Gonjasufi: MU.ZZ.LE


Gonjasufi: MU.ZZ.LEWie im Marihuananebel

– Auf seinem neuen Album macht der charismatische Kalifornier Gonjasufi weiter, wo er mit seinem gefeierten Debüt begann – er impft dem Trip-Hop neues Blut ein. Tina Manske über ein Album ohne Maulkorb.

Der kalifornische Musiker und Produzent Gonjasufi begeisterte vor fast zwei Jahren mit seinem Debüt „A Sufi And A Killer“ sowohl Kritiker als auch das Publikum – so strange klang wenig anderes. Zwischen psychedelischen Trips sowie Trip- und Hip-Hop siedeln seine Songs, die selten die Drei-Muniten-Grenze überschreiten. Mit „MU.ZZ.LE“ schiebt der Schamane mit den charismatischen Dreadlocks nun ein Mini-Album hinterher, das all die hohen Erwartungen mehr als erfüllt. So kurz es auch ist, ist es doch aussagekräftig und bietet deutliche – wenn auch düster Statements politischer und philosophischer Art. Entstanden ist es während der häufigen Reisen, die der Musiker, der im wirklichen Leben Yogalehrer ist, unternimmt. Der Titel „MU.ZZ.LE“ ist erfreulich zweischneidig, kann er sich doch auf den Maulkorb beziehen, den man angelegt bekommt, oder aber auf die Mündung einer Waffe. Jemand wie Gonjasufi würde sicherlich korrekterweise erklären wie beides zusammenhängt und dass man das eine eben nicht tut (die Leute mundtot machen) ohne das andere heraufzubeschwören (gezückte Waffen).

Die Songs und die Texte entstanden hauptsächlich in der Einsamkeit, aufgenommen wurde „MU.ZZ.LE“ dann in Gonjasufis Schlafzimmerstudio. „Feedin’ Birds“ ist ein Duett mit Gonjasufis Frau, der ‚Hit‘ des Albums ist aber auf jeden Fall das darauf folgende grandiose „Nickels And Dimes“, eine wilde Mischung aus Portishead und Tricky, wie überhaupt diese Musik den Trip-Hop erfreulich wiederbelebt und ihn dennoch spannend hält. „Blacksuit“ mit seinem verschleppten Rhythmus klingt wie ein alter Indianer auf Marihuana, aber noch bevor man – kopfnickend und halb auf Wolken – ganz in dieser Stimmung versinkt, ist der Song auch schon zu Ende und folgt mit „Sniffin’“ der passende Schlussakkord.

Trotz der durchweg wie durch Marihuananebel verhangenen Stimmung ist „MU.ZZ.LE“ ein Album, das auf ganz unheimliche Weise gute Laune verbreitet. Nach weniger als 25 Minuten ist der Spaß leider zu Ende, aber man kann ja gut und gerne öfter auf ‚Play‘ drücken.

Tina Manske

Gonjasufi: MU.ZZ.LE. Warp. Zur Homepage von Gonjasufi.

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