Posted On 17. Oktober 2017 By In Musikmag With 616 Views

Maurice & Die Familie Summen: Bmerica

summen_bmericaMaurice & Die Familie Summen: Bmerica

Dieses Album sprüht vor funky Musikverständnis. Maurice Summen, Labelchef von Staatsakt und seit Jahren Teil von Bands wie Die Türen und der Der Mann (sowie viele andere, weniger bekannte) hat sich mit „Bmerica“ einen Traum erfüllt. Hier steht gefühlt eine Megaband auf der Bühne resp. im Studio. Zu den beteiligten Musikerinnen gehören der musikalische Direktor Michael Mühlhaus und Ramin Bijan von Die Türen, die Dancehall-Spezialisten Jérôme Bugnon und Tobi Cordes sowie – besonders lobend hervorzuheben – die Saxophonistin Susanne Folk sowie der Trompeter Richard Koch, die dem Sound fette Tiefe verleihen.

Apropos fetter Sound: Produziert wurde „Bmerica“ von Olaf Opal, der unter anderem auch das formidable Disco-/Funkalbum der Sterne namens „24/7“ aus dem Jahr 2010 mitgewirkt hat. An diesen Meilenstein erinnert „Bmerica“ ein ums andere Mal, da auch hier Dance-Credibility mit klugen Texten eine Symbiose eingehen. „Großgeworden in einer Neubausiedlung in Westfalen/ muss ich heute mein Craft Beer mit Bitcoins zahlen“, singt Maurice Summen zum Beispiel im Opener „Zeichen des Widerstands“. Halten wir hier gleich mal fest, dass Summen ohne Frage zu den besten Texter diesen Landes gehört. Und wenn es sein muss, folgt auch mal ein textloses „Shananana“ – das funktioniert hier, weil eben auch der Beat den Hörer eh über alle Berge und Täler trägt. Weiterer Höhepunkte sind „Bock“, ein Prokrastinationssong mit ungeheuer smoothen Rhythmuswechseln, sowieso das ungeheuer funkige „Zeit zurück“ feat. Kryptik Joe von Deichkind.

Nicht zufällig verweist der Name dieses losen Bandzusammenschlusses auf die in den 70er-Jahren erfolgreichen Sly & The Family Stone – eine Band, die bereits den Eltern von Maurice Summen sehr wichtig war. Kein Wunder auch, dass einem Jungen, der mit Marvin Gaye, Psychobilly und den Funkmonstern dieser Ära aufwuchs, später (also jetzt) diese Musik quasi aus den Poren trieft.

In den letzten 25 Minuten erzählt Maurice Summen denn auch seine eigene Geschichte – von den Anfängen im Westdeutschland der späten 80er-Jahre über diverse Musikprojekte bis hin zum zwingenden Ergebnis dieser Sozialisation, nämlich der Arbeit am vorliegenden Album. Das ist nicht nur eine persönliche Geschichte, sondern auch eine schöne Zusammenfassung der Musikgeschichte der letzten 30 Jahre.

„Die Kommerzialisierung der Welt“, heißt es im gleichnamigen Song, „hat uns nichts gekostet – na gut, ein bisschen den Verstand“. Wer später wissen will, was die Welt im Jahr 2017 so umtrieb, der wird um diese Platte nicht herumkommen.

Maurice & Die Familie Summen: Bmerica. Staatsakt.

Tina Manske