Geschrieben am 18. April 2012 von für Musikmag

Mittekill: All But Bored, Weak And Old

Mittekill: All But Bored, Weak And OldDer zieht das voll durch

– Berlin-Mitte ist tot, alles verwelkt und alles nur noch ironisch gemeint? Friedrich Greiling alias Mittekill fühlt sich trotzdem wohl als Checker. Von Tina Manske.

Das ist vielleicht der nächste und allerletzte Twist in der Geschichte des Großstadt-Bohemians: Jetzt, wo er sich in Berlin von Mitte nach Neukölln durchgefressen hat, ihn auch der letzte „Zeit“-Kolumnist hasst und nun wirklich jede Verarschung eine Wiederholung einer bereits verfassten Verarschung ist, verarscht sich der Szene-Hipster einfach selbst.

Keine Ahnung, ob sich Friedrich Greiling, der mittlerweile die Band Mittekill ganz allein stellt, als Hipster begreift, aber so, wie er in den Videos durch Berlin hüpft, könnte man’s meinen. Und auch die Texte lassen sich in diese Richtung interpretieren: „Ich will eure Jobs nicht/ bei euren Jobs kotz ich… Wenn Autos sich stauen/ küss ich lieber Frauen“ und die darauffolgende Aufforderung, doch lieber den nächstbesten Idioten auszunehmen – da ist es nicht mehr weit zum „Eure Armut kotzt mich an“-T-Shirt. Alles ist irgendwie ironisch gebrochen, richtig ernst nehmen muss man hier nichts, alles, was sich gut anhört, wird auch gesagt. Soll doch mal einer versuchen auseinanderzuklabüstern, was hier noch Message ist und was nur noch Staffage, alles Zeitverschwendung, während er schon wieder Frauen abknutscht.

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Letztlich führt das aber wohl doch alles in die Irre. Greiling ist auch zu lange in der Stadt (seit den Nuller-Jahren) und in der Elektro-Szene, als das er noch was beweisen wollte oder müsste – außer beeindruckender Souveränität. „All But Bored, Weak And Old“ ist von Anfang an überaus abwechslungsreich gestaltet. Es beginnt mit einem balladesken „Leb wohl“, einem Abschiedslied an Greilings Vater, bei dem man unwillkürlich an Soap & Skins „Vater“ denken muss. „Schlangen“ ist beherzter Elektropop, dann wieder Lagerfeuerromantik beim „Chinaimbiss Berlin“, bevor „Endconnection“ erst mal alles klar macht: „Jetzt wird nicht mehr gefackelt/ jetzt wird gefickt“, und das zu einem sehr moderaten, herzschonenden Beat.

Abgehen darf man dafür gleich im Anschluss zum technoiden, haha: „Jtzt wrd gefckt“. Auch organisatorisch macht diese Platte sehr viel richtig, wird man als Hörer schön geführt von Traumtänzen über Bumm-Bumm-Bums-Beats zum Elektrorock des bereits erwähnten „Jobs“. Und wenn es bei „Baby Rok“ heißt: „Der zieht das voll durch mit dem Rock“, kann man nur zustimmen: JA!

Tina Manske

Mittekill: All But Bored, Weak And Old. Staatsakt (Roughtrade). Zur Homepage.

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