Geschrieben am 18. März 2015 von für Musikmag

Stagetime: Roddy Frame, 1. März 2015, Köln, Luxor

Roddy FrameWe are family…

Meine drei Platten des Jahres 2014 waren die neuen Alben von Bill Pritchard, Ben Watt und Roddy Frame. Alles Künstler, die mit ihren Bands in den 80er-Jahren mehr oder weniger erfolgreich waren. Der erfolgreichste aus der Runde war damals sicherlich Roddy Frame mit seiner Band Aztec Camera, der als Wunderkind gefeiert wurde und mit der Platte „High Land, Hard Rain“ aus dem Jahr 1983 einen Klassiker in seinem Back-Katalog hat. Mich hat Aztec Camera zu der Zeit nicht so richtig gepackt, obwohl diese Art von Musik auf meiner Vorliebenliste sicher weit oben war. Ihr Gitarren-Pop irgendwo zwischen Wham (noch zuckersüßer), Style Council (jazziger) und ABC (glamouröser) war mir irgendwie zu glatt. Aus heutiger Perspektive gesehen hatten Aztec Camera sicher tolle Songs, aber diese 80er-Jahre Produktionen mit elektronischem Schlagzeug, dünnem Bass und komischen Keyboardeffekten klingen doch gewöhnungsbedürftig. Ich hatte damals eher XTC oder The Waterboys auf meiner Playlist.

Ganz großartig produziert ist allerdings die neue Solo-Platte „Seven Dials“ von Roddy Frame, vom feinen Songwritting einmal ganz abzusehen. Über die letzten zwanzig Jahre hat er wohl ab und an ein Album veröffentlicht, welche aber zumindest von mir aber auch von anderen wenig wahrgenommen wurden. Hier hatte ich eher Auge und Ohr für Frames Buddy Edwyn Collins, der auch heute trotz schwerer Erkrankung noch wunderbare Alben veröffentlicht.

Wie dem auch sein, von den drei eingangs genannten habe ich mir Pritchard letztes Jahr in Bremen angeschaut (vgl. Musikmag v. 11. Juni 2014), Watt hat deutsche Bühnen noch nicht beehrt, und Frame musste seine Tour Ende letzten Jahres leider krankheitsbedingt absagen. Anfang dieses Jahres wurden die Gigs dann aber nachgeholt, und so steht er am ersten März zum Abschluss seiner kleinen Europa-Festland-Tour auf der Bühne des Luxor in Köln. Die Rahmenbedingungen sind bestens: angenehm gefüllter Club, nur Fans im Publikum und ein hervorragend gestimmter Künstler. Dies liegt zum einen daran, dass dies der Abschlussabend seiner Tour ist und zum anderen hatte er vor ca. dreißig Jahren im Luxor sein erstes Deutschland-Konzert mit Aztec Camera gegeben – soweit er sich erinnern kann. Auch erzählt er von der tollen Zeit mit Edywn Collins in Köln, den er bei den Aufnahmen zu dessen Soloalbum „Hope And Despair“ Ende der 80er hier unterstützte.

Unterhaltsamer Geschichtenerzähler

Roddy Frame tritt alleine auf. Schöner hätte ich natürlich ein Band-Auftritt gefunden, um die feinen Arrangements seiner Platte live dargeboten zu bekommen, aber er schafft es auch solo den Spannungsbogen des Konzertes fast zwei Stunden lang aufrecht zu erhalten. Er ist ein unterhaltsamer Geschichtenerzähler, ein sehr guter Sänger und auch ein virtuoser Gitarrist. Oft haben die ohne Band auftretenden Singer-Songwriter noch einen zweiten Gitarristen an ihrer Seite, der in die Solodarbietungen die zwangsläufig fehlenden Feinheiten der Instrumentierung miteinbringt. Einer allein kann das meistens nur sehr schwer leisten, Roddy Frame gelingt das bei seinem Konzert aber spielend.

Selten habe ich ein Konzert erlebt, bei dem der Künstler so euphorisch von seinem Publikum begrüßt wird wie hier. Endlich ist ein guter alter Freund wieder zu Besuch und lässt uns gemeinsam in Erinnerungen der Jugend schwelgen. Die alten Aztec-Camera-Songs, die ungefähr die Hälfte der Setlist ausmachen, werden von den 50-Somethings im Publikum textsicher mitgesungen. Für meinen Geschmack etwas zu wenig berücksichtigt wird die neue Platte mit nur einem Song. Ansonsten spielt und parliert sich Frame durch alle Phasen seines musikalischen Schaffens, wobei „High Land, Hard Rain“ mit fünf Liedern den größten Anteil einnimmt. Letzter Song des Abends ist dann der wohl größte Hit von Aztec Camera „Somewhere In My Heart“. Ein wirklich gelungenes Wiedersehen mit einem seltenen Gast auf deutschen Bühnen. We want more!

Wolfgang Buchholz

Quelle Foto: Homepage von Roddy Frame.

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