiinstrumentalisten gerade noch so in die Hand fiel, zu einem umwerfenden musikalischen Hörvergnügen geschichtet. Selbst Grundschulinventar wie Tamburin und Klanghölzer verdichteten den einzigartigen Sound zu etwas derartig Bemerkenswerten, dass diese unterschätzten Instrumente durch Tu Fawning rehabilitiert wurden. Ganz nebenbei wechselten sich Joe Haege und seine Freundin Corinna Repp, für deren Stimme die Band gegründet wurde, mal eben so mit Schlagzeug und Gitarre ab und bewiesen auch gerne, dass sie mehrere Instrumente gleichzeitig spielen können – wenn die Füße das Schlagzeug bedienen, ist in den Händen noch Platz für Gitarre, Klangholz oder ähnliches. Beeindruckend war hier eigentlich nicht, dass sie es taten, sondern mit welcher Homogenität und Selbstverständlichkeit sie es taten. Es wirkte zu keiner Zeit aufgesetzt, sondern schien dem Umstand geschuldet, dass mehr Musiker keinen Platz auf der Bühne fanden bzw. es einfacher ist, den Takt zu halten, wenn das eine Person erledigt.

Das Paar Repp und Haege wurde wie auf dem Album „Hearts On Hold“ von zwei weiteren Multiinstrumentalisten unterstützt. Toussaint Perrault sorgte, als er mit seiner Posaune ins Publikum herab sprang, für einen Höhepunkt des Abends. Im ersten Moment war es ein klasse Effekt in Sachen Band-Hörer-Bindung, aber eigentlich ging es um den Klang. Der wehmütige Ton der Ferne konnte nicht auf der Bühne, sondern nur zwischen den vielen Menschen, die die Lautstärke verschluckten, erzeugt werden. Das ist die Größe von Tu Fawning – alles ist zweckgebunden und sieht nur vordergründig nach Show aus. Was Corinna Repp später noch einmal mit ihrem Klangholz vor der Bühne unter Beweis stellte. Liza Rietz spielte Piano, Violine und übernahm den Backgroundgesang. Die für Tu Fawning typischen akzentuierten Rhythmen setzte Corinna Repp auch in ihren Bewegungen um, was ein durchaus schönes Seherlebnis war.

Die Band spielte bis auf zwei Songs das gesamte „Hearts On Hold“-Album, dabei aber verhältnismäßig viel gemischt mit älteren Stücken ihrer 2008er „Secession EP“. Da wären wir auch schon beim einzigen Manko (abgesehen davon, dass der einstündige Auftritt viel zu kurz war): Diese EP war leider schon restlos ausverkauft.

Janine Andert

Ein weiterer guter Livemitschnitt von einem Konzerten im Netz.
Die Homepage der Band. Tu Fawning auf Myspace und bei Facebook. Hier gibt es einen kostenlosen Album-Stream.


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