Posted On 3. Oktober 2015 By In Musikmag With 1965 Views

New Order: Music Complete

New Order_Music CompleteTempo statt Intuition

Sie fängt ja erstmal richtig gut an, die neue Platte von New Order, der Band, der man mit diesem Output – neun Studioalben in 35 Jahren – jedenfalls keine Überproduktion vorwerfen kann. Die Single „Restless“, die „Music Complete“ eröffnet, ist ein klassischer New Order-Track: Elektronisch, tanzbar, warm; mit zugleich melancholischem und euphorischem Refrain, man fühlt sich an Hits wie „True Faith“ erinnert.

In 35 Jahren Bandgeschichte (zählt man die Joy-Division-Zeit dazu, sind es noch ein paar Tage mehr) hat sich ein umfangreiches musikalisches Erbe angesammelt, aus dem New Order ausgiebig schöpfen; warum auch nicht, völlig ok für eine Band, die einen derart uniquen Sound erschaffen hat. Apropos Band: Bassist Peter Hook ist seit einigen Jahren nicht mehr dabei, dafür ist Keyboarderin Gillian Gilbert wieder im Einsatz. Bernard „Bernie“ Sumner und Phil Cunningham halten die Stellung und klar, irgendwann ist es an der Zeit für neues Material, „Waiting for the Sirens‘ Call“ kam 2005 heraus. „Music Complete“ bietet – ganz abgesehen vom ziemlich größenwahnsinnigen Titel – neben dem Hit „Restless“ nichts wirklich Neues. Das ist ein Vorwurf, der einer seit so langer Zeit exisitierenden Band wahrscheinlich wenig ausmachen wird; andererseits tragen New Order das Neue ja schon im Namen… aber gut.

New Order machen mangelnde Innovation durch Tempo wett, die Band prescht durch die Stücke, als sollte Schnelligkeit allein ihre Bedeutung rechtfertigen. HiNrG hieß das früher mal, aber das ist ja auch schon eine Weile her. New Order lassen gute alte Hacienda-Zeiten wieder aufleben, Synthies und E-Gitarren arbeiten geradezu gleichberechtigt; und am Schönsten wird es, wenn Elly Jackson alias La Roux als Gastsängerin dazukommt („Tutti Frutti“, „People On The High Line“), weil sich so eine stringente Linie von den Pionierzeiten zum heutigen Elektro-Clubsound ziehen lässt. Gänzlich unverständlich sind allerdings die stimmlichen Einsätze von Iggy Pop („Stray Dog“) und Brandon Flowers („Superheated“), die dem Album eher schaden als nutzen – warum brauchen New Order überhaupt so viele Vocals anderer Leute? Und warum ausgerechnet Pop und Flowers? Man versteht es nicht, denkt darüber ein bisschen nach und während New Order auf ihrer eigenen Platte den Faden verlieren, verlässt die HörerIn die Geduld. Ich merke mir „Restless“, „Plastic“ und „People On The High Line“ und gebe zurück ins Studio.

Christina Mohr

New Order: Music Complete. Mute (Good to Go).
www.neworder.com/

 

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