Geschrieben am 2. April 2009 von für Musikmag

Leonard Cohen: Live In London

Glänzend aufgelegt

Mitschnitt eines denkwürdigen Konzertabends: There ain’t no cure for love. Von Tina Manske

„Ist das Gott?“, fragt meine Freundin am Telefon, als diese Platte im Hintergrund läuft. Ja, das ist er. Bei seinem Konzert in der Londoner O2-Arena im Sommer 2008 zeigte Leonard Cohen, dass er einer der wenigen wirklich Großen im Musikgeschäft ist. Nicht, dass es dazu noch irgendeines Beweises bedurft hätte. Aber was man über das Konzert in Berlin las – unter anderem, wie dieser damals 73-Jährige dort oben steht und er immer noch alle Frauen da unten haben könnte, die ihm bei „I’m Your Man“ an den Lippen hängen (und ein paar Männer gleich dazu) -, dieser unglaubliche Sexappeal und Soul, das transportiert sich auch problemlos auf dieser Doppel-CD.

Jede Minute dieser Aufnahme lässt spüren, dass man an diesem Abend hätte dabeisein müssen. Alle großen Songs werden gespielt, „Dance Me To The End Of Love“, „Hallelujah“, „Suzanne“, Neueres und Älteres, und auch an den Reaktionen des Publikums, das beinahe andächtig schweigt, bevor der Applaus losbricht, bemerkt man die Glückseligkeit, die über der Szenerie schwebte. Nie war Cohens Stimme tiefer und gänsehautauslösender, nie war er entspannter und besser gelaunt, er strahlt eine unglaubliche Weisheit aus. Dazu kommt eine glänzend aufgelegte Band. Klingt vielleicht alles zum Kotzen arschkriecherisch, kann man aber nicht anders sagen. Mittlerweile wurde der Kanadier übrigens in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen.

Cohen plaudert entspannt und mit Augenzwinkern von seinem Leben, zum Beispiel, wenn er von seinem letzten Konzert in London erzählt. „I was 60 years old, just a kid with a crazy dream. And since then I’ve taken a lot of Prozac… and studied a lot of philosophies, but cheerfulness kept breaking through… There ain’t no cure for love.“ So sei es. Von Depression keine Spur mehr. Ebenfalls gerade erschienen ist ein DVD-Livemitschnitt des Konzertes, sehr wahrscheinlich auch nicht ohne Tränen in den Augen anzuschauen.
In diesem Jahr kommt Cohen übrigens wieder nach Deutschland, und dieses Mal gibt es keine Entschuldigungen. Hingehen!

Tina Manske
Titelangaben:
Leonard Cohen: Live In London. 2 CD. Columbia (Vertrieb: Sony BMG).