Geschrieben am 15. Januar 2018 von für Musikmag

Stagetime: Lancaster, Brandt, Of Richard, The Fisherman and his Soul, Them Cities

Broken Münster Scene…

Eine Handvoll Musiker aus Münster spielen in fünf Bands: Lancaster, Brandt, Of Richard, The Fisherman and his Soul, Them Cities – das ist einer Betrachtung wert.

„Wir sind nicht in Toronto, Carsten.“ Wir sind in Münster, Westfalen, aber auch hier gibt es eine sehr kreative Indie-Pop-Szene. Vielleicht nicht so berühmt wie das bekannte kanadische Konglomerat,  aber ebenso umtriebig und vielfältig.

Ein total verregneter Dezemberabend in Münster. Heute spielen zwei dieser Bands in der Roten Lola: Lancaster und Of Richard. Anlass ist die Veröffentlichung des tatsächlich ersten Albums von Lancaster, „The Modern Way“ betitelt. Lancaster muss man schon als Institution der Münsteraner Indie-Szene bezeichnen. Seit zwanzig Jahren spielen sie mehr oder weniger regelmäßig in Münsteraner Clubs. Zwar gibt es diverse Lieder in den Weiten des Internets zu finden, aber ziemlich überraschend erscheint in 2017 dieses Album mit zehn Songs. Schöne Indiepop-Nummern, irgendwo zwischen Neuseeland, Australien und Amerika zu verorten. Die ersten beiden Lieder klingen eher nach down under, sehr catchy ist die Single „Catch Me“. Mit „The Scott McKenzie Guide To The U.S.A.“ führt die Reise dann mehr in amerikanische Indie-Gefilde. So langsam kommen auch Feedback-Gitarren ins Spiel. Aber eine relaxte Grundhaltung ist eher dominierend. Man erkennt viele Bezüge aus den großen Pop-Universum, Pavement höre ich beispielsweise raus, trotzdem haben Lancaster ihren völlig eigenen Sound. Eine tolle Platte ist dieser moderne Weg.

„Vis-a-vis vor meinem Fenster steht Sebastian in the rain“ – Bassist bei Them Cities und Schlagzeuger bei Lancaster, betreibt er auch noch „The Fisherman and his Soul“. Von „The Fisherman and his Soul feat. Ed Ling“ ist gerade die Single „Spark On Boxing Day“ erschienen. Das Video zeigt Szenen aus Ulrich Schamonis Kultfilm „Alle Jahre wieder“ mit der großartigen Sabine Sinjen. Megaentspannte, leicht elektronische Pop-Musik, langsam baut sich ein Beat auf, eine Melodie entwickelt sich, groovy und eingängig, erinnert mich an Talk Talk aus den 80ern. Obwohl ich ja sonst ganz klar der Gitarren- und weniger der Elektronikfraktion angehöre, gefällt mir das hier ausgesprochen gut. Ein Album „A Certain Kind Of Hug“ gibt es auch schon, etwas mehr Up-tempo und sogar mit Gitarren, und ein neues Album ist für das Frühjahr 2018 angekündigt. Am Ball bleiben.

Deutlich krachiger und gitarrenlastiger geht es bei Brandt zu, hier fällt mir Hüsker Dü als Referenz ein. Mehr „Wall of sound“ mit „Hidden hooks“ in den Gesangslinien. Alle Songs sind um die zwei Minuten lang und kommen ohne viel Federlesens auf den Punkt. Rumpelnder Bass, heftiges Schlagwerk und die zwei Gitarren marschieren ganz gewaltig nach vorne. Und trotzdem kommt die Melodie nicht zu kurz. Es gibt eine Vinyl-Single, weiteres Material findet sich bei Bandcamp im Netz und eine überregionale Tour ist für Anfang 2018 avisiert.
https://brandtbrandtbrandt.bandcamp.com/album/s-t

Die besondere Überraschung des vorweihnachtlichen Konzertabends waren für mich aber Of Richard. Hier sind vier von sechs ehemaligen Them Cities-Mitgliedern verblieben, die im positiven Sinne die Ecken und Kanten aus der Musik eliminiert haben. Mehrstimmiger Gesang, perlende, glasklare Jingle-Jangle-Gitarren und wunderbar melodiöse Gesangslinien und -harmonien. Hier höre ich den Teenage Fanclub raus. Die Band spielte heuer ihr erstes Konzert, eine EP ist in Produktion, das hat mir wohl richtig gut gefallen.
Schließlich noch: Them Cities gibt es leider nicht mehr, deren tolle Musik findet sich aber auch im Netz. Stöbern lohnt sich.

Wolfgang Buchholz

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