Geschrieben am 29. Februar 2012 von für Musikmag

Lambchop: Mr. M

Lambchop: Mr. M„Die Platte handelt von der Liebe“

– Beim elften Album der Band aus Nashville umspielt zuweilen fast schon ein breites Lächeln die Mundwinkel von Kurt Wagner. Und das, obwohl die Platte einen traurigen Anlass hat.

Das Allerschönste an den immer wieder schönen Alben von Lambchop ist ja dies: dass das tatsächlich funktioniert mit den leisen Tönen, die trotzdem ganz laut gehört werden und bei den Menschen in großer Zahl ankommen. Für die nun auch schon elfte Platte der Band hat die wunderbare Traurigkeit, die den Songs von Lambchop innewohnt, einen realen Hintergrund. Am 1. Weihnachtsfeiertag 2009 schied Kurt Wagners Freund und Mentor Vic Chesnutt freiwillig aus dem Leben. Trotzdem ist „Mr. M“ nicht nur auf diesen schrecklichen Verlust bezogen. Vielmehr hat Kurt Wagner, so will es scheinen, zum ersten Mal den Mut gefunden, das Wort Liebe in seinen Songs zu verankern; ja, der Sonnenstrahl, der die Dunkelheit bei Lamchop immer schon etwas erhellt hat, strahlt hier einen gewaltigen Ton heller als sonst.

Tatsächlich hat Wagner das Wort ‚Love‘ auf den bisherigen zehn Alben bisher vermieden, eigentlich schon ein Kunststück an sich im Musikbusiness. Kurt Wagner sagt zu „Mr. M“: „Das ist keine Elegie und kein Tribut an einen Freund und Mentor… Die Platte handelt von Liebe und der heilenden, verbindenden Kraft, die sie repräsentiert. Sie wird immer mehr zu dem einzigen Ding, für das es sich zu leben lohnt.

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Eingespielt wurde das Album mit Produzent Mark Nevers in Nashville. Die Band holte sich dafür Streicher aus London und Austin hinzu, die für einen besonders warmen und organischen Sound sorgen. Abseits aller offensichtlichen äußerlichen Umstände ist „Mr. M“ wieder einmal eine Konglomeration von Poesie und leichthändig erspielter Musikalität – man höre sich nur das geniale Understatement des Gitarrenpickings in „The Good Life (Is Wasted)“ an, das mit einem umarmenden Piano untermalt wird: man sitzt mit runtergelassener Kinnlade da. Die Frage, ob die Band aus Nashville nun Country macht oder Kammer-Folk oder Americana oder oder oder ist heute so wenig interessant wie immer – Lambchops Sound ist einfach unverkennbar, ebenso wie die dunkle, leise und eindringliche Stimme von Kurt Wagner, die man irgendwann einmal in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufnehmen wird, wo sie hingehört. Auch das Artwork stammt übrigens von ihm.

Mit „Gar“ und „Betty’s Overture“ sind in guter Lamchop-Tradition auch zwei Instrumentals auf der Platte. Eine Platte, die es mit den Meilensteinen „Is A Woman“ und „Nixon“ aufnehmen kann.

Tina Manske

Lambchop: Mr. M. Cityslang.

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