Geschrieben am 14. Dezember 2011 von für Musikmag

Soundcollage: Wintersongs

Draußen ist es kalt und stürmisch, drinnen überheizt und räucherkerzenneblig, und der Aggregatzustand des Selbst schwankt zwischen diesen beiden Polen – es ist Winter. Tina Manske hat zwei Alben gehört, die wunderbar in diese Jahreszeit passen. Und sie haben auch noch winterliche Namen!

Serph: Winter AlchemyVorfreude und Entspannung

Mit seinem Minialbum „Winter Alchemy“ legt der Soundfrickler Serph eines der ungewöhnlicheren Weihnachtsalben dieser Saison vor. Bereits der Opener „Noel“ ist bei genauerem Hinhören eine schöne elektronische Hommage an „We Wish You A Merry Christmas“ – das ist sowohl verspielt und fröhlich als auch durchaus musikalisch anspruchsvoll. Der Hörer wird in eine Stimmung zwischen aufgeregter Vorfreude und lang ersehnter Entspannung versetzt. Selbst ein Spinettsound („Twinkler“) ist in dieser Umgebung nichts Ungewöhnliches. Clicks’n’Cuts treffen hier auf Orgeln, und man müsste nun wirklich ein Unmensch sein, um diesen Titeln nicht wenigstens eine Grundsympathie entgegenzubringen.

Steuererklärung oder letzte Plätzchenbäckerei -„Winter Alchemy“ macht alles heller und mysteriöser, wie frischer Schnee. Es schadet natürlich nicht, dass der klassisch ausgebildete Serph eh einen Hang zur Theatralik hat. Leicht und ernsthaft – so bereitet man sich gern auf die Bescherung vor.

Serph: Winter Alchemy. Noble Records. Serph bei MySpace.

Birds of Passage: Winter LadyGrandios traurig

Wenn dann – noch während der Feiertage oder spätestens kurz danach – die Melancholie einsetzt und man es nicht mehr ertragen kann, das ewige Gesäusel der Glocken etc., dann schlägt die Stunde des düsteren, gruseligen und grandios traurigen Albums „Winter Lady“. Bereits die Melodie des Openers „fatal melody“ scheint aus solch abgrundtiefer Dunkelheit und Leere hinaufzusteigen, dass man ihren genauen Ort gar nicht ausmachen kann. Kommt sie wirklich aus den Boxen, oder war da hinten im Nebel nicht gerade so eine komische Gestalt, die sie mitgesummt hat?

Birds of Passage, das ist Alicia Merz aus Neuseeland, die sich gerne durch ihre Songs flüstert, während man das Klirren der Eiskristalle fast hören kann. So auch in den sieben Songs dieser ihrer zweiten Platte. Minimalismus ist Trumpf, die Geschwindigkeit aufs Nötigste gedrosselt, jeder elektronische Schlenker im Hintergrund ist deutlich zu hören. Musik, die einen spät abends, wenn an Schlaf nicht zu denken ist, angenehm in die Kissen drückt.

Birds of Passage: Winter Lady. Denovali Records (Cargo).Die Band bei MySpace.

Tina Manske

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