Dirty Projectors: Swing Lo Magellan


Dirty Projectors: Swing Lo MagellanKooperation gefragt

– David Longstreth, das Mastermind der aus Brooklyn stammenden Band Dirty Projectors, ist in aller Munde. Die Süddeutsche Zeitung stellt ihn in eine Reihe mit Rufus Wainwright, Yim Yames, Sufjan Stevens und Antony Hegarty, Spiegel online vermutet, dass ihn seine Genialität in Sphären führt, die wir Normalsterbliche niemals entdecken werden, und die runderneuerte Spex zitiert die “fucked-up Americana”, was natürlich als Lob aufzufassen ist. Von Tina Manske

Und auch wir kommen nicht umhin, das neue Album “Swing Lo Magellan” in höchsten Tönen zu empfehlen. Die Single “Stillness Is The Move” von der letzten Platte stellte ja eine Öffnung zum Pop dar, die im neuesten Werk wunderbarerweise nicht tür- und torangelweit vergrößert wird. Im Gegenteil sind die zwölf Songs auf “Swing Lo Magellan” denjenigen Menschen, die es gerne einfach haben, nur bedingt ans Herz zu legen.

Ein wenig muss man schon kooperieren wollen, wenn Longstreth schon beim Opener “Offspring Is Blank” nach einem kurzen Räuspern mit seinem typischen Gejaule beginnt. Sein Gesangsstil ist ja eh von hohem Wiedererkennungswert, aber wie er schon zu Beginn ein eigentliches Soulstück über hipstermäßige Elektro-Wipes legt, um am Ende in einem progrockigen Gitarrengewitter zu baden, wie er also mindestens drei Songs in einem unterbringt, das ist einfach umwerfend. Ebenso wie der kinderleicht wirkende Umgang mit afrikanischer Polyrhythmik und die perfekten arrangierten brillanten Satzgesänge seiner Mitstreiterinnen.

Wem immer Longstreth den fantastischen Lovesong “Impregnable Question” gewidmet hat, derjenige kann sich glücklich schätzen, mit so einem ausbalancierten, durcharrangierten Kleinod bedacht zu werden. Und apropos Projektion, die die Band ja schon im Namen führt: projiziert wird auf “Swing Lo Magellan” mit großer Lust. In “See What She’s Seeing” zum Beispiel, wo der Liebende beim Anblick der Geliebten eben nicht diese sieht, sondern das, was sie sieht – Freud hätte ebenselbige dran. Und in der mitreißenden Single “Gun Has No Trigger” heißt es: “You would have seen a million colours if you really looked” – aber der Narziss glotzt halt immer nur sein Spiegelbild an, bis es zu spät ist.

“It’s an album of songs, an album of songwriting”, sagt Longstreth. Und was für eines. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass “Swing Lo Magellan” am Ende des Jahres auf einigen Hitlisten ganz oben stehen wird.

Tina Manske

Dirty Projectors: Swing Lo Magellan. Domino (Good To Go).  Mehr hier.

Diese Seite ausdrucken