Geschrieben am 28. Januar 2010 von für Musikmag

Psychonauts: Songs For Creatures

Psychonauts: Songs For CreaturesWiedergänger

Eine abwechslungsreiche Reise von Psychadelic zu Techno, mit weitläufigen Abstechern in alle möglichen anderen musikalischen Gefilde. Von Tina Manske

Wer Psychonauts googelt, landet erstmal bei einem beliebten Jump-and-run-Videospiel – verdammte Alzheimererkrankung der Musikgeschichte. So werden viele vielleicht nie darauf kommen, dass unter dem selben Namen eine sehr einflussreiche Danceplatte das Licht der Welt erblickte. Das war 2003, und DJ Hell spricht noch heute davon, dass „Songs For Creatures“ eine große Inspiration zu seinem Erfolgsalbum „Teufelswerk“ war, und auch James Murphy von DFA lobt das Album in den höchsten Tönen. Tatsächlich ist die Platte, hört man sie heute wieder als Re-Release – sieben Jahre nach der Erstveröffentlichung -, eine abwechslungsreiche Reise von Psychadelic zu Techno, mit weitläufigen Abstechern in alle möglichen anderen musikalischen Gefilde.

Wind im Haar

Stücke wie „Empty Love“ sind eine solch unverschämte Einladung auf die Tanzfläche, dass einem schwummrig wird, während das eröffnende „Circles“ die mit psychoaktiven Substanzen geschwängerte Luft der 70er-Jahre atmet und „Life’s Swift Charger“ schon jetzt ein echter Downbeat-Klassiker ist. „Hips For Scotland“ könnte auch heute noch – nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte – ohne Probleme die Geschäfte einer Großbank erfolgreich werbetechnisch untermalen, inklusive Wind im Haar vor unendlichen landschaftlichen Weiten. Natürlich darf mit „Hot Blood“ auch nicht der typische Sex-Smasher der Nuller-Jahre fehlen, dessen Gestöhne jedoch von einer beeindruckenden Trompete aufgefangen wird.

Insgesamt aber ist „Songs For Creatures“ eine wahrliche Großtat ohne Grenzen. Man kann nicht umhin an die Genialität eines DJ Shadow ausgangs der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts zu denken. Bleibt also zu hoffen, dass nach dem ganzen Hype um Electroclash, in dem „Songs For Creatures“ unterzugehen drohte, die wahre Meisterschaft der Psychonauts neu gewürdigt werden wird. Denn – und das lässt den Kreis sich wunderbar schließen – die Platte steht als Wiedergänger ganz fest und unverrückbar in der Gegenwart der zeitgenössischen Clubmusik.

Tina Manske

Psychonauts: Songs For Creatures. Gigolo Recordings (Vertrieb: Rough Trade/NEWS).