Geschrieben am 14. November 2012 von für Musikmag

Cody ChesnuTT: Landing On A Hundred

Schön altmodisch

– In den Royal Studios in Memphis hat Cody Chesnutt ein schön altmodisches Soulalbum aufgenommen, das klingt, als stamme es direkt aus den 70ern. Von Tina Manske.

Es ist eine kleine Sensation in diesem Herbst: Zehn Jahre nach seinem gefeierten Debüt „The Headphone Masterpiece“ veröffentlicht Cody ChesnuTT endlich wieder eine Langspielplatte. Seit „The Seed 2.0“ von The Roots ist der Soulmusiker auch einem größeren Publikum bekannt. Sein Auftritt in Dave Chapelle’s Block Party (2005) unter der Regie von Michel Gondry bedeutete den endgültigen Durchbruch. Nachdem er eine halbe Weltkarriere gestartet und um die Erde gejettet ist, nahm er sich eine Auszeit und kehrt jetzt mit seinem neuen, zweiten Album auf die große Musikbühne zurück.

„Landing On A Hundred“ (der Titel nimmt Bezug auf das Sprichwort ‚keeping it one hundred‘, was sich etwa mit ‚die volle Wahrheit sagen‘ übersetzt) ist ein sehr bodenständiges Album mit sehr lebensnahen Themen. Es beginnt mit einem klassischen Gospel, einem Erweckungssong: „’Til I Met Thee“ beschreibt die Begegnung mit Gott und welchen Unterschied die Auseinandersetzung mit der Religion für das eigene Leben bedeutet. Cody ChesnuTT thematisiert die Verwandlung vom Womanizer zum treusorgenden Familienmensch, der auch in einer alternden und eher nüchternen Ehebeziehung seine Erfüllung findet. 100 % die Wahrheit eben, das scheint sein Credo gewesen zu sein. Das Ergebnis ist eine angenehm unaufgeregte Platte, sehr selbstbewusst, sehr souverän. Aber dass wir uns nicht falsch verstehen: Cody ChesnuTT fährt auch in die Glieder, ins Tanzbein zumal – „Where Is All The Money Going“ ist hierfür ein guter Anspieltipp.

War „The Headphone Masterpiece“ noch ein Lo-Fi-Album mit einer attraktiv-schnoddrigen Note, so ist „Landing On A Hundred“ das hochproduzierte Gegenstück. Aufgenommen in den Royal Studios in Memphis von einer zehnköpfigen Band, betrat Cody ChesnuTT damit ‚geheiligtes‘ Land – das Mikro, in das er sang, hatte bereits Al Green, und auch weitere Ikonen des Soul haben dort ihre Platten aufgenommen, u. a. Ike & Tina Turner. Große Namen, an denen sich die Musiker offensichtlich mit großer Freude orientierten. So klingt „Landing On A Hundred“ über weite Strecken, als sei es tatsächlich aus der großen Zeit der 1960er- und 70er-Jahre. Fein!

Tina Manske

Cody ChesnuTT: Landing On A Hundred. One Little Indian (Rough Trade). Zur Homepage, zum Album-Stream.

Tags :