Posted On 1. Juli 2017 By In Musikmag, News With 1044 Views

Lydia Lunch & Cypress Grove: Under the Covers

lunchGroßartig – meistens…

Für Coverversionen hatte Spoken-Word-Ikone Lydia Lunch schon immer ein großes Faible, auch als sie noch die junge Wilde der New Yorker No-Wave-Szene war: Auf ihrem Solo-Debütalbum „Queen Of Siam“ von 1980 befinden sich mit „Gloomy Sunday“ und „Spooky“ gleich zwei überraschende Klassiker-Interpretationen; etwas später unterzog sie Led Zeppelins „In My Time Of Dying“ und – im Duett mit Rowland S. Howard – „Why Don’t We Do It In The Road?“ von den Beatles und Lee Hazelwoods „Some Velvet Morning“ ihrer ganz speziellen Behandlung.

Doch so weit wie auf ihrem aktuellen Album „Under The Covers“ ist La Lunch noch nie gegangen: Zusammen mit Cypress Grove, ihrem bewährten Kollaborateur an der Bluesgitarre, hat sie eine Version von Bon Jovis (!) Westernfilmsong „Blaze Of Glory“ aufgenommen, die sich gewaschen hat. Der prägnante Gitarrenpart wurde von Cypress Grove, der auf Platten von Jeffrey Lee Pierce, Nick Cave, Debbie Harry und vielen anderen zu hören ist, kaum verändert. Lunch dagegen zerfetzt Bon Jovis belanglosen Charthit mit ihrer rauen, grollenden Stimme so sehr, dass man in „Blaze Of Glory“ zum ersten Mal so etwas wie Bedeutung erkennen mag. Mit Cypress Grove hat Lydia Lunch schon öfter zusammengearbeitet, zum Beispiel 2014 auf dem Album „A Fistful Of Desert Blues“, das neben besagtem desert blues spanische Elemente aufwies; in dieselbe Zeit fiel auch ihr gemeinsames Eagles-Cover „Hotel California“.

Auf „Under The Covers“ befinden sich – wie der Titel schon sagt – nur Coverversionen, angefangen von Bobby Gentrys „Ode To Billie Joe“ über „Won’t Leave You Alone“, das Lunch mit James Johnston von Gallon Drunk geschrieben hat (ein Eigencover also) bis zu „I Want You“, im Original von Elvis Costello, dem Lunch die bebrillte Schüchternheit aus- und dringliche Leidenschaft eintreibt.

Die Kombination aus Cypress Groves bluesigem Gitarrenspiel voller Wüstenstaub und Lunchs stets übellaunigem Hexenküchenorgan ist meistens großartig – siehe/höre der Schlusstrack „Low“, im Original von Cracker; geht aber manchmal auch daneben: Wie die beiden Steely Dans geschmeidigen Klassiker „Do It Again“ in tonnenschwerem, verzerrten Bluesrock begraben, verzeihe ich ihnen nicht so schnell. Andererseits haben sie dank der Bon-Jovi-Sache bei mir einen echten Stein im Brett.

Christina Mohr

Lydia Lunch & Cypress Grove: Under the Covers (Rustblade). Auf Facebook, zur Homepage.

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