Posted On 1. Juli 2017 By In Musikmag, News With 1169 Views

Radiohead: OKNOTOK

radiohead_oknotokRockhistorie

Solche Momente wie das erste Hören von „I Promise“, „Man Of War“ und „Lift“ hat man selten im Leben. Es ist, als würde man einem alten Freund nach sehr langer Zeit (20 Jahre!) wiederbegegnen. Oder als würde man eine Zeitreise ans Ende der 90er-Jahre machen und seinem eigenen Selbst, wie es dort war, wiederbegegnen. „OKNOTOK“, die Sonderedition, die nun 20 Jahre nach „Ok Computer“ als Doppelalbum erscheint, enthält neben dem Originalalbum drei neue Songs (s. o.) sowie eine Sammlung von B-Sides. Man sollte die Songs zusammen mit den Videos sehen. „I Promise“ bringt ein Wiedersehen mit dem „Paranoid Android“ des Originalalbums, sozusagen vom Comic in die Realwelt übertragen, aber an der Mütze und den aus dem offenen Hals ragenden Kabeln noch gut zu erkennen. Sobald Thom Yorkes Stimme einsetzt ist man wieder in 1997, in der Zeit des Millenium-Wahns und -Hypes und in der Zeit vor Heimatschutzministerien. Doch die Paranoia, die ist eben schon zu spüren, wie ein Gewitter, das sich zunächst durch die sich verändernde Atmosphäre bemerkbar macht. Auch die zweite Single „Man Of War“ liegt auf dieser Linie, und ach, es tut so gut, Yorkes junge Stimme wieder zu hören wie zum ersten Mal.

So viele Pop-Memes haben wir „Ok Computer“ zu verdanken – zum Beispiel den „Hitler Hairdo“ oder die „Karma Police“. Gab es vor „Ok Computer“ eigentlich sowas wie Art auf einer Mainstream-Platte? Apropos „Paranoid Android“: Man kann den Song ja kaum mehr vom grandiosen Video trennen. „Paranoid Android“ war die „Bohemian Rhapsody“der 90er- und Nullerjahre, mindestens drei Songs in einem. Nach dem nochmaligen Wiederhören sticht insbesondere „Let Down“ als Superhit unter all den Superhits heraus. In den 90er-Jahren wusste man vielleicht noch nicht, was das ist, „a job that slowly kills you“ und „bruises that won’t heal“ („No Surprises“); ein paar der damaligen Hörer dürften an ebendiesen Jobs und ihren Umständen in der Zwischenzeit bereits verzweifelt sein. Gewidmet ist „OKNOTOK“ übrigens Rachel Owen, der ehemaligen Partnerin von Thom Yorke, die im Dezember 2016 starb.

„OKNOTOK“ ist seit langem die erste Platte, für die mir der Download nicht reichte und die ich mir in der CD-Abteilung kaufte, weil ich sie im Regal haben muss. Apropos muss: Muss ich noch mehr sagen?

Tina Manske

Radiohead: OKNOTOK. XL Recordings.

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