Geschrieben am 6. Februar 2013 von für Musikmag

Matmos: The Marriage Of True Minds

 Matmos-The-Marriage-of-Ture-Minds„…brainwaves transmitted from my mind…“

– Matmos, eine von M. C. Schmidt und Drew Daniel 1995 gegründete experimentelle Band aus San Francisco, die besonders auch mit Musique concrète, Geräuschen, Samples und Field Recordings und mit diversen Musikern arbeitet, veröffentlichen Ganzfeld-Sessions, Para-Psychologische Experimente, der vergangenen Jahre. Von Tina Karolina Stauner

Mit „The Marriage Of True Minds“ werden rhythmischer Pop, treibender Techno, Arrangements mit Synthesizern, lateinamerikanische Klänge, alle möglichen Soundquellen, cooles Nightclub-Ambiente, geometrische Kunst, verschiedenster Noise und schöne Melodien von Matmos in Kollaboration diesmal mit u. a. Nautical Almanac und the Arditti String Quartett zusammengestellt.

Grob skizziert: Während videogefilmter psychischer Experimente im Haus von Matmos in Baltimore und an der Oxford University fragte man Testsubjekte, was sie sehen und hören. Grundprinzip der Ganzfeld-Untersuchungen ist: zwei Versuchspersonen sind räumlich getrennt. Eine Person wird von Umweltreizen abgeschirmt, während der anderen Person Bilder oder Videos gezeigt werden. Diese soll dann diese Information an die isolierte Person „senden“, die ihre Gedanken dazu mitteilt. Ganzfeld-Vorgehen sind wissenschaftliche Erforschung von Gedankenübertragung zwischen Gedanken-Sender, Gedanken-Empfänger und Versuchsleiter.

Bei den Matmos-Sessions hörten Testsubjekte in sinnlicher Abgeschiedenheit „White Noise“ auf Kopfhörern. Diese Ganzfeld-Arbeiten wurden in Matmos‘ Denken übertragen. Neun Songs von „The Marriage Of True Minds“ sind das Ergebnis von ernsthaft bis ironisch seltsamem Ganzfeld-Herumgespiele zu strangem Electro-Pop und weirdem Noise transformiert. Beginn des Albums: Klavier, Percussions, Stimme: „Telepathy / We want to know…“. Eine Adaption von „You“ von Palais Schaumburg-Musikern geschrieben. Im hybriden Sounddesign von „The Marriage Of True Minds“ von Romantik über Techno bis Metall werden auch Stimmen gefeatured.

Insgesamt als fast unterkühltes, machmal regelrecht merkwürdig abweisend wirkendes, trotzdem wiederum doch auch als hübsche, einladende Spielerei bezeichenbares Album. Rotschimmernd hier und kleine und große grüne Pyramiden überall sprießend dort. Und endet da mit einem Buzzcock-Cover : „Do you believe in E.S.P?…brainwaves transmitted from my mind…“

Tina Karolina Stauner

Matmos: The Marriage Of True Minds. Thrill Jockey (Rough Trade). Zur Homepage.

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